Taizé-Andacht in der katholischen Pfarrei Liebfrauen in Hinwil ZH | © Vera Rüttimann
Schweiz
Taizé-Andacht in der katholischen Pfarrei Liebfrauen in Hinwil ZH | © Vera Rüttimann

Das Zürcher Oberland fängt Feuer für Taizé

Hinwil ZH, 19.1.17 (kath.ch) Das 40. europäische Jugendtreffen der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé findet vom 28. Dezember 2017 bis 1. Januar 2018 in der Region Basel statt. In der Liebfrauen-Pfarrei in Hinwil im Zürcher Oberland fand jetzt der vierte «Taizé-Underground»-Gottesdienst statt. Der Abend stimmte auch ein auf das europäische Grosstreffen in Basel.

Vera Rüttimann

Der Chorraum der Liebfrauenkirche ist abgedunkelt. In ihm hängen von links nach rechts lange, breite Banderolen in den Farben rot, gelb und orange. Neben dem Lesepult steht eine grosse Christus-Ikone. Der ganze Altarraum ist ausgeschmückt mit unzähligen Teelichtern. Der Besucher wähnt sich in der Versöhnungskirche im burgundischen Taizé, doch er ist in der «Taizé-Andacht» in der katholischen Kirche in Hinwil.

Auch hier werden die Gesänge der weltbekannten ökumenischen Gemeinschaft mantraartig wiederholt. Auch in Liebfrauen nimmt das Singen fast kein Ende. Niemand hüstelt oder rutscht während den Schweige-Minuten nervös auf dem Bank hin und her und wartet, bis es endlich fertig ist. Die Jugendlichen liegen zwar nicht wie in Taizé nachts im Schlafsack zusammengerollt in der Kirche, hocken aber noch lange nach Schluss der Andacht auf dem Boden bei den Teelichtern.

Wenn Form und Sprache stimmen

Nach der Andacht zeigt sich Natascha Rüede zufrieden. Erneut sind viel mehr Besucher gekommen, erneut haben die Oberministranten, die sie als Jugendseelsorgerin der katholischen Liebfrauen-Pfarrei betreut, alles getan, damit Kerzen, Banderolen und Ikone am richtigen Platz sind. «Sie machen das fabelhaft», sagt sie. Auch das kleine Orchester, das bemerkenswert professionell alle Gesänge begleitete, setzt sich aus Freiwilligen zusammen.

Feuer gefangen hat Natascha Rüede 1988 in Taizé, als sie erstmals in diesem damals noch kleinen Dorf war. «Ein achtsames Leben, Stille, sich eine Auszeit nehmen für eine Neuorientierung, all das gefiel mir sehr», sagt sie. Als Rüede, unterdessen war sie Religionspädagogin, 2012 mit 44 Jugendlichen aus Hinwil erneut in Taizé war, staunte sie, dass sich dieser Ort in vielen Dingen ausgesprochen treu geblieben ist: «Bis heute sind dort noch immer die selben einfachen Holzbänke, die roten Plastikschalen zum Tee und die schlichten Holzbaracken.» Der Mix der Leute sei noch internationaler, als er es eh schon war.

Zurück aus Taizé, wollten Oberministranten auch in der Liebfrauenkirche eine solche Taizé-Andacht ins Leben rufen. Seit 2013 findet sie zweimal im Jahr statt. «Sie sehnten sich nach dieser besonderen Stimmung, die sie dort vorgefunden hatten», sagt Natascha Rüede. Jugendliche engagieren sich nach ihrer Erfahrung sehr wohl in der Kirche, «wenn sie eine Form und eine Sprache vorfinden, von der sie sich angesprochen fühlen». So war auch hier die Freude gross, als der Prior von Taizé, Bruder Alois Löser, Ende Dezember in der Arena von Riga ankündigte, dass das 40. europäische Taizé-Jugendtreffen in Basel stattfinden werde.

Im «Oyak» in Hinwil

Nach der Taizé-Andacht versammeln sich alle, darunter auch ältere Pfarreimitglieder, im angrenzenden Pfarreiheim zum Spaghetti-Essen. Viele der Jugendlichen sitzen dabei auf einfachen Holzbänken oder essen auf dem Boden. Die nüchternen Wände sind mit bunten Bildern ausgeschmückt. Gemeindeleiter Markus Steinberg lacht über die Szenerie. Nicht umsonst heisst der Raum an diesem Abend «Oyak», benannt nach der schlichten Imbissbude in Taizé, wo schon Generationen von Jugendlichen für einen heissen Becher Tee anstanden.

Eingeladen zu diesem Abend sind auch Jugendliche aus den umliegenden Pfarreien. Er bietet Gelegenheit, sich über das bevorstehende Taizé-Treffen in Basel zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Einige wollen bereits schon über Auffahrt mit Natascha Rüede ins Burgund fahren.

Zentrales Element der Taizé-Treffen ist der Austausch zwischen Gastgebern und Gästen. Natascha Rüede sagt: «Auch wir hier würden gerne Gastgebergemeinde für die Jugend Europas sein.» Die Anfragen gehen seitens der Kommunität an die Pfarreien gehen in diesen Tagen raus. Für die Kirchgemeinden der Region stellen diese Treffen meist eine Chance für spannende Begegnungen dar.

«Basel» schon im Blick

Am nächsten Taizé-Abend in der Pfarrei Liebfrauen am 29. Oktober ist auch Daniela Egli dabei. Die 19-jährige studiert derzeit Chemie an der ETH und ist Glaubensfragen gegenüber aufgeschlossen. Vor vier Jahren war sie erstmals in Taizé. Ihr gefällt, dass «alle gleich sind, jeder mit jedem redet und die soziale Schicht dort nicht massgebend ist». Bis dahin wird sie viele Informationen über das europäische Treffen in Basel sammeln, das bewusst im Jahr des Reformationsjubiläums als Gastort für das ökumenische Treffen ausgewählt wurde.

Mit nur knapp 200’000 Einwohnern ist Basel eine der kleinsten Städte, die je ein Europäisches Taizé-Jugendtreffen beherbergt habe. Daniela Egli sagt: «Ich bin gespannt, ob ich dort dieses typische Taizé-Feeling vorfinden werde.» Sie hat das Lied «Adoramus Te Domine» auf den Lippen. Die meditativen Taizé-Melodien dieses Abends klingen ihr jedenfalls auch noch Stunden später im Ohr nach.

 

 

Jugendliche, die sich auf das europäische Taizé-Treffen in Basel freut. | © Vera Rüttimann
Jugendliche, die sich auf das europäische Taizé-Treffen in Basel freut. | © Vera Rüttimann
Taizé-Andacht in der katholischen Pfarrei Liebfrauen in Hinwil ZH | © Vera Rüttimann
Taizé-Andacht in der katholischen Pfarrei Liebfrauen in Hinwil ZH | © Vera Rüttimann
Die Jugendlichen sitzen anschliessend auf "Taizé"-Bänken im Pfarreiheim.  | © Vera Rüttimann
Die Jugendlichen sitzen anschliessend auf "Taizé"-Bänken im Pfarreiheim. | © Vera Rüttimann
Natascha Rüede, katholische Jugendseelsorgerin in Hinwil | © Vera Rüttimann
Natascha Rüede, katholische Jugendseelsorgerin in Hinwil | © Vera Rüttimann
Die Jugendlichen, mit denen Jugendseelsorgerin Natascha Rüede (rechts) im Sommer nach Taizé geht. | © Vera Rüttimann
Die Jugendlichen, mit denen Jugendseelsorgerin Natascha Rüede (rechts) im Sommer nach Taizé geht. | © Vera Rüttimann
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