Ulrich Stähli | © Georges Scherrer
Schweiz
Ulrich Stähli | © Georges Scherrer

BDP-Grossrat Ulrich Stähli will eine politische Lösung für Muslim-Seelsorge

Bern, 16.4.18 (kath.ch) Der Berner BDP-Grossrat Ulrich Stähli will mit einer Motion erreichen, dass die Seelsorgeangebote in Gefängnissen, Spitälern und Asylunterkünften für «Angehörige nicht anerkannter Religionen» staatlich geregelt werden. kath.ch hat den Politiker nach seinen Beweggründen gefragt. Stähli reichte die Motion gemeinsam mit zwei weiteren Grossräten ein. Diese gehören der SP und den Grünliberalen an.

Georges Scherrer

Herr Stähli, Sie sind nach Zürich an ein Podium gereist, welches das «Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft» (SZIG) zum Thema muslimische Seelsorge organisierte. Warum?

Ulrich Stähli: Meine Motion soll den Berner Regierungsrat verpflichten, dass ausgebildete Leute die Seelsorge in Spitälern, Gefängnissen und im Asylwesen betreuen. Diese Personen sollen in der Schweiz ausgebildet werden, sowohl Imame wie Hindu-Priester. Die Seelsorge soll nicht durch Personen sichergestellt werden, welche aus Jemen oder Saudiarabien eingeflogen werden. Am Zürcher Podium wurde darüber gesprochen, wie die Muslime integriert werden können.

Die gemässigten muslimischen Organisationen werden in Zürich in den Dialog eingebunden.

Was nahmen Sie als Berner aus Zürich mit nach Hause?

Stähli: Ich habe gesehen, dass in Zürich das Projekt Seelsorge und Muslime recht gut angelaufen ist. Dort bemüht man sich, Leute auszubilden. Insbesondere werden die gemässigten muslimischen Organisationen in den Dialog eingebunden, so dass man Ansprechpartner hat, welche eine Mehrheit der Muslime vertreten und nicht solche Formationen wie den «Islamischen Zentralrat», der in aller Leute Mund ist. Dieser ist nicht repräsentativ für die Muslime in der Schweiz.

Wie dringend ist das Anliegen, das Sie in Ihrer Motion ausformuliert haben?

Stähli: Es ist absolut aktuell. Im Kanton Bern haben wir Fälle von Imamen, die Hasspredigten verbreiten und Leute radikalisiert haben, die Sozialhilfe bezogen und gegen die Schweiz agierten. So etwas geht nicht. Darum sind wir daran interessiert, dass jene Personen, die in den Moscheen oder den Gefängnissen seelsorgerisch tätig sind, in der Schweiz ausgebildet werden.

Die SVP besetzt das Feld «Islam» bereits. Will die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) nun über die Motion der SVP das Wasser im Bereich «Islam» abgraben?

Stähli: Das ist nicht ganz so. Die SVP bewirtschaftet das Thema, indem sie Ängste schürt und Feindbilder aufbaut. Sie sagt auch: Wir wollen diese Leute gar nicht. Die Tatsache lautet aber: Sie sind bereits hier. Im Kanton Bern sind fünf Prozent der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Zwei Prozent sind Hindus. 60 Prozent sind Christen.

Die FDP erklärte: Wenn es etwas kostet, sind wird dagegen.

Mit dieser Tatsache muss man sich gesellschaftspolitisch auseinandersetzen. Die SVP sagt, dass sie über dieses Thema nicht reden will, es soll niemand ausgebildet werden, es soll so bleiben, wie es ist. Die Partei bewirtschaftet weiterhin ihr Feindbild. Das gefällt uns nicht. Wir wollen das Problem lösen.

Wird im Parlament Ihre Motion unterstützt werden?

Stähli: Ja. Diese wurde von fünf Parteien unterzeichnet: von der BDP, SP, Grünliberalen, EVP und den Grünen. Also alles von Mitte-Links her. Die FDP erklärte: Wenn es etwas kostet, sind wird dagegen. Die SVP ist prinzipiell dagegen.

Ohne Nebengeräusche wird das nicht gehen.

Gehen Sie davon aus, dass das Parlament diese Motion verabschieden wird?

Stähli: Ohne Nebengeräusche wird das nicht gehen. Es kommt vor allem auch darauf an, ob der Regierungsrat bereit ist, die Motion anzunehmen und zu handeln oder ob er diese als Postulat nur prüfen wird oder sie gar ablehnt.

Was machen Sie, wenn die Motion zurückgewiesen wird?

Stähli: Dann werden wir selbstverständlich im Parlament für die Verwirklichung der genannten Ziele kämpfen.

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