Jeannette Emmenegger, Mentorin, und Agnell Rickenmann, Regens im Seminar St. Beat Luzern | © Barbara Ludwig
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Jeannette Emmenegger, Mentorin, und Agnell Rickenmann, Regens im Seminar St. Beat Luzern | © Barbara Ludwig

Das Seminar St. Beat will auf die Bedürfnisse der Zeit antworten

Luzern, 16.11.17 (kath.ch) Einst lebten künftige Priester und Pastoralassistentinnen und -assistenten im Priesterseminar St. Beat in Luzern unter einem Dach. Das ist passé. Heute versucht das Seminar, beide Gruppen auf ihren spezifischen Berufsweg vorzubereiten und dabei die Gemeinschaft im Blick zu behalten. Keine Angst haben die Verantwortlichen, dass die Zusammenarbeit mit dem Priesterseminar «Collegium Borromaeum» in Freiburg i. Br. zu einer Entfremdung zwischen Priestern und Laien führt.

Barbara Ludwig

Jeannette Emmenegger (*1971) hat es noch erlebt: Ein Jahr lang hat die ehemalige Pastoralassistentin während ihres Studiums im Priesterseminar St. Beat in Luzern unter einem Dach mit künftigen Priestern und Theologiestudierenden gewohnt, die wie sie später in der Kirche tätig sein wollten. «Morgens feierte man gemeinsam Eucharistie und betete zusammen das Morgengebet», sagt Jeannette Emmenegger, seit Anfang August Mentorin (geistliche Begleiterin) am Seminar St. Beat, bei einem Besuch von kath.ch.

Das gemeinschaftliche Leben gibt es nicht mehr. Der «alte Kasten», wie Regens Agnell Rickenmann (*1963) den früheren Standort des Priesterseminars nennt, musste 2013 aufgegeben werden. Bereits damals wurde damit die Ausbildung des künftigen kirchlichen Personals neu ausgerichtet, betont Rickenmann gegenüber kath.ch. Der Priester, der einen Anstecker mit dem Malteserkreuz am Kragen trägt, leitet das Seminar seit Anfang September.

Jeannette Emmenegger hat das Priesterseminar von früher erlebt. | © Barbara Ludwig

«Heute sind die Lebensumstände der Studierenden ganz anders. Viele kommen nicht direkt nach der Matura zum Theologiestudium und sind deshalb bei Studienbeginn schon etwas älter. Manche haben bereits eine Familie», sagt Jeannette Emmenegger, selber Mutter von drei Kindern. Ein Leben im Seminar kommt für diese Menschen nicht in Frage. «Es ist nicht mehr die Zeit für ein solch grosses Haus», stellt sie fest.

Dezentrale Betreuung der Studierenden

Zurzeit lassen sich im Bistum Basel 100 Personen für einen kirchlichen Beruf ausbilden, 15 davon sind Priesteramtskandidaten. Die theologische oder religionspädagogische Ausbildung findet noch immer an der Universität Luzern statt.  Die Betreuung der künftigen kirchlichen Mitarbeiter hingegen leistet das Team von Agnell Rickenmann an verschiedenen Orten in der Stadt Luzern. In unmittelbarer Nähe zur Hofkirche, im Haus «Leo 11», ist das «Ausbildungsteam» zuhause. Hier findet die geistliche Begleitung in Form von Gesprächen statt. Bei den künftigen Laienmitarbeitern übernimmt das Jeannette Emmenegger, bei den Priesteramtskandidaten der Spiritual Edwin Germann.

Am heutigen Sitz von Caritas Schweiz befand sich früher das Priesterseminar. | © Barbara Ludwig

Emmenegger sagt, sie sei erst die dritte Mentorin in der Geschichte von St. Beat. «In den Anfängen war die geistliche Begleitung in der Ausbildung der Laien eben nicht gewährleistet», sagt Rickenmann dazu. Erst später habe man gemerkt, dass auch die Laien nebst der universitären Ausbildung eine menschliche und spirituelle Bildung brauchen. Für Ausbildungsfragen können sich Priesteramtskandidaten und Diakone an Rickenmann wenden, während für die Laienmitarbeitenden die Ausbildungsleiterin Elke Freitag zuständig ist.

WG für angehende Priester

Das eigentliche Seminar St. Beat befindet sich seit 2013 in einem ehemaligen Chorherrenhaus an der Adligenswilerstrasse unweit der Hofkirche. Dort wohnen die Priesteramtskandidaten in einer Art «erweiterten WG» mit Haushälterin, wie Rickenmann sagt. Das Haus habe für höchstens fünf bis sechs Kandidaten Platz. Er selber wohne nicht im Seminar, sei aber täglich dort anzutreffen. «Im Moment leben ein Priesteramtskandidat und ein Student der Religionspädagogik hier. Der erste ist die ganze Zeit hier, der andere an zwei Tagen pro Woche, wenn er Kurse am Religionspädagogischen Institut besucht. Er arbeitet bereits in einer Pfarrei», erklärt Rickenmann.

WG für künftige Priester: In einem ehemaligen Chorherrenhaus befindet sich das Priesterseminar St. Beat. | © Sylvia Stam

Von den übrigen Priesteramtskandidaten leben zwei in Freiburg i.Br., vier im zweisprachigen «Haus der Priesterseminare» in Givisiez bei Freiburg i.Ü. Sieben arbeiten laut Rickenmann bereits in einer Pfarrei. Dann gebe es drei Männer, die noch nicht zu den Seminaristen gezählt werden könnten, weil sie sich erst überlegten, Priester zu werden.

Ein Treffpunkt für alle Studierenden ist die barocke Mariahilfkirche oberhalb der Altstadt. «Diese Kirche ist sozusagen unsere neue Seminarkirche», sagt Rickenmann. In der Nähe, an der Brambergstrasse, befindet sich die Niederlassung der Spitalschwestern. Dort gibt es nach dem Gottesdienst für die Studierenden einmal wöchentlich ein Abendessen und anschliessend einen thematischen Input.

«Alte Rezepte» haben ausgedient

Im Gespräch mit Rickenmann und Emmenegger wird klar, dass vieles noch im Fluss ist in der Ausbildung des geistlichen Personals. Angesichts der heutigen Vielfalt an Lebensentwürfen dürften auch nicht alle Interessenten über den gleichen Leisten geschlagen werden, sagt der Regens. «Wir möchten auf die Bedürfnisse der Zeit und der jetzigen Generation antworten. Wir sollten uns deshalb nicht an alten Rezepten orientieren.»

Heute müssen wir zu den Leuten gehen.

«Früher kamen die Studierenden ins Seminar. Man konnte sie dort empfangen. Heute ist es umgekehrt: Wir müssen zu den Leuten gehen», sagt Jeannette Emmenegger. Eine der Herausforderungen sei, die Studierenden zu erreichen, zusammenzubringen und zu vernetzen.

Priestersein braucht Übung

Im Frühjahr 2016 schloss das Bistum Basel mit dem Priesterseminar «Collegium Borromaeum» in Freiburg im Br. eine Vereinbarung ab, mit der die Diözese die Qualität der Priesterausbildung verbessern will. Das Borromaeum ist laut Rickenmann der privilegierte Partner, wenn angehende Priester einen Teil der Ausbildung im Ausland absolvieren möchten. Den Ort empfiehlt der Regens insbesondere auch jungen Männern, die dort in einem Einführungsjahr herausfinden sollen, ob sie wirklich zum Priestertum berufen sind.

Agnell Rickenmann: «Es gibt gewisse Elemente, die zum priesterlichen Lebensstil gehören.» | © Barbara Ludwig

Der Regens weist auf die unterschiedliche Lebensform von Priestern und nichtgeweihten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kirche hin.  «Es gibt gewisse Elemente, die zum priesterlichen Lebensstil gehören.»  Der Seminarleiter nennt: das regelmässige Gebet, die Spiritualität der Eucharistie und die zölibatäre Lebensform. Beim Gebet etwa sei die Regelmässigkeit wichtig. «Von jemandem mit Familie kann man nicht verlangen, dass er morgens um sieben Uhr mit uns die Laudes betet.»

Der priesterliche Lebensstil müsse eingeübt werden, betont Rickenmann. Dies gelinge besser, wenn die künftigen Priester in einer grösseren Gruppe lebten. Und hier könne eben das Borromaeum eine wichtige Funktion erfüllen. Dort sei die zahlenmässige Voraussetzung gegeben, in Luzern nicht.

Sonderkaste unerwünscht

Könnte die Zusammenarbeit mit dem Priesterseminar in Freiburg i. Br. sich negativ auf das Verhältnis zwischen geweihten und nichtgeweihten Mitarbeitern auswirken? Das befürchten Rickenmann und Emmenegger nicht. «Jemanden zu motivieren, den Weg als Priester zu gehen, ist heute eine grosse Herausforderung», sagt Rickenmann. Darum brauche es Orte, an denen man das einüben könne, wiederholt er. Und es brauche Elemente in der Ausbildung, die der je spezifischen Lebensform entsprächen. Das Ziel sei aber nicht, eine «Sonderkaste» zu etablieren.

«Es ist ein Blick über den Tellerrand, wenn man weiss, wie im benachbarten Ausland Kirche gelebt wird.»

Emmenegger versichert, man werde dafür sorgen, dass nicht zwei Kasten entstünden, indem man die Studierenden beider Gruppen an anderen Begegnungsorten zusammenbringe. Zudem hält die ehemalige Pastoralassistentin einen Aufenthalt im Ausland für wertvoll. «Es ist ein Blick über den Tellerrand, wenn man weiss, wie im benachbarten Ausland Kirche gelebt wird.» Dass die künftigen Priester zu wenig mit den sozialen und kirchlichen Verhältnissen in der Schweiz vertraut würden, glaubt sie nicht. «Freiburg i. Br. ist nah bei den Schweizer Verhältnissen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laientheologen ist ähnlich wie hier.»

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