Bischof Vitus Huonder | © Georges Scherrer
Schweiz
Bischof Vitus Huonder | © Georges Scherrer

Churer Bischof Vitus Huonder reicht Rücktritt ein

Zürich. 21.4.17 (kath.ch) Der Bischof von Chur, Vitus Huonder, hat am Freitag altersbedingt seinen Rücktritt bei Papst Franziskus eingereicht. Dieser entscheidet über eine Verlängerung der Amtszeit oder die Ernennung eines Nachfolgers.

Georges Scherrer, Hans Merrouche (Bild)

Mit dem Erreichen des 75. Altersjahrs muss ein Bischof dem Papst seinen Rücktritt anbieten. Wie das Bistum Chur am Freitagmorgen bekanntgab, hat Bischof Vitus Huonder am 21. April sein Rücktrittsschreiben eingesandt. Zum Bistum gehören neben den ländlichen Kantonen der Zentralschweiz, Glarus und Graubünden auch die finanzstarken Katholiken der Metropole Zürich.

Ein Bischof, der polarisierte

Der konservative Churer Bischof ist umstritten. Wie schon sein Vorvorgänger Wolfgang Haas, in Chur Bischof von 1990 bis 1997, heute Erzbischof in Liechtenstein, hat er das Bistum polarisiert. Mit verbalen Vorstössen zu Sexualität, Kirchenverfassung oder Lebensschutz fungierte Huonder auch landesweit immer wieder als Vertreter des konservativen Kirchenflügels.

Kritiker zogen 2014 an den Sitz des Bischofskonferenz-Vorsitzenden, um für eine Absetzung Huonders zu demonstrieren. Der Schweizer Dachverband der Schwulen stellte 2015 erfolglos Strafanzeige gegen den Bischof wegen öffentlicher Aufforderung zu Gewalt gegen Homosexuelle.

Suche nach einer Lösung

In verschiedenen Kantonen des Bistums herrscht seit langem ein kirchliches Reizklima. Wie schon Bischof Wolfgang Haas hat Huonder seine Herde polarisiert. Aus diesem Grund wurde nach Rom das Anliegen übermittelt, übergangsweise einen Apostolischen Administrator statt eines neuen Bischofs für Chur zu ernennen.

Viele Katholiken wünschten sich vor allem ein bisschen Ruhe für die zerstrittene Diözese. Martin Kopp, Generalvikar für die Urschweiz, formuliert drastisch: «Wenn einfach jemand aus dem Lager gewählt wird, das aktuell in Chur den Kurs bestimmt, und es keinen Neuanfang gibt, ist das Bistum tot.»

Mehrstufiges Verfahren für Nachfolge

Nach der Annahme des Rücktritts wird der Apostolische Nuntius, Erzbischof Thomas E. Gullickson, eine Liste mit geeigneten Kandidaten nach Rom schicken. Er hat seine Suche bereits begonnen. Im März traf er mit Priestern und Laienseelsorgern des Bistums Chur zusammen sowie mit dem Domkapitel.

Mit Hilfe dieser Liste erstellt die Bischofskongregation, der der Schweizer Kardinal Kurt Koch angehört, eine Dreier-Liste. Der Papst muss diese Liste beglaubigen. Aus der Liste wählt dann das Churer Domkapitel unter der Leitung von Domdekan Walter Niederberger den neuen Bischof für Chur. Der Papst muss diesen Kandidaten bestätigen.

Huonders Rücktritt betrifft Kadermitarbeiter des Bistums Chur unterschiedlich

Demonstration "Es reicht" gegen den Churer Bischof Vitus Huonder im März 2014 in St. Gallen |© Sylvia Stam
Demonstration "Es reicht" gegen den Churer Bischof Vitus Huonder im März 2014 in St. Gallen |© Sylvia Stam
Chor der Kathedrale Chur, wo der neue Bischof geweiht wird  | © Georges Scherrer
Chor der Kathedrale Chur, wo der neue Bischof geweiht wird | © Georges Scherrer

Seelsorge, Wissenschaft und Bistumsleitung

Huonder wurde am 21. April 1942 in Trun im Kanton Graubünden geboren. Nach Priesterweihe und Promotion 1973 war er an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg und an der Theologischen Hochschule Chur tätig. Es folgten zwölf Jahre in der Pfarreiseelsorge. Nach seiner Habilitation in Liturgiewissenschaft ernannte ihn Bischof Wolfgang Haas 1990 zum Generalvikar für Graubünden, Glarus und Liechtenstein und machte ihn im gleichen Jahr zum Domkapitular.

Haas’ Nachfolger Bischof Amédée Grab bestätigte Huonder 1998 als Generalvikar für Graubünden. Im Vorfeld der Bischofswahl 2007 wurde Huonder dann als erfolgreicher Kandidat gehandelt. Schon damals beschrieben die Medien ihn als ähnlich konservativ wie Vorvorgänger Haas. Zudem wurde an der lauteren Wahl des Kandidaten gezweifelt. (gs)

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