Arena: v.l. Giuseppe Gracia, Verena Herzog, Jonas Projer, Jacqueline Fehr, Sänger Leonard | © 28.2.2015 Printscreen SRF
Schweiz
Arena: v.l. Giuseppe Gracia, Verena Herzog, Jonas Projer, Jacqueline Fehr, Sänger Leonard | © 28.2.2015 Printscreen SRF

Arena zu Homo-Ehe: Schlagabtausch statt Diskussion

Fernsehkritik zur «Arena» im Schweizer Fernsehen vom 28. Februar

Sylvia Stam

Verbotene Lesben-Segnung in Bürglen, ein Ja zur Homo-Ehe in der Rechtskommission des Nationalrats – das Thema Homosexualität macht derzeit in den Medien kontroverse Schlagzeilen. Kein Wunder also, dass sich die Sendung «Arena» von Schweizer Fernsehen SRF des strittigen Themas annahm. «Homo-Ehe, Homo-Adoption – brauchen wir das wirklich?», lautete die zentrale Fragestellung. Ein heftiger Schlagabtausch war denn auch das Resultat, eine vertiefte Auseinandersetzung blieb jedoch auf der Strecke.

Im inneren Kreis sprachen Verena Herzog, Nationalrätin SVP/TG, und Giuseppe Gracia, Mediensprecher des Bistums Chur, die sich beide gegen ein Ehe- und Adoptionsrecht für Homosexuelle aussprachen. Ihnen gegenüber Jacqueline Fehr, Nationalrätin SP/ZH, sowie der Sänger Leonard als Vertreter der Homosexuellen, die sich für eine weitestgehende Gleichstellung von homosexuellen mit heterosexuellen Paaren stark machten.

Gleichstellung von Adoptionsrecht zu trennen?

Sehr rasch kamen die Redner auf die Frage nach dem Recht auf Adoption in einer Homo-Ehe zu sprechen. Moderator Jonas Projer war entsprechend bemüht, die Redenden erst einmal auf die ersten beiden Punkte zu behaften, die er in der Sendung besprochen haben wollte: Die Ehe für Homosexuelle und der Standpunkt der Religionen zu dieser Frage. Rückblickend stellt sich die Frage, weshalb das Thema «Kinder» so lange zurückgestellt wurde. Denn die juristische Gleichbehandlung von homosexuellen mit heterosexuellen Paaren, wie sie etwa von Leonard immer wieder eingefordert wurde, ist tatsächlich schwer zu trennen vom Recht auf Adoption. Zu Recht sprach Giuseppe Gracia denn auch von «Heuchelei», wenn man Homosexuellen nur das Recht auf Heirat zugestehen würde, nicht aber jenes, Kinder zu adoptieren.

Die drei thematischen Schwerpunkte der Sendung machten es leider nicht möglich, auch nur einen davon einigermassen vertieft zu behandeln. So prallte die Frage Jacqueline Fehrs, wo das Problem sei, wenn mehr Menschen heiraten wollten, auf die Angst der Gegenseite, dass es nicht beim Wunsch nach Heirat bleiben werde, sondern dass darauf der Wunsch nach Adoption oder nach künstlicher Fortpflanzung folgen werde. «Dagegen wehre ich mich», so Verena Herzog in der Sendung. Weshalb sie sich dagegen wehrt und worin diese Angst vor der «Salamitaktik» begründet ist, dafür war in der Sendung kein Raum.

Religionsfreiheit in der Enge

Ähnlich erging es der zweiten Frage, nämlich der, ob die katholische Kirche ihre Haltung zu Homosexualität ändern müsste. Ohne auf die Frage zu antworten, wehrte sich Giuseppe Gracia gegen den Vorwurf, die katholische Kirche verhalte sich diskriminierend, wenn sie Homosexualität moralisch nicht absegne. «Der Staat entscheidet jetzt, welche Haltung die Kirche haben soll, sonst gehört sie weg», ereiferte sich der Churer Bischofssprecher. Damit werde die Religionsfreiheit in die Enge getrieben. Auch hier hätte man gerne gewusst, warum sich die katholische Kirche so schwer tut mit der Forderung einer Gleichbehandlung von homo- und heterosexuellen Paaren, weshalb die Ehe zwischen Mann und Frau geschützt werden soll und wovor.

Die Zeit war schon weit fortgeschritten, als das Thema der Adoption endlich Raum bekam. Einig waren sich alle Teilnehmenden, dass das Kindeswohl im Zentrum zu stehen habe. Doch die Diskussion darüber, ob es für das Wohlbefinden eines Kindes die Polarität von Mann und Frau brauche oder die Zuneigung und Wertschätzung der Eltern, unabhängig von deren Geschlecht, erschöpfte sich leider in der drängenden Frage von Verena Herzog, wie viele Probanden an einer von Jaqueline Fehr zitierten Studie teilgenommen hätten.

Zuhören erwünscht

Die Vertreter markierten damit in der Sendung ihre jeweiligen Positionen, ohne wirklich miteinander ins Gespräch zu kommen. Deutlich wurde dies auch daran, dass einige Redner ihr Gegenüber kaum ausreden liessen. Zuhören, einander ernst nehmen, aufeinander eingehen, dies blieben in der Sendung Fremdworte. Was für gegenseitiges Verstehen unabdingbar ist, darf allerdings von einer Sendung, die sich «Arena» nennt, wohl auch nicht wirklich erwartet werden. Es bleibt zu hoffen, dass diese wichtige Diskussion an anderer Stelle vertiefter geführt wird. (sys)

Arena: Hitzige Diskussion um Homo-Ehen

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