Vroni Peterhans-Suter  | © Regula Pfeifer
Schweiz
Vroni Peterhans-Suter | © Regula Pfeifer

«Einsatz für Ökologie ist für Christen ebenso wichtig wie Gottesdienste feiern»

Künten AG, 16.7.17 (kath.ch) Sie liebt die Erdverbundenheit, lebt als Bäuerin und Katechetin und engagiert sich für den Schweizerischen Katholischen Frauenbund (SKF) und für Ökologie in der Kirche: Oeku-Präsidentin Vroni Peterhans ist vielseitig engagiert. Ein Besuch an ihrem Wohn- und Wirkort im aargauischen Künten.

Regula Pfeifer

«Ökologie kann den Menschen einen neuen Zugang zur christlichen Gemeinschaft ermöglichen», sagt Vroni Peterhans-Suter beim Gespräch in ihrem Bauernhaus im unweit von Baden gelegenen Dorf Künten. Die Katholikin im blauweiss karierten Hemd und farbiger Kette um den Hals ist seit dem 20. Mai dieses Jahres Präsidentin des Vereins Oeku Kirche und Umwelt. Dieser setzt sich für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen in den Pfarreien und Kirchgemeinden ein.

«Die Enzyklika ‘Ladato si’ ist ein Glücksfall.»

Die ausgebildete Primarlehrerin und langjährige Katechetin hat eine Vision: die Schöpfungszeit als dritten Festkreis im Kirchenjahr zu etablieren. Damit könne die Kirche Menschen erreichen, die mit Katechese oder Liturgie wenig anzufangen wissen, mit christlich-ethischer Ökologie hingegen schon.

Anliegen einer Mutter und Grossmutter

Peterhans ist überzeugt: Der Einsatz für die Umwel ist für Christen ebenso wichtig wie das Feiern von Gottesdiensten. «Dessen sind sich immer mehr Menschen bewusst», stellt sie befriedigt fest. Zeichen dafür seien die «Grünen Güggel», welche Oeku an immer mehr Pfarreien und Kirchgemeinden verleihen«, könne, – den letzten vor wenigen Tagen im zürcherischen Pfungen. Peterhans ist Mutter von fünf inzwischen erwachsenen Kindern und Grossmutter von zwei Enkelkindern. Deshalb sei es ihr ein Anliegen, die «Erde in lebbarem Zustand» weiterzugeben, sagt sie.

Die päpstliche Enzyklika «Laudato si" bezeichnet Peterhans als «Glücksfall» für alle in der Ökologie engagierten Organisationen. «Wenn verschiedene Kräfte auf diese Thematik hinweisen, erreichen wir zusammen mehr», ist sie überzeugt. Sie will für Oeku neue Botschafterinnen und Botschafter gewinnen, um die Anliegen des Vereins vermehrt nach aussen tragen zu können.

Bewusstsein in Tansania entwickelt

Das Bewusstsein für die Endlichkeit der Ressourcen und die wirtschaftlichen Zusammenhänge entwickelten Vroni Peterhans und ihr Mann bei ihrem zweijährigen Einsatz für die christliche Entwicklungsorganisation Interteam in Tansania. Dort merkte Vroni Peterhans, dass die globale Wirtschaft «keineswegs einem humanistischen Idealbild entspricht». Und sie sah, dass die Menschen dort gleich funktionieren wie hier, aber unter ganz anderen Bedingungen leben. «Das hat mich geprägt», sagt sie.

Zurück in der Schweiz war ihr der sparsame Umgang mit Wasser sehr wichtig. Und sie hinterfragte Dinge, in welche die meisten Menschen automatisch hineinwachsen. «Brauchen wir überhaupt einen Fernseher, oder wäre es nicht sogar besser ohne», war so eine Frage. Auch Ferien ins Ausland gab es für die Bauernfamilie nicht – dazu hätten sie keine Zeit gehabt, sagt Peterhans ohne Bedauern. Sie ist selbst in einer Bauernfamilie aufgewachsen. Die nachhaltige Einstellung gab sie ihren Kindern mit – und setzt sie wo immer möglich auch täglich um. Zu Sitzungen sei sie immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

In bäuerlicher Betriebsgemeinschaft

Die Familie Peterhans ist seit ihrer Rückkehr eingebunden in eine bäuerliche Betriebsgemeinschaft mit Verwandten. Das ermögliche sonst unmögliche Investitionen, gebe finanzielle Sicherheit – und halte ihr den Rücken frei für eigenes Engagement, erklärt die vielseitig aktive Frau. Doch es sei auch eine menschliche Herausforderung. Frucht des Zusammenwirtschaftens ist etwa eine gemeinsame Biogasanlage.

Ökologie ist für Peterhans auch ein wichtiges Thema in der Katechese. Seit 25 Jahren erteilt sie Religionsunterricht, aktuell in zwei Kirchgemeinden: in ihrem Wohnort im aargauischen Künten und im Nachbardorf Stetten. Die Katechese habe ihr ermöglicht, bereits in der Familienphase wieder stundenweise erwerbstätig zu werden, erklärt Peterhans. Mit festem Schritt schreitet sie den Weg hinauf zur Dorfkirche. Auf dem Platz steht ein Hochbeet. Das habe sie mit Religionsschülerinnen und -schülern zum Fastenzeitthema bepflanzt, erklärt sie und macht sich ans Jäten.

Ethik ohne Worte vermitteln

Die Bäuerin unterrichtet auch die vom Bauernverband organisierte «Schule auf dem Bauernhof», für Schulklassen und als Ferienangebot. Da könne sie christlich-ökologische Ethik vermitteln, ohne darüber Worte zu verlieren, sagt Peterhans. Vor einem Getreidefeld hält sie ihr Auto auf dem kurzen Rundweg durchs Dorf an. Das hätten Schülerinnen und Schüler gesät, sagt sie und geht ohne Zögern durchs kniehohe nasse Gras zum Getreide.

In den Vorstand von Oeku trat die 54-Jährige vor vier Jahren ein, anfänglich als Vertreterin des SKF. Im SKF-Vorstand ist sie seit 2012 aktiv. Da ist sie zuständig für Internationales, also für den Kontakt mit den katholischen Frauenverbänden Europas. Ein mehrtägiges Treffen habe einmal bei ihr Zuhause stattgefunden, sagt Peterhans beim Gespräch in der Stube. Da habe das geräumige Bauernhaus als Hotel gedient. Der europäische Dachverband hat einen Sitz beim Europarat. Der SKF könne also indirekt auf die europäische Politik Einfluss nehmen, sagt Peterhans nicht ohne Stolz.

«Wir können nur 70 Jahre aktiv sein und ruhen danach sowieso eine Ewigkeit.»

Bei Oeku befasste sie sich unter anderem mit der Gestaltung der Schöpfungszeit. Das sei ihr als Katechetin nahe und nützlich gewesen, erklärt Peterhans. Dann kam die Vorbereitung auf das 30-jährige Jubiläum hinzu, das im letzten Jahr über die Bühne ging. Eine gute Erfahrung, so eine grosse Sache zu organisieren, findet die Oeku-Präsidentin, die zuvor zwei Jahre als Vizepräsidentin wirkte. Als Präsidentin hat sie nun auch repräsentative Aufgaben und ist in die Entscheide aller Untergruppen eingebunden. Sie weiss sich unterstützt durch den engagierten Vorstand und die Fachstelle. Diese erarbeiten immer wieder Stellungnahmen aus christlich-ethischer Sicht zu ökologischen Themen in der eidgenössischen Politik.

Erholung im «nicht gepützelten» Garten

Wie schafft sie es, alles unter einen Hut zu bringen, geht die Frage an Peterhans. «Ich habe verschiedene Hüte», entgegnet sie lachend. Es sei schöner, den Kopf immer wieder mit einem neuen Hut zu versehen. Dann meint sie ernst: «Die Familie und mein Partner tragen mein Engagement mit». Auch erlaube ihr die gute Gesundheit aller Familienmitglieder, auswärts aktiv zu sein. «Wenn man Fähigkeiten hat, soll man diese einsetzen», findet sie weiter. Und fügt verschmitzt hinzu: «Wir können ja nur etwa 70 Jahre aktiv sein und ruhen danach sowieso eine Ewigkeit».

Erholung holt sich die aktive Frau beim Lesen oder bei der Gartenarbeit. Der sei «nicht gepützelt», beschreibt sie den Bauerngarten voller Gemüse, Kräuter und Blumen vor ihrem Haus. Doch sie liebe es, Erdverbundenheit zu spüren. «Schauen Sie», sagt sie spontan und verweist auf einen Schmetterling, der sich auf einer Gartenpflanze niedergelassen hat. Kraft gäben ihr auch der christliche Glaube und die christliche Gemeinschaft, fügt sie hinzu.

Vroni Peterhans-Suter hat als Katechetin ein Hochbeet angelegt | © Regula Pfeifer
Vroni Peterhans-Suter hat als Katechetin ein Hochbeet angelegt | © Regula Pfeifer
Vroni Peterhans-Suter zeigt von Schülern gesätes Getreide | © Regula Pfeifer
Vroni Peterhans-Suter zeigt von Schülern gesätes Getreide | © Regula Pfeifer
Vroni Peterhans-Suter vor ihrem Haus | © Regula Pfeifer
Vroni Peterhans-Suter vor ihrem Haus | © Regula Pfeifer
Vroni Peterhans-Suter in ihrem Garten | © Regula Pfeifer
Vroni Peterhans-Suter in ihrem Garten | © Regula Pfeifer
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