Bistum Chur: Kontroverse um Sexualberatung und Abtreibung

Chur, 30.10.11 (Kipa) Das Bistum Chur hat in einer Medienmitteilung Stellung genommen zur Berichterstattung der Medien über die Entscheidung des Bündner Kirchenparlaments Corpus Catholicum, die Beratungsstelle Adebar weiterhin mit 15.000 Franken jährlich zu unterstützen. Generalvikar Martin Grichting hatte den Antrag gestellt, diesen Betrag zu streichen, weil dort die Abtreibungspille propagiert werde.

Adebar ist die Beratungsstelle für Familienplanung, Sexualität, Schwangerschaft und Partnerschaft Graubünden. Und «eine Beratungsstelle, die u.a. die Durchführung von Abtreibungen begleitet und die `Pille danach` als chemischen Weg der Abtreibung propagiert», heisst es im Communiqué des Bistums. «Die Zahlung erfolgt gegen den von Generalvikar Martin Grichting am 26. Oktober vorgetragenen Wunsch von Bischof Vitus Huonder.» Dieser hatte sich daran gestossen, dass Adebar gemäss seiner Homepage über Abtreibungsmethoden berate.

Die Stelle wirke «an der Tötung ungeborener Menschen mit», so der Antrag Grichtings, und werbe zudem für die «Pille danach». Gemeint ist folgender Passus auf dem Internet-Auftritt von Adebar, der Minderjährigen rechtliche Informationen gibt: «Hast Du Angst schwanger zu werden? Die `Pille danach` kann eine mögliche Schwangerschaft bis zu 72 Stunden (je früher desto besser) nach dem Sexualkontakt verhindern. Die `Pille danach` erhälst Du, wenn Du älter als 16 Jahre bist, ohne ärztliches Rezept in der Apotheke, sonst bei deiner Ärztin/deinem Arzt oder im Spital.»

Ungewollte Schwangerschaften vermeiden

Dies verstosse gegen den katholischen Glauben, so Grichting, auch wenn Adebar auch Gutes tue. In der «Sonntagszeitung» (30. Oktober) verteidigt sich Vereinspräsidentin Andrea Bäder Federspiel: «Adebar ist eine konfessionell neutrale Beratungsstelle, welche Abtreibungen weder speziell befürwortet noch grundsätzlich ablehnt.» Ihr Auftrag sei es, betroffene Frauen über die gesetzliche Regelung zu informieren und sie darin zu unterstützen, eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. Und: «Die Beratungsstelle trägt mit ihren Sexualpädagogik-Angeboten auch dazu bei, ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden und so auch die Zahl der Abtreibungen zu verringern.»

Bischof: Verstoss gegen katholischen Glauben

Mehrere Vorstösse von Bischofsvikar Christoph Casetti in der Verwaltungskommission der Landeskirche hätten in den letzten Jahren kein Umdenken bewirken können, so die Medienmitteilung. Bischof Vitus Huonder betone, dass die Entscheidung der Landeskirche «schwerwiegend gegen den katholischen Glauben verstösst». Er erinnere an den Katechismus der Katholischen Kirche und die Enzyklika «Evangelium vitae». Dort schreibe Johannes Paul II.: «Gewiss nimmt der Entschluss zur Abtreibung für die Mutter sehr oft einen dramatischen und schmerzlichen Charakter an, wenn die Entscheidung, sich der Frucht der Empfängnis zu entledigen, nicht aus rein egoistischen und Bequemlichkeitsgründen gefasst wurde, sondern weil manche wichtigen Güter, wie die eigene Gesundheit oder ein anständiges Lebensniveau für die anderen Mitglieder der Familie gewahrt werden sollten. Manchmal sind für das Ungeborene Existenzbedingungen zu befürchten, die den Gedanken aufkommen lassen, es wäre für dieses besser nicht geboren zu werden. Niemals jedoch können diese und ähnliche Gründe, mögen sie noch so ernst und dramatisch sein, die vorsätzliche Vernichtung eines unschuldigen Menschen rechtfertigen.» (Nr. 58).

Hinweis: www.adebar-gr.ch

(kipa/com/pem)

30. Oktober 2011 | 15:15
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