Szene aus «Habemus Feminas!» | © Silvan Hohl
Schweiz
Szene aus «Habemus Feminas!» | © Silvan Hohl

Film über «Kirche mit den Frauen» ist ein grosser Wurf

Zürich, 24.8.2017 (kath.ch) Die Pilgerreise von «Kirche mit* den Frauen» nach Rom hat drei junge Filmstudenten inspiriert, einen Dokumentarfilm zu drehen. Unter dem Titel «Habemus Feminas!» feiert dieser am 26. August in Zürich Premiere. Gross waren die Hindernisse beim Drehen. Umso erstaunlicher ist die Qualität des Ergebnisses. Es handelt sich um einen grossen Wurf, meint Filmjournalist Charles Martig in seiner Filmkritik.

Die Pilgerreise des Projekts «Kirche mit* den Frauen», die vom Mai bis im Juli 2016 von St. Gallen nach Rom führte, wird im knapp zweistündigen Film von Silvan Hohl sorgfältig und spannend dargestellt. Die Eckpunkte bilden der Gottesdienst in der Kathedrale von St. Gallen am 2. Mai mit dem Start der Reise und die Ankunft am 2. Juli in Rom mit einer Feier im Petersdom. Es handle sich um ein «perfektes Drehbuch», wie der Regisseur im Januar dieses Jahres gegenüber kath.ch festhielt.

Szene aus «Habemus Feminas!» | © Silvan Hohl

Keine Drehbewilligung für Petersdom

Im Laufe der Dreharbeiten ist die Filmcrew jedoch auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Schlechte Witterung, logistische Probleme beim Dreh und die fehlende Dreherlaubnis für den Petersplatz sowie den Petersdom haben die Filmproduktion vor grosse Herausforderungen gestellt. Da kann sich die Filmcrew, bestehend aus drei Studenten in Ausbildung, schon einmal in den Bergwäldern verlaufen. Oder der Dreh im Petersdom kann nur mit kleinen Kameras gefilmt werden, wie dies eben auch Touristen in Rom tun. Erstaunlicherweise ist dem Filmteam trotzdem ein grosser Wurf gelungen.

Der Dokumentarfilm begleitet die Gruppe auf ihrem Weg in Richtung Süden, in das «Herz» der römisch-katholischen Kirche. Er bietet jedoch viel mehr als nur die Stationen einer Pilgerreise in gepflegten Schwarz-Weiss-Bildern, mit Sakralmusik unterlegt. Der junge Regisseur Hohl befragt auf einer zweiten Ebende die wichtigen Personen des Projekts zu ihren Erfahrungen. Hildegard Aepli, Esther Rüthemann und Franz Mali geben offen Auskunft und reflektieren über ihren Versuch, die Frauen in der Kirche besser sichtbar zu machen. Von der Zielrichtung ist die Rede, vom beschwerlichen Weg, den liturgischen Höhepunkten und den Leiden auf dem Pilgerweg.

Engagement von drei jungen Männern für die Sache der Frauen

Der Titel «Habemus Feminas!» spielt auf die Papstwahl an. Doch ist der Film keine Propaganda für das Frauenpriestertum. Vielmehr geht es hier um die starke Aussage, dass es Frauen in der Kirche gibt, die sich ernsthaft beteiligen möchten, aber in den Strukturen der römisch-katholischen Kirche zu wenig Platz und Raum für Mitbestimmung finden.

Szene aus «Habemus Feminas!» | © Silvan Hohl

Neben den Pilgerreise-Bildern und den Porträts der Initiatorinnen gibt es eine dritte Ebene im Film, die Filmcrew der drei Studenten Silvan Hohl (Regie), Nino Burkart (Kamera) und Ahren Merz (Ton). Sie zeigen im Film ihre eigenen Zweifel, ihre Begeisterung und ihr Scheitern. Sie sind mehr oder weniger «eingebettete Videojournalisten», die immer mehr in den Rhythmus und die Welt der Pilgergruppe vordringen und davon infiziert werden.

Die Perspektive von drei jungen Männern Mitte zwanzig auf die «Kirche mit* den Frauen» ist ein gelungener dramaturgischer Trick. Sowohl der Kameramann als auch der Tontechniker sind konfessionslos. Sie haben sich hier auf ein Abenteuer eingelassen, das für sie ein Wagnis bedeutet. Dank Silvan Hohl, der katholisch sozialisiert und an der Kirche grundlegend interessiert ist, findet der Film die Balance zwischen Innen- und Aussenperspektive. «Habemus Feminas!» ist ein mutiges Projekt, das zu einem überzeugenden und sehenswerten Film herangewachsen ist.

Hinweis: Première am 26. August 2017, 11 Uhr, Kino Le Paris in Zürich (nur mit Anmeldung über h.aepli@sunrise.ch)
Weitere Aufführungen: 26. September 2017, 19.30 Uhr, Kino Orient in Wettingen; 29. September 2017, 18 Uhr, Kino Leuzinger in Rapperswil


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