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Vatikan
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Gegen Missbrauch in der Kirche ist ein fortdauernder Mentalitätswandel nötig

Rom, 19.8.18 (kath.ch) Gegen den Missbrauch Minderjähriger in der Kirche braucht es nicht nur Gesetze, sondern auch einen grundlegenden Mentalitätswandel. Dies ist eine der Schlussfolgerungen, die der Psychologe und Leiter des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana, der deutsche Jesuit Hans Zollner, aus dem jüngsten veröffentlichten US-Bericht zieht.

Hans Zollner | © KNA
Zollner äusserte sich am Samstag in zwei Interviews mit der italienischen Zeitung «La Stampa» sowie dem Portal «Vatican News» (Samstag) zur aktuellen Diskussion über den Umgang der katholischen Kirche mit dem Thema. Zu lange habe es in der Kirche «eine Kultur der Vertuschung, der Negierung und des Schweigens» gegeben, so der Jesuit.

Die Täter zu lange gedeckt

Obschon es gemäss dem Auftrag Jesu zu den primären Aufgaben der Kirche gehöre, die Kleine und Schwachen zu schützen, hätten Verantwortliche stattdessen die Täter gedeckt, sie versetzt. In den USA werde nun seit etwa 30 Jahren, in Deutschland seit acht Jahren offen über das Thema gesprochen.

Wie der jüngste Bericht aus Pennsylvania legten auch die übrigen vorliegenden Untersuchungen nahe, dass in den vergangenen sieben Jahrzehnten etwa vier bis sechs Prozent der Priester wegen des Missbrauchs Minderjähriger angezeigt oder verurteilt worden seien. All das müsse ans Licht kommen, denn nur auf diese Weise könne, wie Benedikt XVI. gesagt habe, «diese Plage geheilt werden».

Mentalitätswandel muss weitergehen

Im Übrigen zeige der jüngste Bericht auch, dass seit 2002, als die US-Bischöfe präzise Verfahrensregeln beschlossen haben, die Zahl der Fälle drastisch gesunken seien. «Demnach hat es eine signifikante Veränderung gegeben bei dem Phänomen gegeben, die ergriffenen Massnahmen funktionieren», so Zollner.

Für den weiterhin notwendigen Mentalitätswandel habe die Päpstliche Kinderschutzkommission inzwischen weltweit etwa 600 Schulungen organisiert, so Zollner. Gleichzeitig brauche es weitere, noch konkretere kirchenrechtliche Regelungen. Auch warnte der Psychologe davor, alles auf einmal lösen zu wollen und auf oberflächliche Aktionen zu setzen. Die Ausbildung neuer Priester, Ordensleute und die Auswahl kirchlichen Führungspersonals müsse langfristig ansetzen. (cic)


«Den Opfern muss grundsätzlich Priorität eingräumt werden»

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