Filmtipp

«Azor»: Wenn ein Genfer Privatbankier nach El Dorado sucht

Die Suche des Privatbankiers Yvan de Wiel nach seinem Firmenpartner wird zu einer Odyssee getrieben von Ehrgeiz und Neid. Die schöne Welt des argentinischen Geldadels zur Zeit der Militärdiktatur implodiert und legt die Sicht frei auf kriminelle Machenschaften. Schaurigschöner Thriller mit Tiefgang.

Eva Meienberg

Yvan de Wiel ist Genfer Privatbankier in dritter Generation. Perfekt gekleidet, gebildet und mit vorzüglichen Manieren vertritt er eine diskrete Gilde. De Wiel reist in Begleitung seiner schönen und gescheiten Frau Inés nach Buenos Aires, um seinen Geschäftspartner René Keys zu suchen. Denn der charismatische Keys ist wie vom Erdboden verschluckt. Und dennoch omnipräsent in den Erzählungen ihrer reichen Kunden, die de Wiel nun aufsucht, um seinen Partner zu finden.

Dem Untergang geweiht

Die Welt des von der Militärdiktatur verängstigten Geldadels sieht wunderschön aus. Seidene Tapeten, uralte Alleen, üppige Gärten und feudale Häuser. De Wiel hört dort den melancholischen Erzählungen seiner Kunden zu, die längst verstanden haben, dass ihre Welt dem Untergang geweiht ist.

Neid und Ehrgeiz

Angetrieben vom Neid auf seinen verschwundenen Partner und dem Ehrgeiz seiner Frau, dringt de Wiel immer tiefer ins Zentrum der Macht vor, vorbei an religiösen Männerzirkeln und patriarchalen Grossgrundbesitzern, bis er in seinem El Dorado angekommen ist. Spätestens jetzt platzt die Illusion der schönen Welt und de Wiel wird schlicht zum Verbrecher.

Illusion

Die perfekt komponierten Bilder, das wohltemperierte Licht und das getragene Tempo des Filmes kreieren die Atmosphäre einer integren Welt mit Tradition und Werten und die leise Hoffnung darauf, so etwas könne wirklich existieren. Gleichzeitig schafft Andreas Fontana mit der Suche nach dem Verschwundenen eine unheimliche Spannung. Sie erinnert uns daran, sich auf keinen Fall der Illusion dieser Welt hinzugeben.

«Azor», Schweiz, Argentinien 2021, Regie: Andreas Fontana, Besetzung: Fabrizio Rongione , Stéphanie Cléau, Elli Medeiros; Verleih: Xenix Film Distribution GmbH, Filmwebsite

Kinostart: 7. Oktober 2021

weitere Filmtipps

weitere Filmtipps

Alle Filmtipps
Yvan de Wiel (Fabrizio Rongione) ist eben mit seiner Frau Inés (Stéphanie Cléau) in Buenos Aires angekommen | © Xenixfilm.ch
7. Oktober 2021 | 05:00
Teilen Sie diesen Artikel!