Ausschnitt aus dem Flyer zum Gedenken an die Reichsprogromnacht von 1938 | © zVg
Schweiz
Ausschnitt aus dem Flyer zum Gedenken an die Reichsprogromnacht von 1938 | © zVg

Christliche Solidarität mit Juden im Gedenken an die Reichspogromnacht

Zürich/Chur, 9.11.18 (kath.ch) Anlässlich der Erinnerung an die Reichpogromnacht vor 80 Jahren drücken der Zürcher Generalvikar Josef Annen und Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding ihre Solidarität mit den jüdischen Gemeinden aus. Die Theologische Hochschule Chur führt am 14. November einen Gedenkanlass durch.

«Als Christen drücken wir den jüdischen Gemeinden in Zürich unser Mitgefühl aus», schreiben Annen und Driessen-Reding in einer gemeinsamen Erklärung vom 9. November. Sie verpflichten sich, gemeinsam «mit allen Menschen guten Willens», alles zu tun, damit ein solches Verbrechen nie wieder geschehe.

Die beiden Kirchenvertreter sind der Meinung, dass die christlichen Kirchenin der Schweiz damals viel mehr hätten tun müssen: Einerseits um jüdischen Flüchtlingen zu helfen, andererseits hätten sie versuchen können, die staatlichen Behörden «zur Umkehr ihrer Politik der geschlossenen Grenzen» zu bewegen.

Erklärung des Rats der Religionen zur Flüchtlingspolitik

Der Generalvikar für die Kantone Zürich und Glarus und die Synodalratspräsidentin weisen in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der am Mittwoch in Bern verabschiedeten Erklärung des Rats der Religionen hin. Mit fünf Forderungen erheben die jüdischen, christlichen und muslimischen Glaubensgemeinschaften darin erstmals gemeinsam ihre Stimme zugunsten von Flüchtlingen. «Vereint im Glauben an einen menschenfreundlichen Gott» appellierten die Religionsgemeinschaften an die Schweizerische Flüchtlingspolitik, ihre Verantwortung angesichts von derzeit Millionen Flüchtenden weltweit wahrzunehmen.

Gedenkanlass in Churer Kirche

Auch in Chur gedenken Christen der Reichpogromnacht von 1938. Am 14. November laden die Theologische Hochschule und die reformierte Kirche Chur zu einem Gedenkanlass ein. Simon Erlanger, Professor für Judaistik an der Universität Luzern, wird eine historische Rückschau auf 80 Jahre Novemberpogrom halten. Ein Vertreter des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) wird das Projekt «Likrat Public» vorstellen. Bei diesem Projekt vermittelt der SIG nicht-jüdischen Organisationen Wissen im Umgang mit jüdischen Kunden oder Gästen. (sys)

Hinweis: Gedenkanlass in Chur am 14. November, 19 Uhr, Regulakirche Chur.


Schweizer Religionsgemeinschaften sprechen mit einer Stimme für die Flüchtlinge

Novemberpogrome 1938

Die Novemberpogrome von 1938 waren eine vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Zerstörung von Einrichtungen jüdischer Bürger im gesamten Deutschen Reich.

Nach unterschiedlichen Schätzungen wurden in der Zeit vom 7. bis 13. November 1938 im damaligen Reichsgebiet zwischen 400 und 1300 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Über 1400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie Tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Rund 30’000 Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt.

Mit dem vom Volksmund als «Reichskristallnacht» bezeichneten Pogrom begann eine neue Phase der Verfolgung und Diskriminierung, die im Holocaust – der Deportation und Vernichtung von mehr als sechs Millionen Juden in Konzentrationslagern – endete. Der regimekritische, ironische Unterton der Bezeichnung «Reichskristallnacht», der eine reichsweite koordinierte Aktion unterstellt, wurde später nicht mehr verstanden. Der Begriff wurde im Nachhinein als beschönigend empfunden. (kna)

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