Ein Poulet als Leckerbissen | © 2015 I-vista / <a href="http://www.pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a>
Schweiz
Ein Poulet als Leckerbissen | © 2015 I-vista / pixelio.de

Fleisch und Kirche: Reizthema nicht nur in der Fastenzeit

Zürich, 3.3.15 (kath.ch) Wenn es ums Fleisch geht, wollen alle mitverdienen. Dies jedenfalls suggeriert Ruedi Hadorn, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbandes (SFF), gegenüber den beiden Hilfswerken Fastenopfer und Brot für alle. Der Verband kritisiert die diesjährige Fastenkampagne und droht mit einem Spendenboykott. In der aktuellen Kampagne ziehen die Hilfswerke das Poulet heran, um die Konsumenten für die Problematik von Fleischproduktion und Umweltzerstörung zu sensibilisieren.

Georges Scherrer

Kirche und umweltgerechte Ernährung sind immer wieder ein Thema, das bewegt. Kürzlich wurde das Buch «Rette uns, wer kann – Fasten für Klimagerechtigkeit» vorgestellt, an welchem der Schweizer Kapuziner Anton Rotzetter mitgeschrieben hat. Als Präsident des Vereins «Akut-CH Aktion Kirche und Tiere» kämpft er für ein stärkeres Engagement der Christen und der katholischen Kirche «für unsere Mitgeschöpfe, die Tiere». Er steht für den Verzicht auf Fleisch bei kirchlichen Anlässen ein. Das passt natürlich nicht allen Schweizer Katholiken, die bei einem Kirchenapéro gern in ein Sandwich mit Fleisch beissen.

Deutsche Bauern haben Mühe mit den beiden kirchlichen Entwicklungshilfeorganisationen Brot für die Welt und Misereor, welche die Fleischproduktion anprangern. Diese unterstützten eine agrarkritische Demonstration von Januar in Berlin. Protestiert wurde unter dem Titel «Wir haben es satt!» unter anderem gegen die Massentierhaltung und die Gentechnik. Deutsche Landwirte reagierten prompt und klagten in Blogs und Internetforen, sie fühlten sich verletzt. Denn ihnen werde generell unterstellt, sie würden ethisch nicht vertretbar mit Tieren umgehen.

In der Schweiz hat die aktuelle Fastenkampagne nun den Schweizer Fleisch-Fachverbandes (SFF) auf dem falschen Fuss erwischt. In einem Brief an die Hilfswerke wirft der Verband diesen vor, sie würden «mit einem Fleischthema zur Generierung von Spenden aktiv» werden. In der «plakativen Darstellung» würden gewichtige Argument ausgeklammert. Vegetarische Produkte würden von der Hilfswerk-Kritik ausgeklammert. – Am Beispiel der Pouletproduktion weisen die Hilfswerke darauf hin, dass Monokulturen sich negativ auf Umwelt und Klima auswirken.

«Wir sind vor den Kopf gestossen»

Das Fastenopfer greife «erneut das Thema des Fleischkonsums einseitig» auf, erklärte SFF-Direktor Ruedi Hadorn gegenüber kath.ch. Bereits vor zwei Jahren habe das Hilfswerk eine Kampagne gegen Hamburger geführt. Damals sei gegenseitig das Gespräch gesucht worden und man habe sich abgesprochen, vor einer erneuten Kampagne miteinander zu reden. «Wir sind vor den Kopf gestossen, weil wir erst nach der Lancierung der Kampagne und damit bereits geschaffener Tatsachen für ein Roundtable-Gespräch kontaktiert wurden», sagte nun Hadorn gegenüber kath.ch.

Je nach Verlauf der weiteren Kampagne überlege sich der SFF, ob er seine Mitglieder allenfalls zu einem Spendenverzicht aufrufe. Jeder Metzger müsse in diesem Falle selbstverständlich selber entscheiden, ob er sich daran beteiligen wolle. – Kritisiert wird die Fastenkampagne gemäss einem Bericht der NZZ am Sonntag auch vom Geflügelzüchter-Verband.

«Nicht nur das Filetstück»

Matthias Dörnenburg, Bereichsleiter Marketing bei Fastenopfer, erklärte auf Anfrage, bei der Kampagne gehe es darum, die Menschen auf die Problematik der Futtermittelproduktion für den Fleischkonsum hinzuweisen. Der Lebensmittelkonsum habe einen Bezug zur Klimaproblematik. «Fastenopfer und Brot für alle sprechen mit ihrer Kampagne somit primär die Konsumenten an und fordern einen nachhaltigeren Konsum», sagte Dörnenburg. Der SFF müsste ein Interesse an aufgeklärten Kunden haben, die lokale Produkte bevorzugen und «nicht nur das Filetstück konsumieren möchten».

Die Fastenzeit sei der richtige Zeitpunkt, um sich mit dem eigenen Konsumverhalten auseinanderzusetzen. In der Fastenzeit habe der gläubige Mensch schon seit Jahrhunderten bewusst auf den Konsum von Fleisch verzichtet. Dörnenburg weist zudem darauf hin, dass das Fastenopfer nicht zum Verzicht von Fleisch aufrufe, sondern zu einem bewussten Umgang mit Produkten aus der Nahrungsmittelindustrie.

Im Gegensatz zum SFF stellt sich der Schweizer Bauernverband hinter die Hilfswerke: «Wir finden es gut, dass sie die Konsumenten anregen, den Nahrungsmittelverbrauch kritisch zu betrachten», sagte Präsident Markus Ritter gegenüber der NZZ am Sonntag. Auch den Bauernverband störe der wachsende Import von Futtermitteln aus Entwicklungsländern für die Fleischproduktion. (gs)

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