Bischof Marian Eleganti am Weltjugendtag mit festlich gekleideten jungen Frauen. | zVg
Schweiz
Bischof Marian Eleganti am Weltjugendtag mit festlich gekleideten jungen Frauen. | zVg

«Der Weltjugendtag ist nicht nur Gefühl, sondern auch Herzensbildung»

Zürich/Panama-Stadt, 24.1.19 (kath.ch) Tausende junger Menschen haben sich diese Tage in Panama zum Weltjugendtag 2019 zusammengefunden. Darunter auch eine grosse Gruppe Jugendlicher und Erwachsener aus der Schweiz. Begleitet werden sie von den Weihbischöfen Marian Eleganti und Alain de Raemy. Der Churer Weihbischof Marian Eleganti schildert für kath.ch seine Eindrücke von den ersten Begegnung im mittelamerikanischen Land.

Der Weltjugendtag bietet vielen Menschen hier ein charismatisches Feeling, sehr schöne Begegnungen, Lebensfreude, Aufträge und Arbeit für mittlere und kleine Unternehmen, Dienstleister und andere. Ich habe den Eindruck, dass der Weltjugendtag für das kleine Land ein grosses Ereignis ist, das an niemandem unbemerkt vorüber geht.

«Die Reichen beteiligen sich weniger am pfarreilichen Leben.»

Das staatliche Fernsehen berichtet seit Wochen und Tagen sehr intensiv und ausgiebig. Panama City beeindruckt bei der Anreise durch Kanal und Skyline ähnlich wie Dubai, aber nicht ganz auf demselben Level. Unser Programm ist abwechslungsreich und führt in unterschiedliche Regionen. Fast eine Woche lang waren wir auf dem Land, in Familien und damit sehr nah bei der Bevölkerung, und zwar bei der ärmeren und bescheiden lebenden.

Die Reichen beteiligen sich weniger am pfarreilichen Leben, wenigstens dort, wo wir waren. Ich glaube trotzdem, dass viele im Land einen Motivationsschub erleben, neue Beziehungen knüpfen wie auch persönliche Hilfe bekommen durch die Besucher.

Bauweise, Hygiene, Abfallentsorgung, Abgase und Motorenlärm lassen zu wünschen übrig, und es ist wohl schwierig für das Land, in diesen Bereichen Fortschritte zu machen. Grossartige Villen mit riesigem Umschwung neben den üblichen, mit Blechdächern bedeckten Hausern unserer Gastfamilien lassen die grossen Einkommensunterschiede erkennen.

«Wir werden nur punktuell mit sozialer Ungleichheit konfrontiert.»

Weltjugendtagspilger sind nur kurz im Land und werden nur punktuell mit dem anderen Gesicht des Landes, der sozialen Ungleichheit, konfrontiert, während ihnen die Bevölkerung ihr überaus freundliches und strahlendes (bei Frauen mit perfektem Make up oder natürlich) Antlitz zeigt, in traditioneller Kleidung immer sehr farbenfroh.

Die Freiwilligen geben sich im situativen Chaos solcher Grossanlässe alle erdenkliche Mühe. Das Land ist mit dem Logo beflaggt und überall winken einem fröhliche  Menschen zu, wenn man sich bewegt. Wir Schweizer sind zum ersten Mal gemeinsam in einem Quartier, das für Weltjugendtagsverhältnisse eine angenehme Unterkunft bietet: das von einem Schweizer gegründete und geleitete Colegio Europeo. Das ist schon fast wieder Luxus in mancherlei Hinsicht. Wir freuen uns sehr, dass wir mit den Romands, den Tessinern und dem Schweizer Jugendbischof Alain de Raemy zusammen sind.

«Die Liturgie hierzulande wird sehr beschwingt gefeiert.»

Am Mittwoch starteten die Katechesen. Der Weltjugendtag ist eben nicht nur Gefühl, sondern auch Herzensbildung, Glaubensvermittlung, Lobpreis und Anbetung. Das nehmen alle sehr ernst. Die Liturgie hierzulande wird sehr musikalisch und beschwingt gefeiert, rhythmisch und laut. In unserem Programm gibt es aber auch die Momente der Vertiefung in kleineren Gruppen, persönlichen Gesprächen, Beratung und Stille.

Die Anreise hat fast 24 Stunden gedauert, in der ersten Woche wurde eine grosse Anzahl unserer Jugendlichen krank und musste ständig erbrechen. Sie lagen herum wie lahme Fliegen und hielten trotzdem langen Busfahrten stand. Der untere Teil des Doppelstöckers war ein Lazaret, von einer jungen mitreisenden Ärztin betreut. Entschädigt wurden sie am Strand des pazifischen Ozeans.

Ja, Schwitzen und Sonnenschutz sind angesagt. Die Sonne steht tief und der Einfallswinkel ihrer Strahlen rötet schnell die Haut. Ich bewege mich so weit als möglich nur im Schatten. Wir erwarten nun gespannt Papst Franziskus und die Hauptanlässe mit ihm: Kreuzweg, Vigil und Abschlussmesse.

Der Bischof von Panama City hielt eine feurige Homilie zum Auftakt, welche den Jugendlichen Mut zur Veränderung und zu neuen Visionen für ihre Zukunft machte: Heiligkeit und soziale Veränderung gemäss dem Evangelium und der Soziallehre der Kirche. Am Samstag werden die Schweizer zusammen eine Heilige Messe feiern mit Priestern und Bischöfen, die sie begleiten.

«Die Zeit tickt hier anders.»

Unsere OK-Teams arbeiten hervorragend, rund um die Uhr und mit stets lächelndem Antlitz, obwohl manchmal hundemüde. Unsere Reise war bis ins Detail gut vorbereitet und verlief wie am Schnürchen dank Planung und situativem Problem-Shooting.

Die Zeit tickt hier anders und 9 Uhr kann auch 10.30 Uhr bedeuten, bis es losgeht… Das gibt Raum für Gespräche und spontane Einlagen, die mitreissen und die gute Stimmung nicht verderben lassen. Wir werden uns den Panama-Kanal noch genau ansehen und dann nach Guadalupe weiterreisen, ein weiterer Höhepunkt der Reise.

Die Mutter Gottes ist das grosse Thema dieses Weltjugendtages und wir versuchen, von ihr zu lernen und ihre Haltung in unserem Leben zu übernehmen: Mir geschehe nach Deinem Wort!

Die Schweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Weltjugendtag in Panama berichten täglich auf der Seite Weltjugendtag Schweiz.

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