Flugaufnahme mit Amden, Mattstock und Hintere Hoehe, Gulmen, Arvenbueel und Leistchamm | © Keystone
Schweiz
Flugaufnahme mit Amden, Mattstock und Hintere Hoehe, Gulmen, Arvenbueel und Leistchamm | © Keystone

Baldegger Schwestern zu Amden: «Wir mussten mit Widerstand rechnen»

Baldegg LU/Amden SG, 25.5.15 (kath.ch) Als der Kanton St. Gallen Anfang Mai die Pläne für ein Asylzentrum im «Haus Bergruh» der Baldegger Schwestern in Amden vorstellte, erntete er Kritik aus der Bevölkerung. Aber auch die Ordensfrauen, die im Kurort ob dem Walensee während Jahrzehnten geschätzte Arbeit geleistet haben, mussten sich ungehörige Vorwürfe anhören. Für Generaloberin Sr. Zita Estermann kein Grund, den Entscheid in Frage zu stellen. Aber trotzdem besteht die Bereitschaft für weiterführende Gespräche.

Martin Spilker

Öffentliche Veranstaltungen zum Thema Asylunterkünfte sind selten Ausdruck von Freude und Einmütigkeit. So erhielten die Vertreter der Regierung und des Migrationsamtes St. Gallen Mitte Mai ihr Fett ab, als die Bevölkerung informiert wurde, dass der Kanton im Haus Bergruh in Amden eine Asylunterkunft einrichten wird. Das Kur- und Ferienhaus ist im Besitz der Baldegger Schwestern, die sich aber im Herbst nach über 90 Jahren Tätigkeit im Ort aus Amden zurückziehen werden.

«Warum gleich wieder schwarz sehen?»

Für die Generaloberin der Baldegger Schwestern, Sr. Zita Estermann, war es nicht überraschend, dass sich die Kritik auch gegen den Orden richtete. Allerdings hat sich dies nicht auf ihre Haltung ausgewirkt. «Wir mussten mit Widerstand rechnen», sagt sie im Gespräch mit kath.ch, und ergänzt: «Aber der Vertrag mit dem Kanton St. Gallen besteht.»

Dabei weiss die Ordensfrau, dass in Amden bereits vor 20 Jahren Asylsuchende einquartiert waren und es damals auch Konflikte mit der Bevölkerung gegeben habe. Doch, so Schwester Zita: «Ich kann nicht verstehen, dass die Menschen gleich wieder schwarz sehen und nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass alle Beteiligten aus den gemachten Erfahrungen gelernt haben.» Heute könne man auf ganz andere Kompetenzen in der Betreuung von Asylsuchenden zurückgreifen. – Eine Haltung, die auch Jürg Eberle vom Migrationsamt des Kantons St. Gallen teilt, wie er nach er erwähnten Veranstaltung gegenüber Medien erklärte.

«Wer, wenn nicht die Kirche?»

Dass das frühere Kur- und Ferienhaus überhaupt für eine neue Nutzung zur Verfügung steht, erklärt die Ordensoberin mit der geringeren Anzahl Mitglieder überhaupt. Die Baldegger Schwestern konzentrieren sich auf ihren Hauptsitz im luzernischen Seetal. Dort hat die Gemeinschaft zudem bereits eine ihrer Liegenschaften dem Kanton Luzern zur Unterbringung von Asylsuchenden zur Verfügung gestellt. Der Entscheid, das Haus Bergruh als Asylunterkunft zur Verfügung zu stellen, komme also nicht aus dem Nichts heraus.

Schwester Zita versteht das Vorgehen der Ordensgemeinschaft aber nicht allein aus der Not nach einer neuen Nutzung der Liegenschaften. «Als Ordensgemeinschaft haben wir Mitverantwortung dafür, wie sich unsere Gesellschaft gegenüber benachteiligen Menschen verhält», sagt die Generaloberin und doppelt nach: «Wer soll denn in solchen Situationen vorangehen, wenn nicht die Kirche?» Ihr Orden habe Räume, die für ein in der Gesellschaft dringendes Anliegen genutzt werden können und es stehe ihnen als Eigentümer frei, über die künftige Nutzung des Hauses zu entscheiden.

Nicht alle sind dagegen

Die Baldegger Schwestern sind seit 1924 in Amden vertreten. 1964 hat die Gemeinschaft die Liegenschaft gekauft, welche sie nun für fünf Jahre vertraglich dem Kanton St. Gallen überlassen hat.

Auf die Frage, ob sie die Reaktion aus dem Dorf selber nach so langer Tätigkeit enttäuscht habe, reagiert Schwester Zita ohne Emotionen. Davon ist Schwester Zita Estermann überzeugt: «Es ist lediglich ein Teil der Bevölkerung von Amden, der die Unterbringungen von Asylsuchenden so kategorisch ablehnt.» (ms)

Weitere Informationen zu den Baldegger Schwestern und dem Kloster Baldegg LU

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