Kirche in Not, 29.08.2013, 14:09 closed

Priester aus Syrien informiert in der Schweiz

Pater Georges Aboud aus Damaskus besucht Pfarreien in der Schweiz zwischen dem 30. August und 9. September 2013. Er feiert heilige Messen und berichtet in Vorträgen über die aktuelle Situation in Syrien. Seit Anfang 2011 wurden mehr als 1000 Christen getötet und christliche Bewohner aus Dörfern vertrieben. Pater Georges wirkt in der syrischen Hauptstadt als Vikar in der Pfarrei St. Cyrill und ist Oberrichter des Patriarchates in Damaskus. Er spricht gut Deutsch.

Pater Georges Aboud gehört dem Basilianer-Salvatorianer-Orden an und betreut in der grössten Pfarrei der syrischen Hauptstadt rund 15 000 Gläubige. Seit dem Ausbruch des Konflikts hat KIRCHE IN NOT über CHF 1.4 Millionen für Flüchtlinge in Syrien und den Nachbarstaaten aufgewendet. Aufgrund des Bürgerkriegs in Syrien stellte das Hilfswerk im März 2012 die langfristig ausgerichtete Hilfe auf Nothilfe um. Das Geld wird für Nahrung, Energie und medizinische Versorgung verwendet und über die Diözesen und Pfarreien im Land verteilt. Weitere Hilfen sind geplant.

Grosse Sorge um Christen in Syrien

In einer gemeinsamen Stellungnahme haben die Bischöfe in Aleppo davor gewarnt, dass den Christen ein ähnliches Schicksal drohen könnte wie den Christen im Irak. Mit dem Sturz Saddam Husseins setzte dort die grösste Christenvertreibung der Gegenwart ein. Zwei Drittel der Christen der ursprünglich 1.2 Millionen Christen verliessen den Irak. Die Zurückgebliebenen leben in permanenter Angst.
Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges betrug der Anteil der Christen in Syrien 15%. Da die Christen unter dem Regime von Baschar al-Assad ihre Religion frei ausüben konnten, hielten sie sich mit der Kritik an der Regierung zurück und kämpfen nicht auf der Seiten der Befreiungsarmee. Sowohl die Aufständischen wie auch das Regime um al-Assad wollen die Christen aber auf ihre Seite bringen, was sie in eine verzwickte Lage bringt. Die syrischen Christen möchten die Religionsfreiheit und Demokratie, aber keine Kalaschnikows und Pistolen. Momentan ist es aber kaum möglich, sich aus dem Bürgerkrieg herauszuhalten. Am 22. April sind zwei orthodoxe Bischöfe gekidnappt worden. Entführt wurden der syrisch-orthodoxe Metropolit von Aleppo, Mar Gregorios Yohanna Ibrahim, und der griechisch-orthodoxe Patriarch von Aleppo-Antiochien, Johannes X. Yazigi.

Syrien: Patriarch in grosser Sorge

In einer Verlautbarung erklärte der melkitisch griechisch-katholische Patriarch Gregor III. Laham, «das Leiden des Landes [sei] grenzenlos» und der Konflikt habe «Tausende und Abertausende… niedergemäht» – Zivilisten und Angehörige des Militärs gleichermassen. Nach Einschätzung des Patriarchen, dessen Amtssitz sich in Damaskus befindet, sind seit Ausbrechen des Konflikts vor zwei Jahren bis zu 450 000 syrische Christen – möglicherweise 30 % der Gesamtheit – Binnenflüchtlinge oder ins Ausland geflohen. Der Patriarch berichtet, dass seit Anfang 2011 mehr als 1 000 Christen getötet, «ganze Dörfer von ihren christlichen Bewohnern gesäubert» und über 40 Kirchen und andere christlichen Zentren (Schulen, Waisenhäuser und Pflegeeinrichtungen) beschädigt oder vollkommen zerstört worden seien. Wie er betont, sind Gründe für die Probleme des Landes Chaos, Unsicherheit sowie ein Zustrom «fundamentalistischer Islamisten».

Stichwort: griechisch-katholische Melkiten

Die melkitische griechisch-katholische Kirche hat sich im 18. Jahrhundert von der Griechisch-Orthodoxen Kirche in Antiochien gelöst und unter Papst Benedikt XIII. (1724-1730) die Einheit mit Rom erlangt. Seit 1848 ist der Sitz des Patriarchen in Damaskus (damals im Osmanischen Reich gelegen). Die melkitischen Katholiken pflegen gute Kontakte mit den orthodoxen Patriarchaten im Nahen Osten und engagieren sich für die Versöhnung zwischen Katholischer und Orthodoxer Kirche.

Die Gottesdienste der Melkiten werden in arabischer Sprache im byzantinischen Ritus gefeiert. Die Kirche hat rund 1.3 Millionen Mitglieder, vorwiegend in Syrien (250 000 Gläubige), Libanon und Israel sowie in den USA. In Deutschland ist sie kaum vertreten. Dagegen gibt es in Frankreich rund 30 000 griechisch-melkitische Katholiken, was auch daher rühren mag, dass Syrien und der Libanon nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches im 20. Jahrhundert zeitweise unter französischer Verwaltung standen.
Pater Georges Aboud freut sich, wenn Sie ihn in der Schweiz treffen. Mit Ihrem Erscheinen bringen Sie ihm Ihre Solidarität mit den notleidenden Christen in Syrien zum Ausdruck.

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