Urban Federer liest aus seinem neuen Buch vor. | © Sylvia Stam
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Urban Federer liest aus seinem neuen Buch vor. | © Sylvia Stam

«Gottesfreundschaft ist spannend, aber kein Spaziergang»

Einsiedeln SZ, 26.10.18 (kath.ch) «Quellen der Gottesfreundschaft» heisst das erste Buch von Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln. Es enthält persönliche Gedanken zu den Festen des Kirchenjahres. An der Vernissage vom Donnerstag in Einsiedeln erläuterte er, wie es möglich wird, Weihnachten jedes Jahr wieder mit neuem Leben zu füllen.

Sylvia Stam

«Abt Urban hat schon 25 Mal an Weihnachten gepredigt, und er wird es demnächst zum 26. Mal tun», sagt Thomas Binotto, Chefredaktor des Zürcher Pfarrblatts «Forum», an der Buchvernissage vom Donnerstag in Einsiedeln.

Thomas Binotto | © Sylvia Stam
Wie aber können die jährlich wiederkehrenden Feste und Zeiten im Kirchenjahr lebendig und «spirituell inspiriert» bleiben? Für Binotto hat dies mit «existenzieller Bewegtheit» zu tun. «Es bewegt dich, Urban», wendet er sich direkt an den Abt des Klosters Einsiedeln. Aus einer solchen Haltung heraus sei es möglich, «Karfreitag jedes Jahr wieder zu feiern, als gäbe es Ostern nicht».

Abt Urban Federer bestätigt dies. Sein Buch sei der Versuch, den Menschen zu sagen: «Das sind meine Gedanken, das hat mich bewegt. Vielleicht bewegt es dich auch», erklärt er nach der Vernissage im Gespräch mit kath.ch.

«Das hat mich bewegt.»

«Die Festtage füllen sich jedes Jahr anders, weil ich in meinem Leben an einem anderen Punkt stehe», so Federer weiter. «Das ist für mich das Spannende am Älter-Werden: Mit neuen Erfahrungen – positiven und negativen – meinen Glaubensweg zu gehen.»

Das Buch versammelt Predigten und Gedanken zu Bibelstellen, die dem Kirchenjahr folgen. Urban Federer fragt sich da jeweils, was die Stelle aus der Schrift ihm selber sage. «Ich kann nicht predigen, wenn ich mir diese Frage nicht gestellt habe.» Selbst wenn er mit einer Textstelle wenig anfangen könne, wie er im Gespräch mit kath.ch freimütig zugibt, sage er das in seiner Predigt. «Das, was eine Textstelle mir sagt, versuche ich in Worte zu fassen und mit meinen Erfahrungen zusammenzubringen.»

«Quellen sind überall, wo ich Interessantes finde.»

Inspirationsquellen kennt Urban Federer viele. Im Buch erwähnt der Benediktiner nebst der Bibel die Regel des Ordensgründers. «Quellen und Inspiration sind überall dort, wo ich Interessantes finde», fasst er im Gespräch mit kath.ch zusammen. Er diskutiere gerne mit Menschen. «Ich habe keine Berührungsängste, auch wenn Menschen anders denken, fühlen oder glauben als ich. Solange wir uns gegenseitig respektieren, können Menschen für mich inspirierend sein.»

Gott im Kaffeeduft und im Packpapier

Der Alltag an sich sei letztlich eine Quelle der Inspiration, sagte der Abt in seiner Ansprache an der Vernissage – etwa die lautstarken Telefongespräche anderer Mitreisender im Zug.

Kaffeeduft kann an Gottes Nähe erinnern. | © pixabay.com

Wie konkret Abt Urban Gott im Alltag erfährt, schildert er in seinem Buch. Da ist vom Kaffeeduft die Rede, der einen an die Nähe Gottes erinnere, noch bevor man das Getränk zu sich genommen habe. Oder von Gott im Packpapier, das darauf hinweise, dass uns jemand beschenken wollte, selbst dann, wenn uns das Geschenk nicht gefällt.

Quellen selber entdecken

Letztlich aber müsse jeder und jede solche Quellen der Gottesfreundschaft in sich selber entdecken, so Federer. Sein Buch könne dazu Anstoss sein. Und, gibt er zu bedenken: «Gottesfreundschaft klingt gut, aber sie ist kein Spaziergang. Der Weg mit Gott ist spannend, aber er bedeutet auch Auseinandersetzung!»

Urban Federer: Quellen der Gottesfreundschaft. Mit Abt Urban durch das Kirchenjahr. ISBN 978-3-7228-0915-1. Das Buch von Urban Federer eröffnet das Herbstprogramm des Paulus-Verlags, der neu zum Herder-Verlag gehört.

Abt Urban Federer | © Sylvia Stam
Abt Urban Federer | © Sylvia Stam
Urban Federer lauscht der Rede von Thomas Binotto. | © Sylvia Stam
Urban Federer lauscht der Rede von Thomas Binotto. | © Sylvia Stam

Drei Fragen an Urban Federer

Gibt es einen Festtag im Kirchenjahr, der Ihnen besonders nahe ist?
Federer: Das hat sich im Verlauf meines Lebens verschoben. Als Kind haben mich Advent und Weihnachten geprägt. Pfingsten habe ich erst im Kloster bewusst erlebt. Dabei hat mir die Liturgie geholfen. Die Pfingstsequenz ist eines meiner Lieblingsgebete. Es ist ungeheuer lebendig und macht lebendig. Die Person des Heiligen Geistes ist mir durch dieses Gebet ganz neu entgegengekommen.

Die Vorbereitung auf Feste sei wichtig, sagen Sie im Buch. Wie bereiten Sie sich auf Weihnachten vor?
Federer: Ich habe eine Outlook-Agenda, die eigentlich über das Jahr hinweg immer voll ist. Deswegen liegt vom 1. bis 24. Dezember ein violetter Balken darüber. Das soll mir visuell sagen: ‹Denk daran, du darfst auch einmal etwas nicht machen.›

Sie sprechen erstmals in Buchform zu Menschen. Ist das speziell?
Federer: Ja, meine Gedanken sind jetzt festgehalten. Sonst bin ich in meinen Gedanken frei. Jetzt kann jeder und jede damit machen, was er oder sie will. Ich kann nicht mehr über meine Gedanken verfügen. (sys)

 

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