Neu: Ein funktional eingerichtetes Pflegezimmer im Kloster St. Johann

Medienmitteilung

Am Dienstag, 4. August 2020 fand die offizielle Übergabe des neu eingerichteten Pflegezimmers an die Klostergemeinschaft von Müstair statt. Ausschlaggebend für das Einrichten des Pflegezimmers war das Bedürfnis und der Wunsch der Nonnen, so lange als möglich im Kloster gepflegt werden zu können.

«Hier möchte ich am liebsten Probeschlafen!» Priorin Aloisia Steiner

Es ist allgemein bekannt, dass das Durchschnittsalter der meisten Klostergemeinschaften stetig steigt. So haben sich auch die Schwestern des Klosters St. Johann in Müstair bereits vor einiger Zeit mit der Tatsache der kontinuierlichen Alterung und des zunehmenden Pflege- und Betreuungsbedarfs befasst. In seiner Regel widmet der hl. Benedikt ein ganzes Kapitel der Sorge für die kranken Mitschwestern, denen ein besonderer Status der Aufmerksamkeit und Pflege zusteht. Was geschieht aber wenn die Klostergemeinschaft intern die notwendige Betreuung nicht mehr selbst gewährleisten kann? Zwei Klöster haben aus diesem Grunde entschieden in das eigens dafür eingerichtete benediktinische Zentrum Sarnen umzuziehen. Dort leben seit März letzten Jahres 25 Schwestern der Klöster Melchtal und Wikon zusammen mit den Schwestern des Klosters Sarnen. Die Klostergemeinschaft von Müstair hat hingegen den Entschluss gefasst, in den eigenen historischen Wänden würdig zu altern. Darin liegt das Bedürfnis für ein Pflegezimmer begründet, welches rollstuhlgerecht und auch von externem Pflegepersonal gut erreichbar ist.

Die Stiftung Pro Kloster St. Johann hat diesen Wunsch aufgenommen, zusammen mit dem Konvent den geeigneten Platz für das Pflegezimmer gefunden und die Planung in enger Zusammenarbeit mit der Spitex Val Müstair durchgeführt. Zwei Zimmer im Quertrakt des Klosters wurden zu einem rollstuhlgängigen Zimmer mit Toilette und Dusche umgebaut. Das Pflegezimmer befindet sich am Rande der Klausur und ist für externe Pflegerinnen und Pfleger einfach und ohne Störungen des Klausurbereiches erreichbar.

Die Planung erfolgte durch den Churer Architekten Dieter Jüngling, die Ausführung  ging durch das gute Zusammenspiel zwischen den Klosterhandwerkern Uoli Grond und Thomas Schwarz sowie den lokalen Handwerksbetrieben sehr gut und rasch vonstatten. Damit verblieb die Wertschöpfung im Tal.

So konnte am Dienstag, 4. August 2020 das Pflegezimmer offiziell den Schwestern von Müstair übergeben werden. Spiritual Gregor Niggli weihte es feierlich ein. Stiftungspräsident Walter Anderau betonte, dass es ein grosses Anliegen war, dieses Projekt so rasch als möglich zu realisieren. Er unterstreichte in seiner Anrede die Wichtigkeit der Unterstützung des Konvents, denn ein gelebtes UNESCO Welterbe beinhalte viel mehr als historische Mauern und herausragende Kunstschätze. Die «Lebendigkeit» des Kulturerbes gilt es ebenso zu bewahren und zu fördern. Er dankte zudem all jenen, die finanziell zur Realisierung des Pflegzimmers beigetragen haben. Priorin Aloisia Steiner bedankte sich herzlichst bei dem Stiftungspräsidenten und der Stiftung für das Geschenk. Sie sei glücklich über das Pflegezimmer, das den Schwestern nun ermöglicht bei Bedarf zuhause in der Gemeinschaft professionell auch über die Spitex Val Müstair betreut zu werden.

Sr. Domenica Dethomas, die ehemalige Priorin und Dichterin des Hauses, überraschte die Anwesenden mit einem selbst geschriebenen Gedicht zum Anlass: «Es [das Zimmer] strahlt so etwas Heiteres aus – da flieht die Krankheit aus dem Haus!» Priorin Aloisia meinte daraufhin, das Zimmer sei so gemütlich, hell und schön, dass sie darin am liebsten einmal Probeschlafen möchte.

Freilich, der Wunsch, dass das Zimmer nicht sofort für einen akuten Pflegefall gebraucht wird ist da. Aber die Aussicht, bei Bedarf in den eigenen vier Wänden betreut zu werden ist für so manche Schwester beruhigend. Nicht zuletzt kann das Pflegezimmer auch in dieser unsicheren Zeit bei Bedarf als Quarantänezimmer genutzt werden.

Segnung Pflegezimmer Kloster Müstair: Sr. Domenica trug zur Feier ein Gedicht mit viel Humor vor | © Kloster Müstair zVg
Kloster Müstair
4. August 2020 | 16:26