Die Theologin Veronika Bachmann | © 2013 zVg
Schweiz
Die Theologin Veronika Bachmann | © 2013 zVg

Frauen als «bedürftige Opfer» und Männer als «starke Kämpfer»: eine Armee für Frauen und Männer soll mit solchen Bildern Schluss machen

Luzern, 4.3.15 (kath.ch) Die Wehrpflicht soll auch für Frauen gelten. Die feministische Theologin Veronika Bachmann (40) unterstützt die Idee des Präsidenten der Schweizerischen Offiziersgesellschaft, der den Frauenanteil in der Schweizer Armee erhöhen will. Frauen sollen nicht länger als «bedürftige Opfer» betrachtet werden und Männer als «starke Kämpfer». Gelte die Wehrpflicht nur für Männer, würden damit «problematische Geschlechterstereotypen fortgeschrieben». Bachmann stand bis 2008 im Dienst der Schweizer Armee.

Barbara Ludwig

Heute können Schweizer Frauen freiwillig Militärdienst leisten. Geht es nach dem Willen von Froidevaux soll sich dies ändern. Der Offizier plädiert für die Einführung der Wehrpflicht auch für das weibliche Geschlecht (Neuer Zürcher Zeitung, 18. Februar).

Starke Männer – bedürftige Frauen

Wenn es denn eine Wehrpflicht geben soll, dann für alle, Männer und Frauen, sagte Bachmann gegenüber kath.ch. Gelte die Wehrpflicht nur für Männer, würden damit «problematische Geschlechterstereotypen fortgeschrieben». Männer würden weiterhin als «stark» betrachtet, als «Kämpfer», während Frauen als «bedürftig» gelten, als Opfer, als Personen, die «zudienen» oder gar – auf einer sexistischen Ebene – «als Belohnung in Spiel kommen». Der Staat sollte solche Geschlechterstereotypen nicht begünstigen, indem er die Wehrpflicht auf Männer beschränkt, findet die Theologin.

Bachmann absolvierte im Jahr 1997 die Rekrutenschule. 2008 wurde sie altershalber aus der Armee entlassen. Die Rekrutenschule besuchte sie nicht aus Interesse an der Armee. «Mir war es wichtig, einen Beitrag dazu zu leisten, dass Bewegung in die festgefahrene Geschlechtersymbolik kommt.» Möglichst viele Frauen sollten Militärdienst leisten, möglichst viele Männer sollten ihn verweigern, fand sie damals. «Ausserdem war ich neugierig darauf, wie die Armee Frauen integriert», sagt die Theologin, die sich als armeekritisch bezeichnet, aber nicht als «militante Armeegegnerin».

Töten auch problematisch, wenn es Männer tun

Frau sein und töten geht für Bachmann «genauso gut oder schlecht zusammen» wie Mann sein und töten. «Für mich ist beides problematisch.» Die Gleichsetzung von Frau und Leben und die Gleichsetzung von Mann und Töten lehnt die Theologin ab. Es habe auch immer Männer gegeben, die sich nicht vorstellen konnten, jemanden zu töten und die den Militärdienst aus Gewissensgründen verweigerten. Deshalb sei der Zivildienst als Alternative eingeführt worden. Diesen sollte man auf keinen Fall preisgeben, findet Bachmann.

Gleichberechtigung – ein «schlechtes Argument»

Der Präsident der Offiziersgesellschaft führt das Argument der Gleichberechtigung ins Feld. Die Frauen hätten in den letzten Jahren «in Sachen Gleichberechtigung Terrain gutgemacht», so Froidevaux gegenüber der Zeitung. Deshalb sollten sie auch dieselben Pflichten haben wie Männer. Diese Argumentation hält Bachmann für etwas «platt». Zum einen verdecke sie, dass Geschlechtergerechtigkeit nicht alleine durch die Gesetzgebung zu erreichen sei. Zum andern könne man damit die «eigentlichen Beweggründe» für den gewünschten Einbezug der Frauen «verdecken», mutmasst die Theologin. Kurz: Die Gleichberechtigung sei ein «schlechtes Argument».

Bachmann kritisiert zudem, dass der Offizier davon ausgeht, Frauen könnten der Armee einen «Mehrwert» bringen. Froidevaux sagte in dem Interview, in den Einheiten, in denen Frauen Dienst leisteten, «herrscht eine ganz andere Dynamik». Was er damit genau meinte, bleibe offen. Bachmann ist der Ansicht, man solle von Frauen in der Armee keinen frauenspezifischen Beitrag erwarten, sondern sie wie die Männer aufgrund ihrer fachlichen Fähigkeiten beurteilen und schätzen. (bal)

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