Urban Federer | © bischoefe.ch
Gedanken zum Festtag
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Gedanken zum Feiertag: Weihnachten rechnet mit uns

Gedanken zu Weihnachten, 25. Dezember (Jes 9, 1-6, Jes 62, 1-5, Jes 62, 11-12, Jes 52, 7-10; Lk 2, 1-14, Mt 1, 1-25, Lk 2, 15-20, Joh 1, 1-18)

Urban Federer*

Einsiedeln SZ, 24.12.18 (kath.ch) Es klingelt – und Kinder rennen los! Diese Erfahrung mag kitschig daherkommen, aber sie hat viel mit der Botschaft von Weihachten zu tun: Gott bringt die Friedensbotschaft zum Klingen – und Menschen antworten, indem sie sich aufmachen.

Wer die Lesungen von Weihnachten hört, wird diese zwei Elemente immer wieder entdecken: Es ertönt etwas – und Menschen beginnen sich zu bewegen. Einige tun dies, indem sie anfangen zu sprechen oder gar zu singen. Im Buch Jesaja ertönen Schritte und die Stimme eines Freudenboten für die Stadt Jerusalem. Er kündet Frieden an, verheisst Rettung für die Stadt, die damals in Trümmern lag. Darum bricht das Volk in Jubel aus: Es bewegt sich hörbar aus seiner Lähmung heraus (vgl. Jes 52, 7-10). Andere Menschen bewegen sich in den Lesungen von Weihnachten auch körperlich: Engel bringen die göttliche Friedensbotschaft und Hirten beginnen zu laufen, bis sie bei der Krippe ankommen (vgl. Lk 2, 15). Was uns die Kinder an Weihnachten vorzeigen, ist also ein tiefer Vorgang des Glaubens: Es klingelt – und sie antworten, indem sie sich aufmachen, ja gar springen.

Wenn wir Gott nicht antworten, indem wir uns aufmachen, bleibt das weihnachtliche Klingeln nostalgische Erinnerung an die eigene Kindheit. Gott aber möchte Bedeutung in unserem Leben haben, unsere Herzen zum göttlichen Frieden bringen, sie heilen. Er sucht uns als göttlicher Heiland. Wer Gott ehrt, antwortet, indem er oder sie den Menschen ehrt. Wer glaubt, muss sich für die Würde jedes Menschen einsetzen. Wer an Weihnachten «Gott» sagt, sagt gleichzeitig auch «Mensch», wird doch Gott Mensch. Der Grund dafür, das tiefe Geheimnis von Weihnachten, ist in den Worten des Johannesevangeliums so ausgedrückt: «Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt» (Joh 1, 14). Und warum wird Gott Mensch? Das Evangelium sagt dazu, er gebe allen, die ihn aufnehmen, die «Macht, Kinder Gottes zu werden» (Joh 1, 12).

Weihnachten lädt uns ein, unsere Gotteskindschaft neu zu entdecken, denn wir alle haben den gleichen Vater und sind Brüder und Schwestern Jesu Christi. Darum dürfen auch wir aufspringen, wenn es läutet und wenn die Engel den Frieden auf Erden verkünden. Der Weihnachtsfriede beginnt im Herzen all jener, die mit Gott rechnen und für ihn offen sind. Dieser Friede wächst in unsere Familien hinein und macht sich letztlich in der Welt bemerkbar. Jemand muss den Anfang machen. Und Weihnachten lädt alle Menschen ein, sich mit uns zusammen für den Frieden einzusetzen, haben die Engel ihre Botschaft doch nicht nur den Hirten, sondern allen gebracht, an denen er sein «Wohlgefallen» hat (vgl. Lk 2, 14). Den Anfang dürfen wir selbst machen, wenn wir Weihnachten feiern.

Was also würden wir tun, wenn es jetzt plötzlich läutet? Müssten wir als Kinder Gottes nicht schon fast losrennen, als erste darauf antworten und unseren Nachbarn, ob wir sie kennen oder nicht, frohe Weihnachten wünschen? An Weihnachten sollten wir nicht rechnen. Weihnachten rechnet vielmehr mit uns.

 *Urban Federer ist Abt des Benediktinerklosters Einsiedeln. Diesen Herbst ist sein Buch «Quellen der Gottesfreundschaft. Mit Abt Urban durch das Kirchenjahr» erschienen. Es enthält persönliche Gedanken zu den Festen des Kirchenjahres. Der vorliegende Beitrag wurde eigens für kath.ch verfasst.


«Gottesfreundschaft ist spannend, aber kein Spaziergang»

 

 

 

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