Durch diese Pforten musst du gehen

Zürich, 8.12.15 (kath.ch) Mit der Öffnung der Heiligen Pforte im Vatikan gibt es für Katholiken eine neue Möglichkeit zur Vergebung der Sünden. Denn nicht nur in Rom, sondern weltweit gibt es Pforten und Tore, die sich auftun. In der Schweiz gibt es in jedem Bistum konkrete Angebote, um als Pilger seine Sünden zu bereuen und einen Ablass zu erhalten. Leitartikel von Charles Martig über die Bedeutung von Vergebung und Ablass in der heutigen Zeit.

Eigentlich ist es ein genialer Einfall. Im digitalen Zeitalter, wo alles virtuell jederzeit verfügbar ist, gibt es plötzlich neue Portale und Öffnungen, durch die ein Blick in eine andere Welt geworfen werden kann. Es handelt sich nicht um Science-Fiction sondern um eine katholische Tradition.

Stark verankerte Tore statt Fenster

Diese Portale sind ganz konkret in unserer Welt verankert. Mit der Sprache der Medientheoretiker könnte man sagen: «Offline» ist das neue «Online». Menschen sehnen sich wieder nach ganz konkreten, physischen Begegnungen und rituellen Handlungen. Das Durchschreiten der Heiligen Pforte ist mehr als ein neues Fenster auf dem Mobilgerät. Es gibt uns Hoffnung auf ein Jenseits – in einer Welt des diesseitigen Materialismus.

Die Heiligen Pforten schaffen einen bedeutungsvollen Bezug zwischen Diesseits und Jenseits. Es handelt sich dabei für die Gläubigen um eine Zeichenhandlung, theologisch gesprochen um einen «sakramentalen Akt». Neben den sieben Sakramenten, die durch ein konkretes Zeichen auf die Wirklichkeit des transzendenten Gottes verweisen, gibt es auch eine Vielzahl von Sakramentalien. Diese haben einen analogen Charakter und sind durch Rituale geprägt.

Einen neuen Raum öffnen

Wenn ich als gläubiger Katholik zum Beispiel durch die Pforte von Einsiedeln schreite, befinde ich mich in direkter Beziehung zum christlichen Gott der Vergebung. Hier handelt es sich um ein Ritual, das zum Sakrament der Busse hinführt – oder wie neue theologische Ansätze betonen zur Versöhnung. Nicht von ungefähr spricht Papst Franziskus vom Jahr der Barmherzigkeit.

Es geht also mit der Öffnung der Heiligen Pforten nicht primär um die Wiederbelebung des mittelalterlichen Ablass-Systems – Gott bewahre –, sondern um die Öffnung eines neuen Raums, in dem Gott als der Barmherzige wahrgenommen werden kann.

Das ist ein grosses Geschenk. Die katholische Kirche schlägt vor, dass Offline und Online wieder neu miteinander verbunden werden: das Diesseits mit dem Jenseits, die Welt der Menschen mit der Welt der göttlichen Gnade. Da lässt sich durchaus etwas für das Seelenheil tun – auch für uns moderne, aufgeklärte Menschen. (cm)

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