Altpatriarch Sabbah: Israel lässt jüdische Extremisten gewähren

Würzburg, 18.7.15 (kath.ch) Der Lateinische Altpatriarch von Jerusalem, Michael Sabbah, hat den israelischen Behörden vorgeworfen, zu wenig gegen jüdische Extremisten zu unternehmen. Seit 2009 habe es von dieser Seite 43 Anschläge auf Christen gegeben, sagte Sabbah der Würzburger Zeitung «Tagespost» von Samstag, 16. Juli. Die israelische Regierung bedauere und verurteile dies regelmässig, aber nie sei ein Schuldiger verurteilt worden.

Sabbah verwies auf den jüngsten Brandanschlag auf das Benediktinerkloster Tabgha am See Genezareth. Dabei sei nicht nur materieller Schaden angerichtet worden. Das Feuer sei auch im Konvent gelegt worden. «Das heisst, man wollte Menschen verletzen.» Die rund 130.000 palästinensischen Christen in Israel fühlten sich von der Polizei im Stich gelassen und fragten sich, wie weit die Attentäter das nächste Mal gingen.

Der Geistliche mutmasste, diese Verbrechen würden deshalb nicht aufgeklärt, weil die Täter «Teil des national-religiösen Lagers» seien, «das an der Regierung beteiligt ist». Vielleicht habe die Regierung auch Angst, in eine Art Bürgerkrieg zu geraten, und lasse sie deshalb unangetastet. Aber diese Haltung sei falsch, weil die Extremisten ja auch die israelische Armee angriffen. Abgesehen von der Untätigkeit der Regierung gebe es aber auch Juden, die sich «des Übels bewusst sind, das es in ihrer Mitte gibt».

Der Altpatriarch sagte ferner in dem Interview, dass es auch unter jungen muslimischen Palästinensern eine wachsende radikale Strömung gebe. Die Autonomiebehörde nehme sich aber der Sache an. Insgesamt sei «die Mehrheit der Moslems freundlich». Sowohl Christen wie Muslime müssten dem Extremismus Widerstand leisten, und zwar gemeinsam. Dieser Weg sei «zumindest hier bei uns möglich». (

18. Juli 2015 | 10:29
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