International

Breite Kirchenfront in den USA gegen Trumps Migrationspolitik

Washington, 28.1.17 (kath.ch) Ein breites Bündnis kirchlicher Hilfsorganisationen der USA hat sich bestürzt über die Migrationspolitik von Präsident Donald Trump geäussert. Am Freitag (Ortszeit) legten sie in Washinton eine gemeinsame Stellungnahme vor.

Die in dieser Woche dargelegten Pläne des neuen Präsidenten der USA zur Errichtung einer Grenzmauer zu Mexiko, zu Förderkürzungen für Städte und Bundesstaaten mit vielen illegalen Einwanderern (»Sanctuary»-Städte), zur Verhaftung und Abschiebung von Familien sowie zur Zurückweisung muslimischer Flüchtlinge lehnen die Kirchenvertreter klar ab. «Papst Franziskus hat dazu aufgerufen, Migranten und Flüchtlingen nicht die Türen zu schliessen», sagte Schwester Donna Markham, Präsidentin von Catholic Charities USA, einem Dachverband von 160 Organisationen.

Es gibt kein «entweder-oder»

Statt Verteidigung und Angst müssten Grundhaltungen wie Aufnahme, Mitgefühl und Begegnung gefördert werden. «Es gibt für uns kein ‘entweder-oder’. Wir können gleichzeitig unsere Bürger schützen und Neuankommende willkommen heissen. Die Sorge um die Notleidenden gehört zum Kern unseres Glaubens», so die Dominikanerin.

Wenn Trump Einwanderer-Gemeinden dafür bestrafen wolle, dass sie sich «unmoralischer Politik» widersetzten, so sei dies ein Gewaltakt. Das richte sich nicht nur gegen jene, die es wagten ihm dem Präsidenten zu widersprechen, es sei auch eine Isolation und weiteres An-den-Rand-Drängen der Menschen, «die anders sind als er», sagte Eddie Carmona von «Pico», dem grössten Netzwerk von Glaubensgemeinschaften der USA. Der neue US-Präsident stehe im Widerspruch zum seit jeher geltenden Grundsatz, dass Amerika ein «Land der Möglichkeiten für alle» sei.

Mauer als ein «Symbol der Lügen»

Ohnehin seien die nationalen Ausgaben für Grenzschutz in den vergangenen Jahrzehnten bereits explodiert – von 268 Millionen US-Dollar im Jahr 1990 auf 3,8 Milliarden Dollar im Jahr 2015, bemerkte Schwester Simone Campbell von der katholischen Lobbyorganisation «Network». Schon heute würde die Grenze zu Mexiko den Alltag in den Anrainerstädte auf beiden Seiten in hohem Masse beeinträchtigen. Die Pläne Trumps zu einer Verschärfung der Migrationspolitik seien dem christlichen Glauben «genau entgegengesetzt».

Der US-Abteilung der katholischen Friedensbewegung «Pax Christi» erklärte sich solidarisch mit «unseren eingewanderten Brüdern und Schwestern, die in Angst vor der Abschiebung und Trennung von ihren Familien leben». Kein Flüchtling habe grundlos seine Heimat verlassen, viele seien Situationen der Armut, der Bandengewalt und des Terrors entflohen. Die Errichtung einer Mauer sei das sichtbare Symbol politischer Lügen, hiess es in der Stellungnahme.

Eine Eiszeit für Flüchtlinge

Durch die Politik Donald Trumps werde sich in den USA für Flüchtlinge das Klima enorm verschlechtern, befürchtete das «Action Network» des Ordens der Franziskaner. Der christliche Glauben verpflichte jedoch zum Einsatz für die Rechte und Würde aller Menschen. Flüchtlinge müssten daher weiterhin geschützt und das Zusammenleben der Familien gewahrt bleiben, so die Ordens-NGO.

Nicht vergessen dürfe man, dass die USA von Einwanderern aufgebaut worden sei. Auf ähnliche Weise erklärten auch die Jesuiten ihre Unterstützung für Flüchtlinge. Wer Schutzsuchende ein ordentliches Asylverfahren verweigere, setze sie noch grösseren Gefahren aus.

Unterstützung erhielten die katholischen Hilfswerke in ihrer Kritik an der Trump-Migrationspolitik auch von ihren Partnerorganisationen aus den Reihen weiterer kirchlicher Gemeinscahften, von Juden, Muslimen sowie vom Nationalen Kirchenrat der USA. Bereits am Mittwoch hatten die US-Bischöfe der neuen Regierungslinie zu den Migranten eine klare Absage erteilt. (kap)

«Amerika zuerst» | © Georges Scherrer
29. Januar 2017 | 07:55
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Einst gegen Juden, jetzt gegen Muslime

Die rigiden Einreisebeschränkungen von Präsident Donald Trumps gegen Muslime stossen weltweit auf Empörung. Ein Novum sind sie allerdings nicht. Mehrmals in der Geschichte der USA empfing das Land Migranten und Flüchtlinge auf der Flucht vor Not und Verfolgung nicht mit offenen Armen, sondern liess sie vor verschlossenen Türen.

Der berühmteste Fall einer Ablehnung von Menschen, die ihre Hoffnungen auf ein Leben – und ein Überleben – in den USA setzten, geschah ausgerechnet in der Amtszeit eines bei den damaligen Medien und heutigen Historikern als Sinnbild des liberalen Amerika gefeierten und beliebten Präsidenten. Es war Franklin D. Roosevelt (Präsident von 1933 bis 1945).

Kurz vor Ausbruch des Krieges 1939 ging ein Name durch die Weltnachrichten: der Dampfer St. Louis. Das Passagierschiff verliess am 13. Mai Hamburg mit 937 Passagieren, davon 930 Juden, die Nazideutschland sozusagen in letzter Minute verlassen wollten. Ziel des Schiffes war Kuba. Dort jedoch verweigerten die Behörden den Passagieren die Einreise. Die St. Louis verliess am 6. Juni kubanische Gewässer und steuerte entlang der Küste Floridas gegen Norden.

Ungeachtet aller Proteste und Appelle durfte die St.Louis in keinem amerikanischen Hafen anlegen. Das Schiff nahm Kurs zurück nach Europa. Der Kapitän dachte laut über den Plan nach, das Schiff vor der englischen Küste auf Grund zu setzen und die Briten damit zu zwingen, die Passagiere als Schiffbrüchige ins Land zu lassen. So weit kam es nicht. Über diplomatische Kanäle bemühte sich die amerikanische Regierung nun, mehrere europäische Länder zur Aufnahme der Flüchtlinge zu überreden.

Das Schiff konnte am 17. Juni, fünf Wochen nach Beginn seiner Reise, im Hafen von Antwerpen in den Niederlanden andocken. Grossbritannien nahm schliesslich 288 Passagiere auf, Frankreich 224, Belgien 214 und die Niederlande 181. Die Flüchtlinge schienen sicher. Ein Jahr später wurden drei dieser Länder von der Wehrmacht überrannt. Forschungen des Holocaust-Museums in Washington haben ergeben, dass wahrscheinlich 254 der St. Louis-Passagiere später dem Holocaust zum Opfer fielen. (kna)