Traditionelle Morgartenfeier am 15. November mit Wortgottesdienst und Militärmusik| © zVg
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Traditionelle Morgartenfeier am 15. November mit Wortgottesdienst und Militärmusik| © zVg

700 Jahre Schlacht am Morgarten: Auch die Kirchen sind am Fest dabei!

Sattel SZ, 25.1.2015 (kath.ch) Am offiziellen Festakt zu «700 Jahre Schlacht am Morgarten» ist auch eine kirchliche Besinnung geplant. «Das hat Tradition», erklärt Hans-Peter Schuler, Gemeindeleiter der römisch-katholischen Pfarrei Sattel. Der von Politik und Militär dominierte Festakt findet am Sonntag, 21. Juni, beim Morgartendenkmal statt.

Regula Pfeifer

Noch bevor Bundesrat Ueli Maurer seine Festrede hält am kommenden 21. Juni, haben Gemeindeleiter Schuler und der reformierter Pfarrer Jürg Rother fünf bis zehn Minuten Zeit für kirchliche Gedanken. Die Besinnung geschieht nach einem Willkommenskaffee, einer Flugshow der Luftwaffe, der Begrüssung durch das Organisationskomitee und Grussbotschaften der Kantone Schwyz und Zug. Mit Militärmusik, Apero, Mittagessen und Festumzug geht der Festtag anschliessend weiter.

Das Schlachtgedenken ist laut Hans-Peter Schuler seit mindestens 50 Jahren eine gemeinsame Angelegenheit von Kirche und Staat. Normalerweise findet es jährlich am 15. November bei der Morgartenkapelle statt. Nur jetzt, zum 700-Jahr-Jubiliäum, wird es ausgeweitet zu einem dreitägigen Volksfest vom 19. bis 21. Juni und am 15. November dennoch wie üblich gefeiert.

Kein Glorifizieren der Schlacht

Früher war der Gedenkanlass mit einer Euchariestiefeier verbunden, heute ist es ein Wortgottesdienst. «Dieser soll keine Schlacht glorifizieren», erklärt Schuler. Vielmehr gedenke man so der Menschen, die in der Kampf umgekommen seien. Schuler verliest meist den Schlachtbrief, ein überliefertes Dokument, in dem auch die Namen der Getöteten erwähnt sind. Dann folgen eine Fürbitte und Gedanken des reformierten Pfarrers.

In seine Predigt lässt Schuler jeweils Andeutungen an aktuelle Vorkommnisse und persönliche Gedanken einfliessen, etwa die Situation in Palästina oder der Umgang der Menschen miteinander. «Die Frage nach der historischen Wahrheit diskutieren andere», fügt er an. «Mir liegt daran, ein Zeichen zu setzen, die Leute aufzufordern, darüber nachzudenken, was gerade abläuft.» Schuler würde nie dafür plädieren, die Gedenkfeier aus ideologischen Gründen abzusagen. «Er ist wichtig für die Leute», sagt er.

«Zu einem eidgenössischen Erinnerungsanlass gehört ein christlich-kirchlicher Teil dazu, denn das Christentum ist unsere Grundlage», antwortet Pirmin Moser auf die Frage, weshalb die Kirchen in die 700-Jahr-Feier involviert sind. Darüber seien sich im Organisationskomitee alle einig. Moser ist Gemeindeschreiber von Sattel und Mitglied des Steuerungsausschusses der Kantone Schwyz und Zug, welches das Projekt «Morgarten – 700 Jahre Abenteuer Geschichte» leitet. Für gestern Samstag (24.1.15) hat der Ausschuss eine Historikertagung in Schwyz organisiert.

Am Anfang war eine kirchliche Jahrzeit

Das Gedenken an die Schlacht am Morgarten war ursprünglich eine kirchliche Jahrzeit, die laut mündlicher Überlieferung ein Jahr nach der Schlacht erstmals gefeiert wurde. Schriftliche Beweise dafür gibt es aber nicht, wie das Staatsarchiv Zug in seinem historischen Beitrag auf der Homepage morgarten2015.ch der Jubiläumsorganisation schreibt. Man habe dem Herrgott für den Sieg gedankt und der in der Schlacht Verstorbenen gedacht, so Moser. Erst später sei das Gedenken um einen politischen Teil erweitert worden.

 

 

 

 

 

Morgarten und der Schweizer Mythos

Am 15. November 1315 zog Herzog Leopold von Habsburg mit seinem teilweise berittenen Gefolge von Zug her kommend durch das Ägerital gegen Sattel. Beim südlichen Ende des Ägerisees – am Morgarten – wurden sie von zahlenmässig unterlegenen Schwyzern überfallen und in die Flucht geschlagen. Was später als erste «Freiheitsschlacht» der Waldstätte gegen die fremden Vögte dargestellt wurde, dürfte in der Zeit selber eine Auseinandersetzung um das Erbe der Grafen von Rapperswil, der ehemaligen Vögte des Klosters, gewesen sein. Dies schreibt das Staatsarchiv des Kantons Zug in seinem Beitrag auf der Jubiläumsseite www.morgarten2015.ch.

Die ursprünglich regionalhistorische Angelegenheit entwickelte sich ab 1891 zu einem gesamtschweizerischen Bild der heldenhaften Ur-Schweizer, die sich gegen Unterdrücker in Form der bösen Herren auflehnten. Sie wurde zum Symbol für Wehrwille und Tapferkeit, Freiheitsliebe, Unabhängigkeit und Widerstand gegen fremdes Diktat. Auch wenn diese heroischen Vorstellungen die Bedeutung der Schlacht überhöhen: Die Schlacht am Morgarten wurde laut dem Zuger Staatsarchiv zu einem Teil des schweizerischen Selbstverständnisses und erfüllte insofern eine wichtige politische Funktion. (rp)

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