Generalvikar Martin Grichting | © 2016 Bistum Chur
Schweiz
Generalvikar Martin Grichting | © 2016 Bistum Chur

Es braucht mehr kantige Kirchenköpfe

Zürich, 8.3.18 (kath.ch) Im Zeitalter sozialer Medien braucht es kantige Köpfe, die ihre Meinung öffentlich und klar zum Ausdruck bringen, sagt Charles Martig, Direktor des Katholischen Medienzentrums, in seinem Kommentar. Köpfe wie die der Buchautoren Martin Werlen, Alt-Abt von Einsiedeln, und Martin Grichting, Generalvikar im Bistum Chur.

Martin Werlen hat mit seinem Buch «Zu spät» in den Medien starke Beachtung gefunden. Es ist in den Verkaufslisten des Schweizer Buchhandels ganz oben gelandet. Martin Grichting betätigt sich ebenfalls als Autor. Mit seiner Publikation zum Thema «Im eigenen Namen, in eigener Verantwortung» bringt er sein Verständnis von Politik, Religion und Rechtsstaat unter die Leute. Die Positionen von Werlen und Grichting sind grundverschieden. Und doch verbindet sie ein gemeinsames Anliegen: Haltung zeigen, sich einmischen und in den Medien präsent sein.

Aktiv werden statt stumm abzuwarten

Sie tun dies, weil beide verstanden haben, wie die Medienwelt sich verändert hat. Zuerst einmal ist es wichtig, selber aktiv zu werden. Statt verteidigend auf Positionen zu beharren, gehen sie ihre Themen vorausschauend an, schauen in die Zukunft und möchten etwas bewegen. Das steht in starkem Gegensatz zu anderen Teilen der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz. Statt stumm abzuwarten und «gefährliche Themen» abzuwehren, geht es darum, aktiv zu werden. Hier spürt man den Willen zur Kommunikation.

Grichting und Werlen sind bereit zur offenen Debatte

Im Zeitalter des Social-Web braucht es solche mutigen Köpfe, die sich mit einem Thema persönlich identifizieren und bereit sind zur Interaktion. Institutionen wie Kirchen, politische Parteien oder Wirtschaftsverbände haben viel Glaubwürdigkeit verspielt. Die Flucht aus den Institutionen findet immer mehr statt. Demgegenüber sind Menschen glaubwürdig, die ihre Meinung offen und klar zum Ausdruck bringen. Grichting und Werlen beide sind bereit, in der Öffentlichkeit über ihre Positionen zu debattieren.

Leidenschaft für Politik ist wieder spürbar

Der Churer Generalvikar und der Alt-Abt von Einsiedeln bewegen sich im Feld der politischen Theologie: Der eine warnt davor, sich in das politische Tagesgeschäft hineinzubegeben, weil dadurch die Meinungs- und Glaubensfreiheit in Frage gestellt würde. Der andere fordert dazu auf, sich in die Politik und ins Leben der Menschen einzumischen, gerade dort wo es um grundlegende christliche Werte geht.

Das ist gut so: Endlich wird wieder über wichtige Fragen der Theologie, der Politik und des Kirchenbildes in der Öffentlichkeit debattiert. Ich wünschte mir, es gäbe mehr von diesen kantigen Köpfen. Auch wenn mir nicht alle steilen Aussagen passen. Leidenschaft für Politik ist wieder spürbar.


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