Simone Curau Aepli spricht zu den Frauenbunds-Frauen
Schweiz

Frauenbund sieht «katholische Sexualmoral gewaltig unter Druck»

Luzern, 25.9.18 (kath.ch) Der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) sieht im «Patriarchat der katholischen Kirche» eine der Ursachen für die vielerorts zutage gekommenen Missbrauchsfälle. Die katholischen Frauen hätten schon lange unter diesem Patriarchat gelitten, schreibt die Frauenorganisation in einer Mitteilung.

Das Thema Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche werfe zurzeit hohe Wellen, schreibt der SKF. Er erwähnt Berichte aus Australien, Irland, Pennsylvania und Deutschland und das «lange unter dem Deckel gehaltene Thema Missbrauch an Ordensfrauen», das nun die Tabuzone verlasse.

Missbrauch von Macht in geschlossenem System

Die Frauenorganisation sieht in den Missbrauchsfällen primär einen «Missbrauch von Macht». Ein solcher sei «nur möglich in einem geschlossenen System», in dem Menschen mit grosser Macht ausgestattet seien und keiner externen Kontrolle unterstünden. Der Ausschluss der Frauen in Leitungsfunktionen verstärke dieses System, ist der SKF überzeugt und folgert: «Das Patriarchat in der katholischen Kirche ist eine der Ursachen für die Verbrechen und ihre Vertuschung.»

Ebendieses Machtgefälle zwischen kirchlichen Würdenträgern und dem Kirchenvolk betrifft den Frauenbund laut eigenen Angaben «auf allen Ebenen, vom Dachverband über die Kantonalverbände bis zu den 680 Frauenvereinen in den Kirchgemeinden».

«Frauen stehen seit dem Sündenfall im Paradies unter Generalverdacht.»

Frauen begrüssen öffentliche Diskussion

Dass die Missbrauchsfälle nun ans Tageslicht kommen, stört die Frauenorganisation keineswegs. «Wir begrüssen die öffentliche Diskussion über die Missbrauchsfälle ausdrücklich», schreibt sie und doppelt nach: «Jetzt gerät die katholische Sexualmoral gewaltig unter Druck, diese ‹heilige Ordnung›, in deren Namen am Pflichtzölibat festgehalten wird, geschiedene Wiederverheiratete von der Eucharistie ausgeschlossen, Verhütungsmittel verboten werden und Frauen seit dem Sündenfall im Paradies unter Generalverdacht stehen.»

«Wir verlangen tiefgreifende Änderungen in der römisch-katholischen Kirche.»

Als Reaktion verlangen die katholischen Frauen der Schweiz «tiefgreifende Veränderungen der römisch-katholischen Kirche.» Sie fordern, dass «konkrete Projekte und Prozesse angestossen werden für ein neues Verständnis des Priestertums, zur Gleichberechtigung der Frauen und zur Machtverteilung in der Kirche». All diese Änderungen sind laut SKF notwendig, «damit die Institution Kirche wieder mehr zu dem werden kann, wozu sie vom Evangelium her berufen ist.»

SKF bezweifelt, dass Kirche Missbrauch aufarbeiten kann

Die Ankündigung einer weltweiten Bischofskonferenz zum Thema Kinderschutz auf Februar 2019 besänftigt die Frauenorganisation keineswegs. Sie bezweifelt, dass die Kirche die Missbrauchsfälle selbst aufarbeiten könne, nachdem sie sie lange vertuscht hatte. Und sie kritisiert als «besonders stossend», dass «die Männer unter sich bleiben an dieser Konferenz» und einmal mehr unter Ausschluss der Frauen über die Zukunft der Kirche entscheiden würden. (rp)

Simone Curau Aepli spricht zu den Frauenbunds-Frauen | © Regula Pfeifer
25. September 2018 | 17:11
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