Messe nach ausserordentlichem Ritus | © Joachim Specht/Wikimedia Commons
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Messe nach ausserordentlichem Ritus | © Joachim Specht/Wikimedia Commons

Bistum Sitten nimmt vorkonziliare Messe wieder auf

Sitten VS, 4.5.16 (kath.ch) Das Bistum Sitten hat beschlossen, die Messe nach dem ausserordentlichen Ritus wiedereinzuführen, wie cath.ch meldet. Dies ist gemäss einem Apostolischen Schreiben (Motu Proprio) von Papst Benedikt XVI. möglich. Die Messe soll einmal monatlich in der Kirche Saint-Pierre-de-Clage abgehalten werden. Die Kirche liegt in unmittelbarer Nähe zu Ecône, wo die traditionalistische Piusbruderschaft ein Priesterseminar führt.

«Ob auf Französisch, Englisch oder Latein – in der Messe schenkt sich Gott, sie muss daher respektvoll gefeiert werden», sagt Marek Glab, Pfarrer in Saint-Pierre-de-Clage. Glab war von einer Gruppe Walliser Katholiken angefragt worden, die Messe nach dem ausserordentlichen, auch «tridentinisch» genannten Ritus zu feiern.

«Das Evangelium und die Predigt werden auf Französisch zu hören sein», präzisiert Glab, der weitere Verlauf der Messe sei auf Lateinisch. «Wir werden ein Heft herausgeben, in welchem die Messe auf Lateinisch und Französisch nachzulesen ist, sodass die Gläubigen ihr folgen können.» Glab hat am Priesterseminar in Polen Latein gelernt, er bereitet sich derzeit darauf vor, seine erste tridentinische Messe zu feiern.

Junge Familien

Die Anfrage geht von einer Gruppe von rund 40 Gläubigen aus, mehrheitlich junge Familien aus den Pfarreien von Martigny, Leytron und Chamoson. «Diese Messe ist auch offen für all jene, die diesen Ritus kennenlernen wollen. Ich weise in den gewöhnlichen Messen jeweils darauf hin», so Glab. Einige dieser Gläubigen seien aus ihrer Jugendzeit in Ecône mit diesem Ritus vertraut und wollten diesen weiterhin feiern, ohne selbst Mitglied der Piusbruderschaft zu sein. Die «Priesterbruderschaft St. Pius X.» geht auf den französischen Alt-Erzbischof Marcel Lefebvre zurück und ist von Rom getrennt.

«Nichts mit Ecône zu tun»

«Diese Initiative hat nichts mit Ecône zu tun», stellt Pierre-Yves Maillard, Generalvikar im Bistum Sitten, klar. Im Herbst 2015 hätten die Initianten Bischof Jean-Marie Lovey gebeten, die Messe nach ausserordentlichem Ritus wiedereinzuführen. Nachdem gemäss kanonischem Recht der Priesterrat konsultiert worden war, gab der Bischof sein Einverständnis, die Messe monatlich zu feiern und nach einem Jahr Bilanz zu ziehen. «Man kann der lateinischen Messe auch in anderen Kantonen beiwohnen, im Wallis war dies bisher nicht möglich», so Maillard.

Dass die Wahl auf die Kirche Saint-Pierre-de-Clage fiel, hat einerseits damit zu tun, dass die Anfrage von Mitgliedern dieser Pfarrei kam, andererseits verfügt diese Kirche über einen Holzaltar, den man leicht verschieben kann. Dies ist nötig, weil der Priester den ausserordentlichen Ritus mit dem Rücken zum Volk zelebriert.  Die Messe nach diesem Ritus wird ab dem 22. Mai an jedem letzten Sonntag im Monat gefeiert. (cath.ch/sys)

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Tridentinische Messe

Als tridentinische Messe bezeichnet man den lateinischsprachigen Gottesdienst im alten Ritus, wie er nach dem Konzil von Trient (1545-1563) für die katholische Kirche weltweit vorgeschrieben war. Diese Messbücher wurden nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) schrittweise durch eine erneuerte Liturgie ersetzt, die in der Regel in der jeweiligen Landessprache gefeiert wird. Latein blieb aber weiterhin erlaubt.

Gegen diese Liturgiereform wandten sich die Traditionalisten um den französischen Alt-Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991). Sie hielten die Einführung der Landessprache und die stärkere Einbeziehung der Gemeinde in die Messfeier für verfehlt. Um ihnen entgegenzukommen, gestattete Papst Johannes Paul II. 1984 die Verwendung der tridentinischen Messe nach dem letzten vorkonziliaren Messbuch von 1962 unter strengen Auflagen. Dennoch überwarfen sich Lefebvre und seine engsten Anhänger mit dem Vatikan.

Papst Benedikt XVI. erlaubte in einem Anfang Juli 2007 veröffentlichten Apostolischen Schreiben, dass künftig wieder öfter Gottesdienste in der Kirchensprache Latein nach dem tridentinischen Ritus von 1962 gefeiert werden dürfen. Im päpstlichen Erlass «Summorum Pontificum» benannte er eine Reihe von Vorgaben, um diese Feiern in die Einheit der Kirche und die Diözesen einzubinden. (bal)

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