CVP-Präsident Gerhard Pfister (rechts) spricht am Podium über die Chancen katholischer Publizistik. | © Vera Rüttimann
Schweiz
CVP-Präsident Gerhard Pfister (rechts) spricht am Podium über die Chancen katholischer Publizistik. | © Vera Rüttimann

Aufbruch zu neuen Ufern – Katholischer Presseverein feiert auf dem Zugersee

Zug, 10.9.17 (kath.ch) In Zug hat der Schweizerische Katholische Presseverein (SKPV) am Samstag auf einem Schiff sein 100-jähriges Bestehen im Beisein von Prominenz aus Kirche und Politik gefeiert. Trotz kühlem Gegenwind wurden an diesem Fest auch vielfache Chancen für die katholische Publizistik ausgemacht.

Vera Rüttimann

Der See war stürmisch, und es regnete Bindfäden an diesem Tag. Frohgemut trafen sich dennoch eine grosse Zahl von Sympathisanten des Schweizerischen Katholischen Pressevereins am Bahnhofssteg, um auf einem Schiff der 100-jährigen Gründung zu gedenken und um einen Blick nach vorn zu wagen. Der SKPV war Wegbereiter, um Journalisten, Medienunternehmen und Organisationen zu stärken, die der christlichen Botschaft in den Medien Präsenz verschaffen wollten und bis heute wollen. Vereinspräsident Markus Vögtlin konnte etliche prominente Gäste aus der Politik begrüssen. So waren der Zuger Regierungsrat Martin Pfister und CVP-Präsident Gerhard Pfister zugegen. Krankheitsbedingt abwesend war der Schweizer Medienbischof Alain de Raemy.

Zug als Gründungsort

Der Tagungsort Zug war mit Bedacht gewählt worden. Diese Stadt spielte in der Geschichte dieses Vereins schon immer eine wichtige Rolle. Hier kam im Herbst 1916 an einem Pressetag der Gedanke auf, für die katholische Publizistik der Schweiz einen Verein zu gründen, was dann 1917 auch vollzogen wurde. Vereinspräsident Markus Vögtlin sagte in seinem Grusswort: «Wenn man in unserer Festschrift zum Jubiläum blättert, stösst man zudem immer wieder auf Persönlichkeiten aus Zug, die für die Geschichte des Pressevereins entscheidend waren.» Der spätere Bundesrat Philipp Etter sei nur eine  davon gewesen. Der Zuger Regierungsrat Martin Pfister sah im Tagungsort ein Symbol: «Auf dem Wasser ist man in Bewegung und man steht nicht still. Auch eine Kirche wie die katholische schert sich nur wenig um Grenzen. Sie ist universell angelegt.»

Keine Hoffnung auf den ersten Blick

Braucht es nach 100 Jahren immer noch eine katholische Medienarbeit? Hat die Gesellschaft ein Interesse an christlicher Medienarbeit und christlichen Inhalten? Wo stehen die Chancen der Kirche und des SKVP darin? Um solch brisante Fragen drehte sich das Podium auf dem See, dem sich CVP-Präsident Gerhard Pfister, SKPV-Vorstandsmitglied Beatrix Ledergerber sowie André Kolly, Präsident des Vereins Cath-Info, stellten.

Gerhard Pfister über die Ausgangslage: «Auf den ersten Blick würde man sagen müssen, die Sache sei hoffnungslos. Denn der Begriff katholische Medienarbeit beinhaltet zwei Begriffe, denen beiden heute keine gute Prognose gestellt wird: Katholisch und Medien.» Er sprach von den enormen Veränderungen in der Medienlandschaft, die von Traditionsabbrüchen und der technische Revolution der Digitalisierung erschüttert werde.

Chancen trotz eisigem Gegenwind

Trotz dieser schwierigen Ausgangslage sahen alle Podiumsteilnehmer dennoch Chancen für die katholische Publizistik. In Zeiten, in denen eine Gesinnungspresse im Stil der Weltwoche Erfolge feiere und News in Häppchenform dominierten, würden anderseits, so der Konsens, gut aufbereitete Hintergrundgeschichten an höherem Wert gewinnen. Gerhard Pfister richtete mahnende Worten an die im Saal versammelten Medienleute: «Wie jeder andere Journalismus verlagert sich auch der Ihre weg von der Berichterstattung zum Einordnen, Kommentieren und Werten.» In einer Welt, in der die Zeit immer schneller rast, sahen alle Diskutanten darin die Chance für kirchliche Medien, zu Verankerung und Orientierung beizutragen.

CVP-Präsident Gerhard Pfister spricht am SKPV-Jubiläum | © Vera Rüttimann

Eine weitere Chance wurde im multimedialen Arbeiten ausgemacht. Gerhard Pfister: «Das sind Chancen für den Journalismus, die auch ein katholischer Medienverein nutzen muss.» André Kolly betonte in diesem Kontext, wie wichtig dabei auch neue multimediale Darstellungsformen und das Medium «Video» seien. Begeistert sprach er von hohen Zugriffsraten bei Videos über den Weltjugendtag in Krakau im vorigen Jahr. Kolly betonte jedoch auch, dass die Zeit von Verkündungsmedien vorbei sei. Der Publizist weiss: «Wenn Beiträge authentisch und ohne Ideologie und Doktrin daher kommen, dann interessieren sich die Leute dafür.»

Die «USP» der Kirche

Sollen kirchliche Journalisten und Vertreter der Kirche politisch Position beziehen und sich aktiv ins  politische Tagesgeschäft einmischen? Über diese Frage entbrannte auf dem Podium eine hitzige Debatte. CVP-Präsident Gerhard Pfister stellte klar: «Natürlich soll die Kirche politisch Position beziehen. Sie muss es sogar! Aber wenn sie sich wie eine politische Partei verhält, dann braucht es die Kirche nicht mehr.» Das Spezifische der Kirche und des Glaubens sei die Transzendenz, was auch von Kirchenjournalisten nicht vergessen werden dürfe.

In einer Zeit, in denen sich die Menschen wie in einem Supermarkt sämtlicher Formen der Spiritualität bedienen könnten, so Gerhard Pfister, sei es zudem mehr denn je wichtig für die Kirche, ihre «USP» (Unique Selling Proposition) stärker herausarbeiten. Ein Alleinstellungsmerkmal, ein Angebot, dass nur sie liefern könne. Er  spielte dabei auf das spezifisch Christliche und Katholische an. Der CVP-Präsident an die Journalisten gewandt: «Da sehe ich viel Potential, denn in den heutigen Medien gibt es kaum noch Kompetenz in christlichen Fragen.»

André Kolly mahnte in diesem Kontext: «Wir müssen wieder mehr zu unseren Wurzeln stehen.» Der Zuger Regierungsrat Martin Pfister hatte zuvor in seinem Grusswort gewünscht, dass die Kirche weniger in internen Grabenkämpfen versinken, sondern mit Beiträgen stärker in der Auseinandersetzung um gesellschaftliche Werte präsent sein soll.

Wissensverlust als Chance

In der Diskussion kristallisierte sich die Erkenntnis heraus: Religiöses Bewusstsein wird von Medienschaffenden hierzulande häufig als defizitäres Bewusstsein bewertet. Ein Hauptgrund dafür sahen alle Diskutanten im drastisch schwindenden Basiswissen über Religion und Kirche bei Medienschaffenden. Gerade bei jüngeren Journalisten. Hier sieht Gerhard Pfister denn auch eine weitere Chance für den Verein und die kirchliche Publizistik: «Die grosse Herausforderung wird sein zu zeigen, dass sich ein religiös denkender Mensch komplexen Fragen stellt und in grösseren Dimensionen denkt.»

SKPV-Jubiläum auf dem Schiff | © Vera Rüttimann

Beatrix Ledergerber kündigte an, dass der Verein in Sachen Wissensvermittlung an Journalisten denn auch stärker aktiv werden will. Sie sagte: «Es braucht Weiterbildung in Sachen Kirchenwissen für Journalisten.» Geplant seien Workshops, um Journalisten und auch Freiwillige in Kirchgemeinden darin auszubilden. Beatrix Ledergerber bezeichnete das Verdunsten des Basiswissens über Religion und Kirche nicht nur als negativ: «Die jungen Leute von  heute haben keine Negativbilder von Kirche und Glauben. Das macht es einfacher, ein neues Bild von christlichen Werten und christlicher Kultur aufzubauen.»

Aufbruch zu neuen Ufern

Markus Vögtlin gefielen die anregenden Diskussionsbeiträge auf dem Zugersee. Den Festtag auf dem Wasser schloss er mit den Worten: «Wir haben uns für unsere Feier auf einem Schiff versammelt. An diesem Tag haben wir gesehen, dass wir trotz Regen und Wind flott vorangekommen sind. Ein gutes Bild für unseren Verein. Auch wir wollen flott vorankommen und aufbrechen zu neuen Ufern und Horizonten.»

SKPV-Jubiläum auf dem Schiff | © Vera Rüttimann
SKPV-Jubiläum auf dem Schiff | © Vera Rüttimann
André Kolly am Podium, Präsident des Vereins Cath-Info  | © Vera Rüttimann
André Kolly am Podium, Präsident des Vereins Cath-Info | © Vera Rüttimann
Beatrix Ledergerber, Mitglied im Vorstand des SKPV, am Podium | © Vera Rüttimann
Beatrix Ledergerber, Mitglied im Vorstand des SKPV, am Podium | © Vera Rüttimann
Martin Pfister, Zuger Regierungsrat  | © Vera Rüttimann
Martin Pfister, Zuger Regierungsrat | © Vera Rüttimann
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