Berlusconi-Getreuer: «Gefasel der Bischöfe ist unerträglich»

Rom, 14.3.15 (kath.ch) Ein Weggefährte von Silvio Berlusconi hat die Italienische Bischofskonferenz für ihre Stellungnahmen zum Freispruch des früheren Ministerpräsidenten im Ruby-Prozess scharf kritisiert. «Das Gefasel der Bischöfe ist unerträglich», sagte der Forza-Italia-Abgeordnete Antonio Martino der römischen Tageszeitung «Il Messaggero» (Samstag, 14. März).

Obwohl Berlusconi letztinstanzlich freigesprochen worden sei, bleibe er für die Bischöfe ein Sünder, so Martino. Der Politiker war Mitbegründer von Berlusconis Partei und von 2001 bis 2006 in dessen Kabinett Verteidigungsminister. Berlusconi war am Dienstag, 10. März, vom Vorwurf der Beteiligung an der Prostitution Minderjähriger sowie des Amtsmissbrauch vom obersten italienischen Gerichtshof freigesprochen worden.

Der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Bischof Nunzio Galantino, hatte gesagt, ein juristischer Freispruch sei noch kein abschliessendes moralisches Urteil. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco hat Pläne Berlusconis für eine Rückkehr in die Politik zu den bevorstehenden Regionalwahlen am Freitag, 13. März, mit den Worten kommentiert: «Die Beschlüsse der einzelnen Personen sind eine persönliche Sache, man muss jedoch auch den politischen und sozialen Kontext berücksichtigen.»

Keine Beweise

Die Staatsanwaltschaft hatte Berlusconi vorgeworfen, die damals 17-jährige Marokkanerin Karima El Mahroug, die sich selbst «Ruby» nennt, für Geschlechtsverkehr bezahlt zu haben. Später soll er Druck auf Polizisten ausgeübt haben, die junge Frau aus dem Gewahrsam zu entlassen. Beide Anklagepunkte lassen sich nach Ansicht der Richter nicht beweisen.

In einem anderen Verfahren war Berlusconi im vergangenen August in letzter Instanz wegen Steuerbetrugs schuldig gesprochen worden. Die ursprüngliche Haftstrafe war jedoch aufgrund seines Alters in Sozialstunden umgewandelt worden. Diese hatte Berlusconi bis Anfang dieses Monats einmal wöchentlich in einem katholischen Mailänder Altersheim abgeleistet. Ausserdem war seine Bewegungsfreiheit in dieser Zeit durch Auflagen eingeschränkt. Seine politischen Wirkungsmöglichkeiten waren dadurch stark eingeschränkt. (cic)

 

 

14. März 2015 | 16:01
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