Schweiz

«Der beste Nuntius der Schweiz»

Interview mit dem emeritierten Weihbischof Peter Henrici

5.1.14 (kath.ch) Für den emeritierten Zürcher Weihbischof Peter Henrici ist der Kardinalstitel an den gewieften päpstlichen Diplomaten Karl-Josef Rauber nicht zuletzt auch eine «Rehabilitierung» für dessen Arbeit an der Lösung des Falles Haas in der Schweiz. Rauber war damals Nuntius in Bern, wurde dann aber wegen seiner zu Haas-kritischen Haltung plötzlich weg nach Ungarn versetzt, erinnert Weihbischof Henrici im Interview mit kath.ch.

Frage: Was bedeutet die Ernennung Raubers zum Kardinal für die Kirche Schweiz?

Peter Henrici: Die Meldung von Kardinal Rauber ist eine gute Meldung zum Start Eures neuen Nachrichtenportals kath.ch. Rauber war der beste Nuntius, den die Schweiz je hatte. Er hat sehr viel für die Schweiz getan.

Frage: Wäre Rauber ohne seine Arbeit in Bern nicht Kardinal geworden?

Henrici: Dass Rauber jetzt Kardinal geworden ist, hängt wohl auch damit zusammen, dass er vor seiner Aufgabe in Bern Präsident der Diplomaten-Akademie in Rom war. Aber die Ernennung hängt sicher auch mit seiner Arbeit als Nuntius in Bern zusammen. Er hat – ich wiederhole mich – wie kein anderer die angespannte Situation im Bistum Chur sehr gut verstanden und Vorschläge gemacht zur Lösung mit zwei Weihbischöfen.

Frage: Einer der beiden Weihbischöfe zur Lösung des Falles waren ja Sie. Wie kamen Sie dazu?

Henrici: Ich arbeitete damals in Rom. Bereits früher hatte mich der Papst zweimal gebeten, in Chur Weihbischof zu werden. Ich habe zweimal abgelehnt, da ich allein nicht wusste, wie ich etwas zur Lösung hätte beitragen können. Dann aber kam Rauber in Rom zu mir. Ich erinnere mich noch gut: Er setzte sich aufs Kanapee neben mich und sagte: ‘Ich werde Nuntius’. Da habe ich gesagt, ich könne mich in dem Fall nicht länger dem Wunsch des Papstes verweigern, Weihbischof zu werden. Mit ihm zusammen sah ich einen Sinn in dieser Mission.

Frage: Aber die eigentliche Lösung mit der Schaffung des Bistums Liechtenstein geschah doch erst nach Raubers Weggang aus Bern?

Henrici: Leider durfte Rauber den Fall nicht selber lösen und zu Ende führen. Er wurde wegversetzt aus der Schweiz, weil er zu streng war mit Bischof Haas.

Frage: Warum hat Rauber die Schweiz so gut verstanden und die Ängste im Kirchenvolk?

Henrici: Rauber war schon früher oft in Einsiedeln in den Ferien. Er kannte das Land gut. Er hat auch das Schweizerische Kirchenwesen mit den staatskirchenrechtlichen Körperschaften sehr gut verstanden. Er hat sogar ein Rahmenkonkordat für die ganze Schweiz vorgeschlagen als Vorbereitung für eine neue Bistumsordnung. Und ganz wichtig: Er hat die staatskirchlichen Strukturen in der Schweiz in Rom und öffentlich immer verteidigt und auch dazu publiziert.

Frage: Ist denn in diesem Zusammenhang das heutige Vademecum nicht ein Rückschritt?

Henrici: Nein. Immerhin ist es eine offizielle kirchenrechtliche Anerkennung der besonderen Schweizer Kirchenstruktur.

Frage: Ist in dem Fall die Ernennung Raubers ein Fingerzeig auch an die heutige Kirche in der Schweiz?

Henrici: Möglichweise. Es ist auf alle Fälle eine Rehabilitation. Rauber galt in Rom als einer der grossen Diplomaten. Er wäre sicher noch länger Präsident der Diplomatenakademie geblieben, wenn er nicht diesen speziellen Auftrag als Nuntius für die Schweiz bekommen hätte. Rauber war ein Brückenbauer. Sehr offen für Medien, Bischöfe und Volk.

Frage: Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Henrici: Ich hatte lange keinen Kontakt mehr. Aber wie er 75 wurde, gab es eine Feier mit einer Festschrift in Nürnberg. Da habe ich auch einen Beitrag geschrieben. Ich werde jedenfalls zum Konsistorium gehen, also zu seiner Einsetzungsfeier als Kardinal in Rom.

Frage: Was bringt es eigentlich, jemanden zum Kardinal zu machen, der über 80 Jahre alt ist und deshalb ja gar nicht bei der nächsten Papstwahl dabei sein kann?

Henrici: Kardinäle nach 80 haben durchaus Sinn. Es ist eine nachträgliche Honorierung und Rehabilitierung. Das ist eine gute Sache.

Frage: Was sagen Sie zu den anderen neuen Kardinälen, die Papst Francesco zusammen mit Rauber bekannt gegeben hat?

Henrici: Die beiden neu ernannten Italiener sind sehr wichtige Bischöfe – auch im Hinblick auf die Kurienreform. Der Papst weiss, dass er viel Widerstand an der Kurie hat. Da hat er nichts mehr zu verlieren und deshalb konnte in seiner Weihnachtsrede an die Kurienmitarbeiter auch so offen sprechen. Das wird aber nicht viel nützen. Man kann den Apparat nur mit neuen Leuten ändern. Darum ist es wichtig, dass ausser Mamberti keiner aus der heutigen Kurie zum Kardinal ernannt worden ist. Eine Kurienreform ist wohl das schwierigste, was es gibt. Auch andere Päpste haben es schon versucht. Was aber die neuen Kardinäle ganz klar untermauern: das Schwergewicht der Kirche verschiebt sich von Europa weg und das ist gut so. (kipa/dsw/sy)

Peter Henrici, emeritierter Weihbischof von Chur | © Georges Scherrer
5. Januar 2015 | 16:05
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