Eine Frau als erste reformierte Bischöfin der Schweiz!

Zürich, 24.5.18 (kath.ch) Gottfried Locher will zum dritten Mal zum SEK-Ratspräsidenten gewählt werden. Äusserungen über Frauen und sein Wunsch, erster «Bischof» der Schweizer Reformierten zu werden, sorgen vor der Abgeordnetenversammlung für Aufregung. kath.ch-Redaktor Georges Scherrer macht in seinem Kommentar einen Vorschlag, wie die Wellen wieder geglättet werden können.

Die reformierte Kirche in der Schweiz hat kurz vor der Wiederwahl ihres Ratspräsidenten Gottfried Locher ein Problem: Seine Aussagen über Frauen. Dieses Problem hat Locher selber geschaffen. Er orientierte sich dabei nicht an der katholischen Kirche, die es Frauen verbietet, Priesterinnen zu werden. Die reformierte Kirche in der Schweiz kennt längst Pfarrerinnen.

Der ehemalige katholische Priester, heute reformierter Pfarrer, Josef Hochstrasser veröffentlichte 2014 das Buch «Gottfried Locher – Der ‘reformierte Bischof’ auf dem Prüfstand». Darin erklärt Locher, «sexuell unbefriedigte Männer sind unruhige Männer». Prostituierte würden einen «unverzichtbaren Dienst an der Gesellschaft» leisten. Später sprach er in der «Weltwoche» von der «Feminisierung» der Kirchen.

Der Präsident soll neu Verwalter und geistlicher Leiter der Kirche sein.

Das Buch ist in zweifacher Weise brisant. Erstens nennt es den Begriff «reformierter Bischof». Und zweitens taucht eben dieses Thema «Frauen» mit Schlagseite auf. Beide Themen, Bischof und Frauen, sorgen vor der Abgeordnetenversammlung der Reformierten vom 17. bis 19. Juni in Schaffhausen für hochrote Köpfe.

Der bisherige «Schweizerische Evangelische Kirchenbund», der SEK, soll in «Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz» (EKS) umbenannt werden. Die Schweizer Reformierten geben sich gleichzeitig eine neue Struktur und somit neue Statuten. Diese sollen im Juni in zweiter Lesung behandelt und für die Schlussabstimmung für Advent 2018 vorbereitet werden. Der Präsident dieser Struktur soll neu zugleich Verwalter und geistlicher Leiter der Kirche sein, also auch die religiöse Leitung dieser Kirche inne haben. Was ihn quasi zu einem «Bischof» macht.

Folgt Locher bereits dem Beispiel der katholischen Bischöfe?

Die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens hat sich des brisanten Themas «Bischof» und der Position Lochers zu den «Frauen» angenommen, erhielt aber vom SEK-Ratspräsidenten einen Korb. Kurz vor dem Termin seiner Wahl im Juni ist der sonst sehr kommunikative Kirchenvertreter vorsichtig geworden. Er verweigerte der Rundschau Red und Antwort und schlug auch eine Einladung der Sendungsmacher aus.

Böse Zungen würden also nun sagen, Locher folge bereits dem Beispiel der katholischen Bischöfe, die seit geraumer Zeit im Anschluss an ihre ordentlichen Versammlungen auf eine Pressekonferenz verzichten und somit einer Konfrontation mit Journalisten aus dem Weg gehen.

In ihrem Beitrag zeichnet die «Rundschau» ein kritisches Bild des Ratspräsidenten. Man könnte meinen, dass für ihn die Vorzeichen für seine Wiederwahl im Juni äusserst ungünstig stehen. Prominente reformierte Aushängeschilder wie der Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller und der Basler Kirchenratspräsident Lukas Kundert stellen sich zwar hinter Locher, wenn es darum geht, die Position des künftigen obersten Schweizer Reformierten zu stärken, indem ihm neben der administrativen Leitung der Kirche auch die geistliche anvertraut wird.

Ein grosser Schritt auf die reformierten Frauen hin.

In der Sendung äussern aber alle Befragten durchwegs ihr Bedauern über die Worte des Ratspräsidenten zur Rolle der Frauen in Gesellschaft und Kirche und fordern, dass Gottfried Locher vor der Wahl seine Position klarstellt.

Nach seinen unglücklichen Worten zu Prostitution und Feminisierung könnte der Ratspräsident der Kritik an ihm die Spitze brechen, indem er die Diskussion über die Leitung der neuen «Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz» von seiner Person löst. Gleichzeitig würde er einen grossen Schritt auf die reformierten Frauen hin tun, wenn er sich dafür einsetzte, dass nicht ein Mann, sondern eine Frau erste Präsidentin der EKS und somit erste «Bischöfin» würde.

Gottfried Locher, SEK-Ratspräsident, am Sechseläuten | © Oliver Sittel
24. Mai 2018 | 16:07
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