Schweiz

Missbrauchsopfer werfen Papst Vertuschung vor

Drei hörgeschädigte Personen, die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche in Argentinien wurden, beschuldigten den Vatikan vor der Uno in Genf der Verletzung des Völkerrechts. Papst Franziskus wird von einer internationalen Opfer-Vereinigung Vertuschung vorgeworfen.

«Der Vatikan muss den Tatsachen ins Auge sehen», sagte eines der Opfer gemäss einer Mitteilung der Agentur keystone-sda am Mittwoch in Genf. «Unsere Rechte müssen anerkannt werden», forderte ein weiteres Opfer. Papst Franziskus wisse seit Jahren von den Vorkommnissen und habe die Verantwortlichen geschützt, sagte der Sprecher der Organisation «Ending Clergy Abuse» (ECA), Peter Isely.

Dem Papst wird vorgeworfen, er habe sich jahrzehntelang geweigert, mit der Justiz zusammenzuarbeiten. Konkret gehe es um über ein Dutzend Geistliche, die in Einrichtungen für Hörgeschädigte in Italien und Argentinien tätig sind. ECA spricht in einer Pressemitteilung von gegen 300 Opfern in drei Schulen.

Erste Verurteilungen

Nach Enthüllungen im Jahr 2016 fand in Argentinien ein Prozess statt. Zwei Priester wurden zu bis zu 45 Jahren Gefängnis verurteilt, zwei Verfahren sind noch hängig. Die Opfer-Delegation, die nach Genf gekommen ist, verlangt eine Wiedergutmachung.

Die Anwälte werfen dem Vatikan vor, mindestens zwei internationale Konventionen zu verletzen. Trotz Anfragen im Jahr 2017 wurde dem Staatsanwalt der Zugang zu möglichen Beweisen verweigert. Mehr als 200 Opfer wissen nach Angaben der Anwälte nicht, wer sie missbraucht hat.

Sowohl die Weltorganisation gegen Folter (OMCT) als auch der Vizepräsident des Westschweizer Opferhilfegruppe Sapec, Jean-Marie Fürbringer, sprachen in Genf von einer systematischen «Folter» gegenüber den Opfern.

Verschiedene Uno-Stellen informiert

«Es ist ein globales Problem», sagte OMCT-Generalsekretär Gerald Staberock in Genf. Er fordert eine internationale Antwort an die Adresse der Uno. Die Opfer-Delegation sprach in Genf unter anderem mit dem Uno-Sonderberichterstatter über Folter, dem Zürcher Juristen Nils Melzer. Gespräche wurden auch mit den Komitee gegen die Folter der Uno geführt.

Am Donnerstag treten die Argentinier, begleitet von ihren Anwälten, in Rom vor die Presse. Sie fordern einen besseren Zugang zu den Daten des Vatikan. (sda/gs)

Scham | © pixabay.com CCO
20. Februar 2020 | 11:44
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