Luzerner Fasnacht | © 2015 Urban Schwegler
Schweiz
Luzerner Fasnacht | © 2015 Urban Schwegler

Stichwort: Fasnacht

Zürich, 23.2.17 (kath.ch) Die Fasnachtszeit ähnelt einem Sturm vor der Ruhe. Bevor die Menschen sich ab dem Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit, wieder mässigen und besinnen, dürfen sie zuerst einmal «die Sau rauslaussen».  Und das tun sie auch. Maskiert, mit viel Lärm und ohne Mass.

Der Fasnachtsbeginn findet offiziell am 11.11. um 11 Uhr 11 statt. Jedoch nur theoretisch, nicht immer auch praktisch. Der Höhepunkt der Fasnacht dauert je nach Region lediglich sechs Tage und startet vielerorts mit dem heutigen schmutzigen Donnerstag. Doch: Wie kann ein Tag nur schmutzig sein?

Ist er gar nicht. Denn das alemannische Wort «Schmutz» oder «Schmotz» bedeutet Fett oder Schmalz. Auch «healthy-people» unterbrechen für kurze Zeit ihren Diätwahn: Es gibt in Fett gebratene «Schenkeli» und «Fasnachtschüächli» en masse und ganz viel Bier.

Fasnachtszeit ist Schlemmerzeit

Die Fasnacht ist wohl nicht mehr dieselbe wie im Mittelalter, als sie entstand. Trotzdem: Damals, wie gewisse Quellen besagen, wurde vor der 40-tägigen Fastenzeit noch einmal zünftig «geschlemmert» und gefeiert bis zum Umfallen – auch von Leuten, die sonst keine Partyvögel waren. Heute hat sich wenig geändert: Auch Leute, die sonst nie feiern, geben so richtig Gas, als ob es kein Morgen gäbe.

Masken und Verkleidungen gehören ebenso zum alten Brauch. Wenn sich Menschen an der Fasnacht nicht maskieren, scheint das unangebracht. Ja, man wird von den anderen maskierten fast «angeraunzt». Möglicherweise stammt dieser Brauch von früheren heidnischen Fruchtbarkeitsfesten. Der gefährliche Winter wurde mit furchteinflössenden Masken verabschiedet und man schaute dem blühenden Frühling entgegen. Heute muss der Winter nicht mehr gefürchtet werden, dafür aber die Hexen an den Umzügen, die einen ganz schön hart drannehmen können.

Fasnacht ist nicht gleich Fasnacht

So unterschiedlich die Menschen sind, so verschieden auch die Art und Weise Fasnacht zu feiern. Von Kanton zu Kanton, von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf wird anders gefeiert. Berühmt sind in der Schweiz vor allem die Luzerner und die Basler Fasnacht.

In Luzern zum Beispiel müssen am Schmutzigen Donnerstag auch Nicht-Frühaufsteher wirklich früh aus den Federn: Das Programm beginnt um 5 Uhr mit dem «Urknall» über dem Luzerner Seebecken. Danach geht’s weiter mit einem " Fötzeli-Regen», viel viel Guggenmusik, um 14 Uhr mit einem grossen Umzug, viel viel Guggenmusik und natürlich viel Bier.

An anderen Orten, wie Basel, bleibt es still.

Alte Fasnacht

In Basel hingegen gehts eine gute Woche später los. Dort bedeutet der kommende Aschermittwoch noch keineswegs Musse und Ruhe. Am Montag nach dem Mittwoch um punkt 4 Uhr morgens beginnt der «Moorgestreich» – und endet exakt 72 Stunden später, am Donnerstag um 4 Uhr mit dem «Endstreich». «Tambouren und Piccolospieler ziehen musizierend durch die Innerstadt, die Guggenmusiken schränzen ohrenbetäubend, von Wagen und Chaisen wird parodiert und intrigiert», heisst es auf der Website der Basler Fasnacht.

Der Grund, wieso die Basler später als die Luzerner feiern, geht auf das Konzil von Benevento zurück, das von Papst Urban II. im Jahr 1091 einberufen worden war. Dieses Konzil legte unter anderem die Fastenzeit neu fest: Während der Fastenzeit durften die Menschen neu an Sonntagen auf das Fasten verzichten. Die sechs wegfallenden Sonntage mussten also irgendwie untergebracht werden, sonst hätte es nicht mehr mit den 40 Tagen von Jesu Wanderung durch die Wüste übereingestimmt. Sechs Tage wurden somit dem alten Fastenzeitbeginn vorangestellt, was auf den heutigen Aschermittwoch fällt, den es erst seit diesem Konzil gibt.

Basel gehört demnach noch zur alten Fasnacht, auch genannt Bauernfasnacht. Luzern gehört zur neuen.

Eins bleibt jedoch klar: Egal wo gefeiert wird, die Post geht ab an Fasnacht! (ft)

News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum