Generalvikar Gebhard Matt (r.) begrüsst Papst Johannes Paul II. 1984 beim Besuch in der Schweiz | © zhkath.ch
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Generalvikar Gebhard Matt (r.) begrüsst Papst Johannes Paul II. 1984 beim Besuch in der Schweiz | © zhkath.ch

Gebhard Matt – prominenter Wortführer gegen Bischof Haas

Zürich, 17.5.17 (kath.ch) Wie ein Blitz schlug 1990 der Entscheid des ehemaligen Bischofs von Chur, Wolfgang Haas, ein: Kaum war dieser zum Bischof geweiht, entliess er in einer Säuberungsaktion den weit herum beliebten Priester Gebhard Matt als Generalvikar und Vizeoffizial für Zürich. Matt ist am 15. Mai im Alter von 84 Jahren verstorben – ein Nachruf.

Georges Scherrer

Die Absetzung trug massgeblich zum anschliessenden absoluten Zerwürfnis bei, das damals zwischen der katholischen Kirche im Kanton Zürich und der Bistumsleitung in Chur entstand. Haas begründete damals seinen Entscheid gegenüber der Presseagentur Kipa mit den Worten: «Wir haben verschiedene Ansichten in mehreren wichtigen Themen der Pastoral.» Matt habe von Anfang an «meine Bischofsernennung nicht verstanden». Beide gehörten vor 1990 mehrere Jahre dem Churer Bischofsrat an, kannten sich also gut.

Der Rauswurf wurde weit herum nicht verstanden und löste über die katholischen Kreise hinaus eine Welle der Sympathie für Matt aus. Ein Dekan aus dem Kanton Zürich bezeichnete Matt als eine «Integrationsfigur, als einen Seelsorger, dem das Heil der Seelen erstes Ziel war». Der reformierte Kirchenrat Zürichs dankte dem «geschassten» Generalvikar «für die ausgezeichnete brüderliche Zusammenarbeit». Matt habe sich als «verständnisvoller, ökumenisch aufgeschlossener Mitmensch» erwiesen.

Matts Amtsenthebung führte damals zu einer massiven Verschärfung der Situation im Bistum. In der Folge sperrte die Synode der Katholiken im Kanton Zürich ihre Geldbeiträge für das Bistum. Matts Nachfolger als Generalvikar, Christoph Casetti, wurde der Zutritt zu den Räumen im Generalvikariat Zürich verweigert.

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Gebhard Matt, der den Doktor der Theologie mit einem zusätzlichen Lizentiat in Kirchenrecht besass, genoss ausserhalb des «Hofs» in Chur weiterhin ein sehr hohes Ansehen. Trotz des eisigen Windes aus Chur wurde er Dekan des Dekanats der Stadt Zürich. Er wurde zudem Mitglied der paritätischen Expertenkommission der reformierten und der katholischen Kirche im Kanton, die das Verhältnis zwischen Kirche und Staat überprüfen sollte.

Matt beteiligte sich am Widerstand gegen den umstrittenen Bischof auf dem Bistumssitz in Chur. Er gehörte zu jenen Dekanen des Kantons, welche die Absetzung von Haas forderten. Nach dem Weggang von Haas nach Vaduz wurde es um Matt ruhiger. Bis 2014 wirkte er in der Seelsorge im Kanton und kehrte dann in seine liechtensteinische Heimat zurück, wo er am 15. Mai 2017 im Alter von 84 Jahren  starb.

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