Wenn das Zölibat zur Last wird  | © KNA
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Wenn das Zölibat zur Last wird | © KNA

Deutscher Priester nennt Bischöfe «einen Haufen Feiglinge»

Passau/Kirchstein, 22.8.17 (kath.ch) Der 86-jährige Ruhestandspriester Siegfried Fleiner hat sich in Sorge um die Zukunft der katholischen Kirche in einem offenen Brief «an die Bischöfe der deutschen Diözesen» gewandt. «Bevor ich sterbe möchte ich Euch Fragen stellen, die mich beschäftigen und bedrängen», schreibt der Geistliche laut einem Bericht der «Passauer Neuen Presse» (Dienstag). Er spüre einen «zunehmenden Groll» gegen die Bischöfe, weil sie «sehenden Auges unsere Gemeinden und unsere Kirche in eine priesterlose Wüste» führten.

Der 1931 in Augsburg geborene Fleiner wurde 1957 zum Priester des Bistums Augsburg geweiht. Elf Jahre wirkte er als Missionar in Guatemala, wo er sich in die Politik einmischte, interniert und dann ausgewiesen wurde. Es folgte eine Zeit als Pfarrer in Lindau, dann ein Sabbatjahr. Danach übernahm Fleiner die Augsburger Pfarrei «Zum Guten Hirten», wo er einer christlich-aramäischen Familie aus dem türkischen Tur-Abdin ab Gründonnerstag 1995 fünf Jahre lang Kirchenasyl gewährte. Bundesweites Aufsehen erregte er auch als Priester der in Aichach inhaftierten RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt. Inzwischen lebt Fleiner im oberbayerischen Kirchanschöring-Kirchstein.

Zölibat als Grund für Priestermangel

Hauptgrund für den fehlenden Priesternachwuchs ist Fleiners Ansicht nach der Zölibat, der katholischen Geistlichen das Heiraten verbietet. Das wisse jedes Gemeindemitglied und auch die Bischöfe müssten es wissen. Deshalb verstehe er nicht, warum sich diese nicht zusammentäten und durch ihren Vorsitzenden, «der ein Vertrauter des Papstes ist», diesen bitten würden, die Zulassungsbestimmungen zum Priesteramt zu ändern. Der Pfarrer erinnert daran, dass Papst Franziskus einmal Bischof Erwin Kräutler in Brasilien gesagt habe, die Bischöfe sollten ihm diesbezüglich einen Vorschlag machen.

Aus demselben Holz geschnitzt

«Warum tut Ihr das nicht?», fragt Fleiner in seinem Brief und gibt selbst die Antwort: «Weil Ihr ein Haufen Feiglinge seid. Ich sage das nicht, um Euch zu beleidigen, sondern weil ich weiss, Ihr Oberhirten seid aus demselben Holz geschnitzt wie wir Unterhirten.» In seinen vielen Priesterjahren habe er, Fleiner, kaum erlebt, dass bei Priester- oder Dekanatskonferenzen brisante Themen angesprochen worden seien. Wenn doch, sei immer tunlichst vermieden worden, dass die Ergebnisse in die Öffentlichkeit gelangten oder an die Kirchenoberen. Davon ausnehmen will der Pfarrer die sogenannten Reformpriester und die Bewegung «Wir sind Kirche». (kna)

«Viele haben den Zölibat in Kauf genommen, nicht angestrebt»

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