Bischof Charles Morerod | © 2013 Maurice Page
Schweiz
Bischof Charles Morerod | © 2013 Maurice Page

Flüchtlingsfrage: Bischof Morerod reagiert auf CVP-Parteipräsident Darbellay

Freiburg i.Ü., 20.8.15 (kath.ch) CVP-Parteipräsident Christophe Darbellay erwartet von der Kirche «Konsequenz» in der Flüchtlingsfrage. «Auf hehre Worte müssen von den Wortführern (…) auch Taten folgen», sagte der Walliser im Interview mit der «Basler Zeitung» (20. August). Die Kirche sei nicht untätig in diesem Bereich, aber sie zähle auf die Unterstützung durch die Politik, sagte der Westschweizer Bischof Charles Morerod, Vizepräsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), am Donnerstag gegenüber dem Westschweizer Portal cath.ch.

Jede Pfarrei oder Kirchgemeinde muss aus Sicht von Darbellay bereit sein, «zwei bis drei syrische Flüchtlinge aufzunehmen». Damit könnte man das Platzproblem in den Asylunterkünften zumindest teilweise lösen, so der Parteipräsident. Es sei Aufgabe der Kirche, die Zivilgesellschaft kritisch zu begleiten. Aber er erwarte, dass «man Theorie und Praxis miteinander verbindet», stellte Darbellay klar.

Darbellay will provozieren

Gegenüber cath.ch räumte der Politiker ein, es sei durchaus seine Absicht, mit seinen Äusserungen zu provozieren. Den Kirchen warf er einen «moralisierenden Diskurs» vor. «Die Kirchen sind sehr kritisch mit den Rechtsparteien – insbesondere mit der CVP –, sobald diese Massnahmen vorschlagen, die das heikle Asylproblem lösen sollen».

Die Kirche sei nicht untätig in diesem Bereich, wehrt sich nun Charles Morerod, Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg. Es existierten Zentren, die Asylsuchende, die man nicht unterbringen könne, vorübergehend aufnähmen und dabei mit den Behörden kooperierten. Etwa in Renens VD. Morerod erinnerte auch daran, dass das Bistum das «Château de Rosière» in Grolley FR dem Kanton zur Unterbringung von Asylsuchenden zur Verfügung stellen wolle. Vor einigen Tagen sei jedoch eine Petition gegen das Vorhaben eingereicht worden. Die Gemeinde stelle sich quer.

Bischof ermahnt Politiker

«Es liegt auch an den Politikern dafür zu sorgen, dass man überhaupt das Recht hat, Flüchtlinge aufzunehmen», sagte der Bischof, um gleich zu erwähnen, dass der Gemeindepräsident von Grolley, Christian Ducotterd, die «Partei von Christophe Darbellay» im Nationalrat vertreten wolle.

Dem Bericht zufolge stellt eine Freiburger Pfarrei ein Gebäude zur Verfügung, in dem 60 Asylsuchende untergebracht werden können. Könnte auch der Bischof Asylsuchende in seiner Residenz aufnehmen? Es fehle an Platz, so Morerod gegenüber cath.ch. Er habe keinen fixen Ort mehr, um Besucher zu empfangen. (cath.ch/bal)

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