Peter Henrici, emeritierter Weihbischof von Chur | © 2012 Georges Scherrer
Schweiz
Peter Henrici, emeritierter Weihbischof von Chur | © 2012 Georges Scherrer

Früherer Generalvikar in Zürich will kein Bistum Zürich

Zürich, 5.7.16 (kath.ch) Der frühere Generalvikar in Zürich, der emeritierte Weihbischof Peter Henrici, überrascht mit seinem Nein zum Bistum Zürich. Im Interview im Informationsblatt der Katholischen Kirche im Kanton Zürich vom Juli 2016 fordert er: Zürich solle endlich ins Bistum Chur integriert werden.

Er habe in seiner langen Amtszeit lange über ein eigenes Bistum Zürich nachgedacht, sagt Henrici im Interview. Dabei sei er zum Schluss gekommen: «Zürich sollte im Bistum Chur bleiben, denn ohne Zürich wäre Chur ein Rumpfbistum.» Ausserdem sei es immer besser, wenn ein Bistum mehrere Kantone umfasse. «Das zwingt zum Kompromiss und zum Ausgleich, ein urschweizerisches Prinzip», so Henrici. Dazu sprach sich der emeritierte Churer Weihbischof für die bereits bestehende «gewisse Autonomie» der Bistumsregionen Zürich und Innerschweiz aus.

Zürich ins Bistum Chur eingliedern

Ein Problem muss laut Henrici aber endlich behoben werden. Zürich gehöre kirchenrechtlich zu keinem Bistum. Dies seit der Aufhebung des Bistums Konstanz im Jahr 1812. Es werde vom Churer Bischof heute nur provisorisch verwaltet. Dem will Henrici abhelfen. Er fordert, Zürich müsse ins Bistum Chur eingegliedert werden. Das entspreche am besten dem in 200 Jahren gewachsenen Zustand.

Ein solches Bistum könne dann «Chur-Zürich» heissen, befand Henrici. Darunter stellt er sich aber nicht ein Doppelbistum mit einem Bischof an zwei Sitzen vor, wie vielfach diskutiert. Vielmehr soll der Bischof laut Henrici «als integrativer Bezugspunkt für die ganze Diözese in Chur bleiben». In den Regionen sollte je ein Weihbischof für die geistlichen Belange und Personalfragen und ein Generalvikar für die Verwaltung wirken. Wobei beide Aufgaben in Personalunion wahrgenommen werden könnten, findet Henrici.

Nach den Bemühungen von Generalvikar Martin Grichting in Richtung Abspaltung und  der Gründung eines eigenen Bistums befragt, meint der frühere Generalvikar in Zürich: «Grichting will Zürich weg haben. Er hat eigene Pläne.» Mehr gibt er aber nicht preis, er möchte nicht spekulieren, so Henrici.

Er habe im ersten Moment leer schlucken müssen, gibt Simon Spengler, Bereichsleiter Kommunikation und Kultur bei der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, im Editorial zum Informationsblatt zu. Doch schliesslich befand er: Die Argumente seien doch bedenkenswert. Sein Fazit: «Warum nicht den Weg einschlagen, der am ehesten zum Ziel führt?» (rp)

Generalvikar und Jesuit

Peter Henrici war 1993 bis 2003 Generalvikar in Zürich und 1993 bis 2007 Weihbischof der Diözese Chur. 1928 in Zürich geboren, trat er 1947 dem Jesuitenorden bei. 1960 bis 1993 war er Professor für neuere Philosophiegeschichte an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und anschliessend Gastprofessor an der Theologischen Hochschule Chur. Heute lebt Henrici bei den Ursulinen-Schwestern in Brig. (zhkath.ch/rp)

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