Daniel Anrig |©  2014 Oliver Sittel
Schweiz
Daniel Anrig |© 2014 Oliver Sittel

Ex-Chef der Schweizergarde geht zur Zürcher Flughafenpolizei

Zürich, 24.5.15 (kath.ch) Der ehemalige Kommandant der Schweizergarde im Vatikan, Daniel Anrig, wird Chef der Flughafen-Stabsabteilung der Kantonspolizei Zürich. Dies berichtete der regionale Privatfernsehsender «Tele Züri» am Sonntag, 24. Mai. Anrig tritt seine Stelle per 1. Juli an.

Aus dem Dienst im Vatikan entlassen wurde Daniel Anrig am 31. Januar mit einer Ehrenzeremonie. Weshalb Papst Franziskus dem damaligen Kommandanten der Schweizer Garde gekündigt hatte, blieb allen Spekulationen zum Trotz unklar. Medien hatten spekuliert, Anrig sei dem Papst zu streng und seine neu errichtete Familienwohnung zu grosszügig gewesen.

Papst Franziskus: «Ganz normaler Wechsel»

Franziskus dementierte solche Spekulationen und sagte in einem Interview in der argentinischen Zeitung «La Nacion» (7. Dezember 2014), es handle sich um einen «ganz normalen Wechsel». Die fünfjährige Amtszeit Anrigs sei nur zwei Monate nach seiner Wahl zum Papst abgelaufen. Da habe er zunächst keine endgültige Entscheidung fällen wollen, sondern Anrigs Mandat nur vorläufig verlängert. Bei einem Besuch des Quartiers der Schweizergarde sei er zur Auffassung gekommen, eine «Erneuerung» würde gut tun. Franziskus würdigte im Interview Anrig als «exzellente Persönlichkeit» und «guten Katholiken».

In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» (31. Januar) zeigte Anrig Verständnis für seine Absetzung durch den Papst. Franziskus sei ein Papst, der Zeichen setzt, «ein Papst der Erneuerung». Der Entscheid, ihn zu entlassen, sei «auch ein positives Zeichen»: «Es zeigt, dass sich der Papst für die Garde interessiert.» Die Wahl von Franziskus im März 2013 sei ein Höhepunkt seiner Amtszeit gewesen, erklärte Anrig, der sein Amt 2008 antrat. «Dabei war mir klar, dass dies auch ein Wechsel für mich bedeuten kann. So ist es gekommen, auch wenn ich das Amt gern weiter ausgeübt hätte.»

Beobachter gehen davon aus, dass der Papst mit der Neubesetzung auch eine Grundsatzentscheidung über den inneren Charakter der traditionsreichen Schutztruppe treffen will, wie kath.ch am 31. Januar schrieb. Dies auch mit Blick auf die damalige Rivalität zwischen der Schweizergarde und der mit Italienern besetzten Vatikan-Gendarmerie. Offenbar hatte Anrig sich wiederholt über deren wachsenden Einfluss beschwert, etwa die Bewachung der päpstlichen Residenz, dem vatikanischen Gästehaus Santa Marta. Anrig hatte seine Stelle als Kommandant am 1. Dezember 2008 angetreten.

In Glarus in Polizeiskandal verwickelt, aber entlastet

Bereits vor seiner Zeit als Schweizergarde-Chef arbeitete der vierfache Familienvater bei der Polizei. 2006 wurde Anrig, studierter Jurist, in Glarus zum Polizeikommandanten befördert, wie der Blick am 24. Mai schreibt. Und das, obwohl Anrig wenige Jahre zuvor in den wohl grössten Polizeiskandal im Kanton verwickelt war. Er musste sich vor der Justiz verantworten, weil er als damaliger Chef der Kriminalpolizei eine Drogen-Razzia in einer Asylunterkunft hatte durchführen lassen, bei der Asylsuchende ausgezogen und gefesselt worden waren. Das Strafverfahren wurde schliesslich eingestellt. Anrig habe den Amtsmissbrauch nicht mit «vorsätzlicher Absicht» begangen, hiess es laut Blick damals in der Begründung.

Angesichts dieser Vergangenheit wird Anrigs Rückkehr zur Polizei skeptisch aufgenommen. «Es ist schwierig, wenn man eine solche Person in einer Führungsfunktion bei der Kantonspolizei einstellt», sagte Davide Loss, SP-Kantonsrat und Mitglied der Kommission für Justiz und öffentliche Sicherheit, am 24. Mai gegenüber dem Fernsehsender «Tele Züri». Anrig müsse nun einen Rollenwechsel vollziehen – und seinen «Umgangston» anpassen. (rp)

 

 

 

 

 

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