Schweiz

«Cuisine sans frontières» kocht in Zürich für Flüchtlinge

Zürich, 2.12.16. (kath.ch) Nicht in einem Kriegsgebiet, aber unscheinbar am Rande von Zürich Altstetten liegt ein Einsatzort von «Cuisine sans frontières»: Das Zentrum Juch, das von der Zürcher Fachorganisation AOZ (Asyl Organisation Zürich) betrieben wird. Es bietet Platz für über 300 Asylsuchende, die hier vorübergehend wohnen.

Vera Rüttimann

Vor der Baracke, in der Schulunterricht und Yoga stattfindet, dampft es aus grossen Töpfen. Kinder schnippeln fleissig Rüebli und Zwiebeln zu Kleinstücken. Reis, Poulet und Gemüse stehen an diesem Abend auf der Speisekarte. Die Helfer an den Kochtöpfen, die auf ihren Schürzen eine rote Taube mit Kochlöffel im Schnabel tragen, gehören zum «Cusine sans frontières»-Team. Einmal im Monat kochen Freiwillige des Vereins hier für die Asylsuchenden im Juch.

Kulturen und Religionen kommen sich nahe

Als Eva Bräutigam auf dem Gelände auftaucht, wird sie von Kindern umarmt. Als Leiterin  des «Cusine sans frontières»-Projekts im Asylzentrum Juch ist die 32-jährige hier ein bekanntes Gesicht. Die Zürcherin sieht in die Gesichter der Menschen, die sich aufhellen, als dampfendes Poulet und Reis in ihre Teller ausgeschöpft wird. Sie beobachtet, wie beim Essen Eritreer, Somali, Syrer und Afghanen ins Gespräch kommen.

Eva Bräutigam sagt: «‹Cuisine sans frontières› hat dieses Projekt gestartet, weil wir überzeugt sind, dass wir mit gemeinsamen Mahlzeiten auch hier Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen zusammen bringen können.» Bräutigam, die als Feinmass-Schneiderin für Damen und Herren in Zürich ein Geschäft betreibt, findet diesen Ansatz genial. 2012 reiste sie für ein «Cuisine»-Projekt ins brasilianische Salvador da Bahia, um in einer Armenküche zu helfen. Den Frauen vor Ort gab sie Nähkurse.

Seelsorge im Juch

Eva Bräutigam führt durch die Baracken, in denen früher Gastarbeiter aus Südeuropa wohnten. Sie zeigt auch den Andachtsraum. Hier finden nicht nur Gebete statt, sondern auch Seelsorge. Schon seit Anfang 2014 sind ein reformierter und katholischer Seelsorger im Asylzentrum Juch im Einsatz. Seit einigen Monaten sind neu auch drei muslimische Seelsorger hinzugekommen. Zusammen bilden sie ein interreligiöses Team, das Menschen begleitet, die im Asylverfahren in der Spannung zwischen Ängsten und Hoffnungen ausharren müssen.

David Höner, der Gründer von «Cuisine sans frontières», kennt das Zentrum Juch. Er ist froh, dass «Cuisine sans frontières» sich in der Schweiz für Asylsuchende engagiert. Ebenso wichtig ist dem eloquenten Mann jedoch, an jenen Orten präsent zu sein, wo die Ursachen von Flucht direkt zu finden sind. Der Friedenskoch sagt dazu: «Wir wirken in jenen Gebieten, wo Flüchtlinge herkommen. Dort, wo die Leute aufgrund von Kriegen und den Auswirkungen der Klimaveränderung ihre Existenz verlieren und wegziehen müssen.» Und mit Blick auf den Ansatz, etwas gegen die Ursachen von Flucht zu unternehmen, ergänzt Höner: «Mit unserer Arbeit wollen wir dazu beitragen, dass sich die Situation in ihren Heimatländern verbessert.»

Mit Kochen Grenzen überwinden, Frieden stiften und Gemeinschaften stärken

Die freiwilligen Köche der Organisation «Cuisine sans frontières» im Zentrum Juch. | © Vera Rüttimann
2. Dezember 2016 | 08:26
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Zentrum Juch

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Zentrums Juch in Zürich-Altstetten werden nach dem Zufallsprinzip dem beschleunigten Testverfahren zugewiesen. Das Staatssekretariat für Migration testet diese Vergfahren seit 2014 an der nahegelegenen Förrlibuckstrasse. Die Menschen warten hier maximal 140 Tage auf den Ausgang ihres Asylgesuchs. (vr)