Schweiz

«Paradise Papers» – Glencore schon lange im Fokus der Hilfswerke

Luzern, 6.11.17 (kath.ch) Die als «Paradise Papers» bekannt gewordenen Dokumente nennen die Namen von 120 Staats- und Regierungschefs und Politikern aus 47 Ländern, welche dubiose Geschäfte durchgeführt haben sollen. Aufgelistet sind auch Unternehmen wie der in Baar im Kanton Zug angesiedelte Rohstoffkonzern Glencore. Diesem komme eine «Sonderrolle» zu, schreibt die «Neue Zürcher Zeitung» am Montag, weil den Konzern allein über 30’000 Dokumente betreffen sollen. Der Co-Bereichsleiter Internationale Zusammenarbeit beim Fastenopfer, Daniel Hostettler, nimmt in einem Gastkommentar für kath.ch Stellung zu dieser «Sonderrolle».

Nach den Panama-Papers nun die Paradise-Papers: Erneut werden durch ein Datenleck die Machenschaften einer Offshore-Kanzlei publik. Millionen von veröffentlichten Dokumenten werfen ein grelles Licht in die opaken Finanznetzwerke, mit denen die Rohstoffe afrikanischer Länder geplündert werden.

Eine wichtige Rolle spielt dabei einmal mehr Glencore, der Rohstoffriese aus dem gemütlichen Baar. Allein 30’000 Dokumente betreffen das Unternehmen, es geht dabei vor allem um den Erwerb von Minenlizenzen in der Demokratischen Republik Kongo. Fastenopfer und Brot für alle  zeigten bereits zwischen 2012 und 2014 in drei Studien auf, wie Glencore im Kongo auf undurchsichtige Art mittels Offshore-Firmen sogenannte «Steueroptimierung» betrieb.

Wir forderten damals grössere Transparenz und gute Unternehmensführung nach internationalen Standards. Die Paradise-Papers bestätigen nun die Befunde unserer Studien. Während in rohstoffreichen afrikanischen Ländern die Bevölkerung mehrheitlich in miserablen Bedingungen lebt, werden Millionen in die Taschen von Rohstoffunternehmern, Ministern, Beamten und Beratern gewirtschaftet.

Das System, von den Verantwortlichen als «marktübliches Geschäften» beschrieben, bringt immensen Reichtum für ein paar Wenige, während Ländern wie dem Kongo die Mittel für die simpelsten Leistungen wie Wasser-, oder Stromversorgung, aber auch Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen fehlen. Der nötigen Entwicklung des Landes werden so die Grundlagen entzogen. Resultat davon ist eine kontinuierliche Verletzung fundamentaler Rechte der betroffenen Menschen.

Die Paradise-Papers zeigen in aller Deutlichkeit auf, wie weit es bei den involvierten Unternehmen mit der Übernahme von Verantwortung her ist. Während sie, unterstützt von der Schweizer Regierung, propagieren, dass die Unternehmensverantwortung am besten der Freiwilligkeit der Firmen überlassen werden soll, bluten sie rohstoffreiche Länder schamlos aus.

Ein weiteres Mal wird durch die Machenschaften der Firmen auch der Ruf der Schweiz beschädigt. Wie viel braucht es noch, bis auch die Regierenden sich für anständiges Geschäften weltweit einsetzen, und verpflichtende Regulierungen voranbringen, so wie es die Schweizer Konzernverantwortungsinitiative vorsieht?

 

 

Daniel Hostettler | © Fastenopfer / Jean-Pierre Grueter
6. November 2017 | 14:16
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