Weihnachtsmarktstimmung in Basel | © Remo Wiegand
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Weihnachtsmarktstimmung in Basel | © Remo Wiegand

Die Kultur des Schenkens an Weihnachten ist tief im Menschen verwurzelt

Bonn, 17.12.18 (kath.ch) Fast alle freuen sich auf die Vorweihnachtszeit. Sie könnte so schön sein: besinnliche Stunden in der Familie und mit Freunden, entspanntes Guetzli-Backen und ein Besuch des Weihnachtsmarkts. Stattdessen hetzen viele im Advent durch die Einkaufsmeilen oder ordern Päckchen im Internet. Woher kommt eigentlich dieser «Schenkdruck»?

Michael Hammer

Ein gutes und richtiges Geschenk. Das ist in einer Zeit, in der jeder ohnehin gefühlt schon alles hat, gar nicht so einfach. Hans Mendl, Religionspädagoge aus Passau, weiss es: «Das Verschenken ist ganz tief im Menschen verwurzelt. Es hat etwas damit zu tun, dass wir Gemeinschaftswesen sind.»

Was ist das richtige Geschenk?

Diese Frage stellen sich Abermillionen Menschen jedes Jahr. Sinnvoll soll es sein. Der Beschenkte soll sich total darüber freuen. Am besten Beides. Genau das hat auch der 41-jährige Familienvater Martin Peters im Sinn. Unentschlossen steht er vor einem langen Spielwarenregal in einem Warenhaus. «Mein Sohn wünscht sich ein Fahrzeugset von Legotechnik. Welches nehme ich da nur?», sagt der Bankangestellte mit zweifelnder Miene.

«Wir haben doch alles.»

Es sei das immer gleiche Dilemma, jedes Jahr. «So langsam weiss man nicht mehr, was man schenken soll. Wir haben doch alles.» Auf seiner Geschenkliste steht noch das Wellnesswochenende für seine Frau Susanne und die Reitstiefel samt Reitkurs-Gutschein für seine zehnjährige Tochter Laura.

In Deutschland durchschnittlich 466 Euro

Der sportliche Mann schätzt, dass er rund 800 Euro dieses Jahr allein für Geschenke ausgibt. Damit liegt er über dem Durchschnitt. Laut einer Studie des Einzelhandelsverbands (HDE) gab jeder Deutsche im vergangenen Jahr rund 466 Euro für Präsente aus. Der Gesamtumsatz im Weihnachtsgeschäft belief sich demnach auf 94,3 Milliarden Euro.

Geschenk | © flickr/Roberto Verzo

Vieles wird inzwischen im Internet geordert; das ist bequem, und die Auswahl ist gigantisch. Allein 12,2 Milliarden Euro wurden 2017  im Weihnachtsgeschäft umgesetzt, so eine Studie des Einzelhandelsverbandes. Doch nur materielles Schenken sei gerade bei Kindern nicht gut, betont Religionspädagoge Mendl. Der eigentliche Sinn des Schenkens dürfe nicht verloren gehen.

Ein schmaler Grat

Es müsse beim Schenken auch finanziell eine Grenze geben, findet Mendl. Ein schmaler Grat, auch für Martin Peters. Für ihn war der Wunsch seiner Tochter Laura nach einem Reitkurs eine willkommene Abwechslung, auch wenn er etwas teurer war. Religionspädagoge Mendl sieht solche Gutscheine auch aus einem anderen Grund eher ambivalent.

Beschenkte können sich verpflichtet fühlen.

Mitunter könnte sich der Beschenkte auch verpflichtet fühlen, dies oder jenes zu tun – ob Fallschirmsprung oder Kochkurs. Mendl rät, sich etwas Individuelles zu überlegen und dabei kreativ zu sein. Das Persönliche und das Einzigartige sei es, das den Unterschied ausmache. Zeit ganz bewusst miteinander zu verbringen und Momente zu teilen, sei das Beste.

Mendls Tipp: sich hinsetzen, über die Person, der man etwas schenken möchte, nachdenken und auch mal mit etwas vermeintlich Schlichtem zufrieden sein. Wer partout keine Ideen hat und Geld schenken möchte, sollte dieses wenigstens mit einer persönlichen Note überreichen.

Dank und Würdigung erwartet

Was das Schenken laut Mendl so kompliziert macht, sind die Erwartungen und Annahmen, die unvermeidlich – und prinzipiell unausgesprochen – mitschwingen. Schenkende erwarten neben Dank auch eine Würdigung des Geschenks. Der Gebende hoffe, dass es einen besonderen Platz bekomme, durchgehend genutzt, liebevoll gepflegt und zu dauerhafter Freude beim Beschenkten führe, so Hans Mendl.

Die Würdigung des Geschenks verwechselten manche Schenkenden zudem mit der Wertschätzung ihrer selbst. Aber auch der Nehmende kann Druck aufbauen: wenn er in seinem Geschenk «liest» und spürt, dass ihn der andere in seinem Innersten gar nicht kennt oder annimmt.

Verwurzelt in der Religion

Dabei sollte Schenken doch einfach sein. Verwurzelt ist die Schenkkultur auch und besonders in der Religion, stellt Mendl klar. Er verweist auf das Lied «Hände, die schenken, erzählen von Gott». Das gelte auch an Weihnachten. «Weil Gott uns seinen Sohn geschenkt hat, beschenken wir uns auch gegenseitig.» (kna)

Geschenk | © flickr/Roberto Verzo
Geschenk | © flickr/Roberto Verzo
Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof Zürich | © Georges Scherrer
Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof Zürich | © Georges Scherrer
Weihnachtsgeschenke | © pixabay Gellinger CC0
Weihnachtsgeschenke | © pixabay Gellinger CC0
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