Filmtipp

Das Leben vor dem Fenster

Max und Leo dürfen die Wohnung nicht verlassen. Das hat ihnen Mama eingeprägt. Sie leben nun zwar in den USA, aber die Realität ist kein rosa Disneyland – zumindest für illegale MigrantInnen aus Mexiko …

«Regel Nummer eins: Niemals die Wohnung verlassen!» – «Und wenn es brennt?» Max schaut seine Mama mit fragenden Augen an. Der Achtjährige und sein kleiner Bruder Leo werden von nun an jeden Tag allein in der schäbigen Bleibe darauf warten, bis ihre Mama todmüde von der Arbeit heimkehrt.

Damit die kleine Familie nicht auffällt und abgeschoben wird, hat Mama Lucia die «Hausregeln» auf Kassette aufgenommen. Die beiden Knaben müssen versprechen, sie auswendig zu lernen und einzuhalten.

Überleben ist nicht leben

Das sind die USA der illegalen zentralamerikanischen MigrantInnen. Schwarzarbeit bis zum Umfallen und doch kaum genug zum Essen und für die Miete. Es ist vielmehr ein Überleben als ein Leben. Kein Wunder suchen viele Linderung in Alkohol und Drogen.

Auch Leo und Max flüchten sich aus dem tristen Alltag. Als «Ninja-Wölfe» mit Superkräften vertreiben sie in ihren erfundenen Geschichten böse Gesellen und sich selbst die langen Stunden ohne Mama. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Max und Leo verstossen gegen die Regeln und erkunden die neue Heimat vor der Haustür …

Die Hoffnung trotzt den Umständen

Regisseur Samuel Kishi Leopo erzählt diese Migrationsgeschichte ohne Pathos, meist aus der Sicht der beiden Knaben. Ihr Blick auf das Leben vor dem Fenster berührt uns tief, weil das Gefühl der Isolation in seiner ganzen Wucht spürbar wird. Doch die Hoffnung ist in «Los lobos» nicht gestorben. Sie spriesst – allen Widerständen zum Trotz.

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«Los lobos», Mexiko 2020; Regie: Samuel Kishi Leopo; Besetzung: Maximiliano Nájar Márquez, Leonardo Nájar Márquez, Martha Reyes Arias; Verleih: Trigon; Filmseite: https://www.trigon-film.org/de/movies/Los_Lobos

Ab 22. April 2021 im Kino

Leo (Leonardo Nájar Márquez) und Max (Maximiliano Nájar Márquez, re.) kennen ihre neue Heimat nur durch die Fensterscheibe | © trigon-film
22. April 2021 | 05:00
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