Kommentar

Der Sonntag muss uns heilig bleiben

Im Kanton Bern gibt es keine zusätzlichen Sonntagsverkäufe. Das Stimmvolk lehnt einen Vorstoss mit 53,9 Prozent ab. Das Votum ist ein Signal an den Nationalrat: Der Sonntag muss uns heilig bleiben.

Eva Meienberg

Es bleibt bei zwei Sonntagsverkäufen im Jahr. Die Bernerinnen und Berner haben den Vorschlag des Grossen Rates verworfen, künftig vier Mal im Jahr die Läden am Sonntag zu öffnen. Das ist ein gutes Resultat.

Immer mehr Arbeit, immer schlechtere Bedingungen

Es gab verschiedene Gründe, die Vorlage abzulehnen. Für die Gewerkschaften und die links-grünen Parteien ist der Entscheid ein Zeichen der Solidarität: mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Detailhandel, die immer mehr Arbeit zu immer schlechter werdenden Bedingungen leisten sollen. Und es ist ein Zeichen der Solidarität mit kleinen Läden, die anders als Franchise-Geschäfte und Ketten einen Tag in der Woche brauchen, um durchzuschnaufen.

Religiöse Gruppen wiederum sehen sich in ihrer Überzeugung bestärkt, dass der siebte Tag der Woche der Besinnung dienen soll. Die Argumente der Gegner sind bedeutungsvoll für unsere Gesellschaft.

Ein Votum für unser Sozialleben

Das Resultat stärkt alle, die die Fünftagewoche verteidigen. Der Trend geht in Richtung agiles Arbeiten – mit grosser Flexibilität und ständiger Erreichbarkeit. Dem muss Einhalt geboten werden.

Und das Resultat ist ein Votum für unser Sozialleben. Der Sonntag bleibt heilig, frei und unbezahlbar – ein konsumfreier Tag, an dem das Transzendente, in welcher Form auch immer, seinen Platz haben darf.

Fingerzeig in Richtung Bundesbern

Diese Werte stehen im Gegensatz zu einer kurzfristigen, wirtschaftlichen Krisenintervention, deren Nutzen stark umstritten ist. Will man die Geschäfte wirklich unterstützen, ziehe man doch beim nächsten Einkauf einfach den Ladenbesuch dem Online-Shopping vor.

Das Resultat ist auch ein Fingerzeig in Richtung Bundesbern. Der Ständerat hat sich jüngst gegen die Erweiterung der Sonntagsverkäufe von maximal vier auf zwölf Sonntage ausgesprochen. Nun ist es am Nationalrat, über die Erweiterung abzustimmen. Die Nationalräte täten gut daran, sich an den Bernerinnen und Bernern zu orientieren.


Eva Meienberg, Redaktorin kath.ch | © Christian Merz
7. März 2021 | 18:12
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