Cantars-Leiterin: «Ein so grosses Festival verleiht Schwung und setzt Energien frei»

Zürich, 31.1.2015 (kath.ch) Von März bis Juni treten die Kirchenchöre der Deutschschweiz aus dem Schatten der Gottesdienste und treten im Rahmen von Cantars 2015 auf. Rund 12.000 Personen singen und musizieren an 36 Spezialanlässen des Kirchenklangfestes. Die grosse Beteiligung habe mit der dezentralen Organisation zu tun, den geplanten Kurzkonzerten und einer spürbaren Begeisterung für Kirchenmusik und Kirchenkultur, sagt Projektleiterin Sandra Rupp Fischer im Gespräch mit kath.ch.

Regula Pfeifer

12.000 Personen machen am diesjährigen Kirchenklangfest cantars mit. Sängerinnen, Sänger, Musiker, Schauspieler, Autoren, Künstler und Organisatoren… Wie motivieren Sie so viele Menschen?

Sandra Rupp Fischer: Das ist möglich, weil unser Festival dezentral und über drei Monate hinweg stattfindet. In Olten, Zürich, Basel, Luzern, St.Gallen und andernorts gibt es Cantars-Anlässe, die in der Regel von 12 bis 23 Uhr dauern. Die Beteiligten vor Ort haben sich zu OKs zusammen getan und motivieren ihre Leute.

Ausserdem haben wir die Programmgestaltung an die Möglichkeiten von Laienformationen angepasst. Ein Cantars-Tag besteht aus zwölf Kurzkonzerten von maximal 40 Minuten. Das ist für Kirchenchöre realisierbar. Bei zweistündigen Konzerten hätten wohl viele abgewinkt, da sie keine Erfahrung damit haben. Im Gottesdienst singt ein Kirchenchor vielleicht 20 bis 25 Minuten. Chöre, denen auch 40 Minuten zu viel sind, können sich bei Cantars zu zweit an einem 40-Minuten-Auftritt beteiligen.

Machen die lokalen OKs ihren Anlass nach eigenem Gutdünken?

Rupp: Die Anlass-OKs haben Leitlinien von uns, also vom Cantars-OK. Diese regeln beispielsweise die Tagesstruktur, den Umgang mit den Finanzen oder die Werbung. An unseren gemeinsamen Konferenzen, zweimal jährlich, werden sie in Projektmanagement geschult, und wir besprechen das Vorgehen und diskutieren offene Fragen.

Weshalb dieses zweite Kirchenklangfest?

Rupp: Nachdem das erste 2011 vorbei war, hatte niemand von uns die Absicht, den Anlass zu wiederholen. Erst Ende 2012 beschlossen wir innerhalb des Schweizerischen Katholischen Kirchenmusikverbandes (SKMV), das Festival in einem grösseren Kontext noch einmal durchzuführen. Dem SKMV angeschlossen sind 1.000 Chöre der Kirchenmusikverbände der Bistümer Basel, Chur und St. Gallen und ausserdem die Cäcilienverbände Oberwallis und Deutschfreiburg.

Was brachte Cantars 2011 den Chören?

Rupp: Es ermöglichte den Kirchenchören, an einem grossen Festival mitzumachen. Das verlieh Schwung und setzte wunderbare Energien frei. Ausserdem genossen die Chöre eine öffentlichkeitswirksamere Präsenz als üblich. Dies war für viele Mitwirkende sehr motivierend.

Sind die Kirchenchöre von Überalterung und Mitgliederschwund betroffen?

Rupp: Klar singen da eher Leute ab 55 mit als jüngere. Aber es gibt auch gut altersdurchmischte Chöre. Und es gibt Orte, in denen die Kirchenchöre weiter bestehen, die weltlichen Chöre aber eingegangen sind. Das Mitgliederproblem ist eine Zeiterscheinung. Viele verpflichten sich ungern für ein ganzes Jahr. Deshalb sind Chöre, auch kirchliche, offen für Gastsänger, die temporär an Projekten mitwirken. Unter anderem dank engagierter Projektarbeit zählt der Kirchenchor St. Marien in Olten, den ich leite, heute 55 Mitglieder.

Was tun Sie dafür?

Rupp: Das Kirchenjahr bietet einen reichhaltigen Schatz an Chormusik. Wir finden für jedes Fest Stücke verschiedener Stilrichtungen und Epochen. Mal singen wir Klassik, mal Volksmusik, mal Jazziges.

Jazz in der Kirche?

Rupp: Ja, wir haben schon Gottesdienste gestaltet mit «Sacred Concert» von Duke Ellington, für Chor und Bigband. Die Texte dieses Werks sind sakral, nur der Musikstil überraschte. Wie bei allen Choreinsätzen achteten wir darauf, dass Wort und Musik in der Liturgie ein Ganzes gaben. Um dies zu erreichen, arbeiteten wir eng mit den Liturgievorstehenden und Kirchenmusikern zusammen. Viele Kirchenchöre sind heute offen für unterschiedliche Stile und bieten Projekte zum Mitsingen an.

Sind Ihre Sänger auch Kirchgänger?

Schon die Mitwirkung im Kirchenchor macht die Sängerinnen und Sänger zu regelmässigen Kirchgängerinnen und Kirchgängern. Darüber hinaus wirken einige in der Pfarrei in einem anderen Verein oder Vorstand mit. Der Chor selbst engagiert sich aktiv am Pfarreileben, sei es bei Pfarrei-Apéros, Spitalbesuchen oder Lektorendiensten.

Wie steht’s mit dem Nachwuchs?

Es gibt viele pfarreiliche Kinder- und Jugendchöre. Auch an Cantars wirken rund 2’000 Kinder und Jugendliche mit. Rund 90 der 440 Cantars-Konzerte bestreiten Kinder und Jugendliche.

Cantars ist ökumenisch. Wie zeigt sich das?

Der Schweizerische Kirchengesangsbund (SKGB), also der Verband der reformierten Kirchenchöre, ist unserer Anfrage gefolgt und wirkt in der Cantars-Organisation mit. Geschätzte 70 Prozent der auftretenden Kirchenchöre gehören dem katholischen Kirchenmusikverband an, die übrigen mehrheitlich dem reformierten Pendant. Erfreulicherweise gelingt an Cantars auch ein interreligiöser Austausch. In Zürich gestalten im Rahmen von Cantars der Synagogenchor Zürich, der Chor der serbisch-orthodoxen Kirche Zürich, die christkatholischen Kirchenchöre Zürich und Bern und die Kantorei St. Peter Zürich gemeinsam ein Konzert. In Olten wird erstmals ein interreligiöses Chorprojekt durchgeführt. Und in Luzern steht ein Weltreligionentag mit Musik der Weltregionen und einer interreligiösen Feier auf dem Programm.

Gibt es bereits ökumenische Kirchenchöre?

Ja, an Cantars treten beispielsweise der ökumenischen Kirchenchor Freiburg, die ökumenische Chorgemeinschaft Suhr-Gränichen, der ökumenische Kinderchor Oberwil/Therwil/Ettingen/Biel-Benken und der ökumenische Kinder- und Jugendchor in Winterthur-Töss auf. Projektchöre sind übrigens meist ökumenisch offen. Da schreibt man das Projekt aus und singt mit allen Interessierten, ohne nach Religion oder Konfession zu fragen. (rp)


Die Leiterin von Cantars 2015

Sandra Rupp Fischer, die Projektleiterin des Grossanlasses, ist Vorstandsmitglied des Schweizerischen Katholischen Kirchenmusikverbandes SKMV und bis Mitte März Verbandsdirektorin des Kirchenmusikverbandes Bistum Basel, der 2011 mit Cantars sein 125-jähriges Jubiläum feierte. Sie ist Schulleiterin der Musikschule Olten, Mitarbeiterin am Liturgischen Institut Freiburg und Kirchenchorleiterin. Sandra Rupp erhielt 2012 den ersten Good-News-Preis (Video) der katholischen Kirche für die Projektleitung des Kirchenklangfestes Cantars 2011. (rp)

Cantars startet in Basel mit einem Auftaktfestival

Das erste Cantars-Konzert am 14. März ist ein «geistliches Spektakel» namens Theatrum Sanctum Basiliensis, es findet um 12 Uhr im Basler Münster statt. Im Stundentakt sind darauf Konzerte gleichzeitig zu hören im Münster, in der Offenen Kirche Elisabethen, in der Theodorskirche, der Predigerkirche, der St. Clarakirche. Neben vielen Chören treten auch der Schweizer Kinderliedermacher Andrew Bond, das Klezmerorchestra Bajt Jaffe oder der Hindupriester Amit Sharma Bandhavi auf.

Um 16.30 Uhr findet im Münster eine Vesper mit Münsterpfarrerin Caroline Schröder Field und dem Basler Bischof Felix Gmür statt. Danach wird Cantars um 17.30 Uhr in der christkatholischen Predigerkirche offiziell eröffnet. Es sprechen unter anderem der St. Galler Bischof Markus Büchel als Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Pfarrer Gottfried Locher als Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), Pfarrer Michael Bangert als Gastgeber und Vertreter der Christkatholischen Kirche Schweiz sowie Ständerätin Anita Fetz.

In den folgenden Wochen folgen weitere Anlässe an 35 Orten mit 440 Veranstaltungen. Seinen Ausklang findet das Cantars-Festival am 7. Juni auf dem Olma-Gelände in St. Gallen. (rp)

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