Ralph Marthaler ist bei den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn Beauftragter für regionale Entwicklung. | © zVg
Schweiz
Ralph Marthaler ist bei den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn Beauftragter für regionale Entwicklung. | © zVg

Auf der Herzroute velofahren und Kirchen entdecken

Bern, 21.8.15 (kath.ch) «Tankstellen für die Seele» heissen sie ganz einfach, die Velowegkirchen. Die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn haben in einem Projekt entlang der sogenannten Herzroute Kirchen bezeichnet, welche die Velofahrerinnen und Velofahrer einladen, sich nebst einer Erfrischung für den Körper auch für die Seele etwas Gutes zu tun. Am Sonntag, 23. August, werden 15 Kirchen mit dem neuen Label ausgezeichnet.

Martin Spilker

«Ihre Kirche ist wunderschön. Sie gehört zum christlichen und kulturellen Erbe Ihrer Region, wie das Kulturland und die schmucken Höfe. Sie hegen und Sie pflegen sie. Sie sind zurecht stolz auf sie.» So lautete die Ausschreibung an Kirchgemeinden im Kanton Bern, deren Kirchen an der Herzroute, dieser beliebten regionalen Veloroute Nr. 99 von Lausanne bis Rohrschach, liegen. Die Idee der Velowegkirchen stammt aus Deutschland, wo ein eigentliches Netzwerk gegründet wurde, und wo auch deutlich wurde, dass Kirchen, welche regelmässig geöffnet sind und sich beispielweise durch eine einladende Bank davor für Reisende anbieten, auch tatsächlich mehr besucht werden.

Überraschende Begegnungen ermöglichen

In der Schweiz sollte diese Idee in einem Pilotprojekt einmal getestet werden. Die Vision dahinter lautete, dass sich die Mehrheit der gut 20 an der Herzroute liegenden reformierten Kirchen im Kanton Bern die Velofahrer auf die eine oder andere Art willkommen heissen, den Zugang zu ihren Gotteshäusern erleichtern und so «vielleicht eine überraschende Begegnung mit Kirche allgemein» ermöglichen könnten, wie es in der erwähnten Ausschreibung heisst.

Gut ein Jahr nach Projektstart zeigt sich Projektleiter Ralph Marthaler mehr als zufrieden: «Von den 25 angeschriebenen Kirchen – reformierte und katholische – machen 16 mit», sagt er begeistert. Es hätten sich sogar die beiden reformierten Kirchgemeinden an den Kantonsgrenzen – das freiburgische Cordast und Willisau-Hüswil in Luzern – von sich aus gemeldet und wollten mitmachen. So können am Sonntag, 23. August, in einem Gottesdienst in der Kirche Signau BE die ersten 16 Kirchen in der Schweiz das Label «Velowegkirche» in Empfang nehmen. Und diese setzen damit ein zusätzliches Zeichen für Gastfreundlichkeit, ist Marthaler überzeugt.

Gemeinsam geht es besser

An Pfingsten 2016 soll die erste Etappe der Velowegkirchen offiziell eröffnet werden. Dann soll Ausschau gehalten werden nach weiteren passenden Velowegen, an denen Kirchen zum Innehalten einladen. Denn während der erfolgreichen ersten Phase dieses neuen Angebotes hat Projektleiter Marthaler eine wichtige Erfahrung gemacht: «Für das Vorhaben ist es sehr wichtig, dass eine ganze Route mitmacht. Das stärkt einerseits die Wahrnehmung der Kirchen untereinander, andererseits erhält die Idee in der Bevölkerung auch eine viel grössere Resonanz.»

Auch die Verbindlichkeit war den Projektträgern ein grosses Anliegen und dass die Idee nach den ersten Erfahrungen im Kanton Bern denn auch weiter geht. So konnte laut Marthaler der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) gewonnen werden, das Label «Radwegkirche» aus Deutschland in die Schweiz zu überführen. – Ein Label, das zwar durch den SEK vergeben wird, das aber für katholische Kirchen offen ist, wie Marthaler betont. Auch hier orientieren sich die Projektverantwortlichen ganz am deutschen Vorbild, wo das Angebot in ökumenischer Zusammenarbeit betrieben werde.

Katholiken in Luzern nehmen Idee auf

Ein erster ökumenischer Funke ist bereits über die Kantonsgrenze Bern-Luzern gesprungen. Wie Thomas Villiger, Fachverantwortlicher im Fachbereich Pastoral – Pfarreientwicklung und Diakonie der römisch-katholischen Kirche im Kanton Luzern gegenüber kath.ch erklärte, wurde die Idee aus dem Kanton Bern auch an ihn herangetragen. «Das Vorhaben ist bei uns sehr positiv aufgenommen worden», kommentiert Villiger das Projekt der reformierten Nachbarn. Die Herzroute führt ab der Kantonsgrenze Bern-Luzern bei Zell ja schliesslich über Sempach und Eschenbach an die Zuger Kantonsgrenze durch ebenso schöne Landschaft wie vorbei an zahlreichen Gotteshäusern. Die katholischen Kirche im Kanton Luzern jedenfalls setzt das Projekt «Velowegkirchen» auf ihre Tätigkeitsliste. (ms)

Velowegkirchen auf der «Herzroute» (Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn)

Cordast FR gehört zu den neuen Velowegkirchen | © zVg
Cordast FR gehört zu den neuen Velowegkirchen | © zVg
Auf der "Herzroute" beherzt in die Pedale steigen - und bei Kirchen innhalten und Körper und Seele erfrischen. Im Kanton Bern erhalten die ersten Velowegkirchen ein Label.
Auf der "Herzroute" beherzt in die Pedale steigen - und bei Kirchen innhalten und Körper und Seele erfrischen. Im Kanton Bern erhalten die ersten Velowegkirchen ein Label.
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