Regenbogenfahne | © Pixabay
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Regenbogenfahne | © Pixabay

Auf dem Weltjugendtag gibt es eine Anlaufstelle für Homosexuelle

Krakau, 28.7.16 (kath.ch) Als Brendan Fay eines Tages in die Sonntagsmesse ging, lernte er dort seinen heutigen Partner kennen. Der in New York lebende Ire ist zu Gast auf dem Weltjugendtag in Krakau – anzutreffen im «Pilgrim’s Haven» in einem angesagten Viertel der südpolnischen Metropole. Dieser Weltjugendtagsort in einem unscheinbaren Gebäude will dem Namen nach ein Hafen für einige Pilger, zugleich auch eine Zufluchtsstätte für sie sein.

Leticia Witte

Die Brücke zu diesem Hafen ist die christliche polnische Homosexuellenorganisation «Wiara i Tecza», was übersetzt «Glaube und Regenbogen» heisst. Die Warschauer Gruppe hat die Anlaufstelle für LGBT – lesbische, schwule, bi- und transsexuelle – Pilger aus aller Welt für das Glaubensfest auf die Beine gestellt. Sie wollen Pilger unterstützen, mit ihnen ins Gespräch kommen, informieren und über Lebens- und Glaubensfragen diskutieren, sagen Marcela Koscianczuk und Agnieszka Wiciak von der Organisation. Erwartet werden auch Geistliche.

Der Papst als Beispiel

Fay ist aus den USA angereist, unter anderem um im «Pilgrim’s Haven» einen Film zu zeigen. Ja, Papst Franziskus sei für ihn ein «Beispiel» für das Verhältnis Homosexualität und katholische Kirche, sagt Fay. Und er erinnert daran, was der Papst einst über Schwule und Lesben gesagt hat: «Wer bin ich, sie zu richten?» und bei einem USA-Besuch ein schwules Paar umarmt hat.

Die Kirche müsse selbstverständlich offen sein für alle Menschen – auch für Homosexuelle, betont Fay. Die bisherigen Worte und Taten von Franziskus sieht er als Zeichen der Hoffnung.

Grosse Spannweite

Dass der Papst auf dem Weltjugendtag das Thema Homosexualität im Gepäck hat, denkt Michael Brinkschröder nicht. Der Deutsche ist Mitglied des European Forum of LGBT Christian Groups und sagt, dass es auch noch Themen wie die Flüchtlingsfrage und den Terrorismus gebe. «Ich glaube, dass Franziskus andere Sachen in den Vordergrund stellt.»

In Polen, Gastgeberland des Weltjugendtags, sei «die Stimmung im allgemeinen schon homophob». Homosexualität stehe wiederum in anderen Ländern – etwa in Afrika – unter Strafe. «Da gibt es eine Riesenspannweite in der katholischen Kirche.» Innerhalb der Weltkirche, die ja derzeit in Krakau versammelt ist, müsse es eine «grössere innere Debatte» über das Thema geben.

«Die Sprache der Kirche ändert sich»

Dass es in Polen offenbar nicht so einfach ist, erklären auch Wiciak und Koscianczuk von der Organisation «Wiara i Tecza». Sie hätten im Vorfeld, als bekanntgeworden sei, dass sie die Pilgeranlaufstelle einrichten würden, auch Hasskommentare und Drohungen erhalten. Daher unterstütze und schütze sie auch die Polizei, sagen sie.

Immer wieder kämen Teilnehmer des Weltjugendtages vorbei, um das Gespräch zu suchen, an Diskussionsveranstaltungen – auch mit Geistlichen – teilzunehmen oder Filme zu sehen. In der täglichen Arbeit, abseits vom Weltjugendtag, sei die Organisation auch mit einigen polnischen Bischöfen im Gespräch, betont Koscianczuk. Es gebe Anfeindungen nationalistischer Gruppen – «aber die Sprache der Kirche ändert sich». Damit meine sie etwa verbale Aggressionen.

Der New Yorker Fay wirkt glücklich über die Gespräche und Veranstaltungen im «Pilgerhafen». Wer mit ihm redet, erhält das Versprechen, in seine Gebete einbezogen zu werden. (kna)

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