Zitat

Hans Küng über Papst Benedikt: «Dä Sausiech hät's gschafft»

«Als ich die Bildungsleitung des Lassalle-Hauses übernahm, begann ich, den interreligiösen Dialog weiter auszubauen. In nur wenigen Jahren entstand ein Programm, das weit über den Dialog mit dem schon etablierten Zen-Buddhismus hinausreichte.

Der Judaist Christian Rutishauser (links) mit dem liberalen Rabbiner von St. Gallen, Tovia Ben-Chorin.

Die Stiftung Weltethos wurde darauf aufmerksam und fragte an, ob das Lassalle-Haus ihr administrativer Sitz in der Schweiz werden und wir inhaltlich zusammenarbeiten können.

Bei der konstituierenden Sitzung war Hans Küng anwesend. Es war ein Jahr nach Amtsantritt von Papst Benedikt. So fragte ich Küng, wie es ihm ergangen sei, als er von der Wahl Ratzingers zum Papst gehört habe. Küng schwieg einen Augenblick. Dann – obwohl wir in der Sitzung hochdeutsch sprachen – brach es aus ihm heraus: ‘Dä Sausiech hät’s gschafft.’

Hans Küng auf seinem Grundstück in Sursee.

Alle mussten lachen. Der kurze Mundartsatz kam aus seinem tiefsten Bauchgefühl. Er sagt mehr über sein Verhältnis zu Ratzinger als viele klugen Analysen. Vor allem sagt er viel über sein emotionales Verhältnis zum Papsttum aus. Es war wohl eine Hassliebe, die ihn sein ganzes Leben begleitete.»

Christian Rutishauser war bis Dienstag Provinzial der Schweizer Jesuiten. Heute zieht er nach München um, wo er das Amt des Delegaten für Schulen und Hochschulen der neu gegründeten Zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten übernimmt. Rutishauser erinnert sich im Zürcher Pfarrblatt «Forum» an dieses Erlebnis mit Hans Küng. (rr)


Theologe Hans Küng am 17. März 2015 in Tübingen. | © Kna
30. April 2021 | 11:43
Teilen Sie diesen Artikel!