Kirchliche Anerkennung von Homosexualität als Variante menschlicher Sexualität und Beziehungsfähigkeit ist überfällig

Medienmitteilung der Herbert Haag Stiftung für Freiheit in der Kirche

Die Preisverleihung 2021 der Herbert Haag Stiftung für Freiheit in der Kirche stellt Homosexualität als Herausforderung für die Kirchen ins Zentrum. Obwohl in Staaten wie Deutschland, Österreich und der Schweiz die «Ehe für alle» eingeführt wurde und die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gesetzlich verboten ist, hat sich im Vatikan bis anhin in Sachen Homosexualität wenig getan. Das stösst zunehmend auf Unverständnis, auch bei vielen Gläubigen.

Stephan Goertz, Professor für Moraltheologie an der Universität Mainz, vertritt bei der diesjährigen Preisverleihung den Standpunkt, dass eine kirchliche Anerkennung von Homosexualität als naturgegebene Variante menschlicher Sexualität und Beziehungsfähigkeit seit langem überfällig sei. Goertz: «Weil personale Liebe den sittlichen Rahmen gelebter Sexualität bildet, gelten für Menschen ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung und Identität die gleichen moralischen Standards … Das Recht auf verantwortlich ausgeübte sexuelle Selbstbestimmung gilt für Homosexuelle und für Heterosexuelle gleichermassen.» Das hat auch die katholische Kirche vorbehaltlos anzuerkennen.

Vor diesem Hintergrund bezieht die Herbert Haag Stiftung bewusst Position und zeichnet mit ihrem Preis Menschen aus, die von religiös motivierter Diskriminierung betroffen oder gar von einem intoleranten Dogmatismus marginalisiert worden sind.

Die Preisvergabe (Video) ist ab Sonntag, 7. März 2021, 17.00 Uhr, online verfügbar, auf der Website: www.herberthaag-stiftung.ch, unter dem Motto «Gottes Liebe ist bunt».

Den Herbert Haag Preis 2020/21 erhalten folgende Personen:

  • Dr. Hedwig Porsch ist Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Heiligkreuz im oberfränkischen Coburg. Weil Sie mit ihrer Ehefrau Sylvia Gebhart zusammenlebt, hat die katholische Theologin ihre Arbeitsstelle in der katholischen Kirche verloren.
  • Pierre Stutz ist ein bekannter spiritueller Begleiter, der im ganzen deutschen Sprachraum Kurse und Meditationswochen gestaltet. In seinen vielen erfolgreichen Büchern plädiert er für eine lebensbejahende Religiosität und eine erotische Spiritualität. Er war bis 2002 Priester der Diözese Basel und lebt heute mit seinem Ehepartner Harald Weß in Osnabrück.
  • Dr. Ondrej Prostredník ist Missionsmitarbeiter der Evangelischen Kirchengemeinde Bratislava Altstadt. Weil er die Kirchen der Slowakei wegen ihrer religiösen Intoleranz gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT) kritisierte, entzog ihm die lutherische Kirchenführung die Erlaubnis, weiterhin am Lehrstuhl für Neues Testament an der Evangelisch-theologischen Fakultät in Bratislava zu lehren. Ondrej Prostredník ist verheiratet, Vater von drei Kindern und lebt mit seiner Frau Edita in Pezinok.
  • Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) setzt sich seit 1977 unermüdlich mit dem Konfliktfeld Homosexualität in Kirche und Religion auseinander. Sie engagiert sich für die Akzeptanz vielfältiger Lebens- und Familienformen, und sie bezieht in öffentlichen Aktionen und Stellungnahmen sowie in wissenschaftlichen Arbeiten immer wieder gründlich und klar Stellung.

Die Leibfeindlichkeit der Kirchen hat den Menschen seit Jahrhunderten unendlich viel seelisches Leid zufügt. Dies kann kein Preis aufwiegen. Die Preisverleihung will jedoch Hoffnung stiften und Gläubige aller Konfessionen ermutigen, sich ohne Abstriche für Kirchen einzusetzen, welche die schöpferische Liebe Gottes auch dort nicht eingrenzen, wo es um Sexualität geht.

Das Video der Preisverleihung ist ab Sonntag, 7. März 2021, 17.00 Uhr über die Website der Stiftung www.herberthaag-stiftung.ch abrufbar.

Erwin Koller / Odilo Noti

Pierre Stutz erhielt den Herbert Haag-Preis 2021 | © Vera Rüttimann
Herbert Haag-Stiftung
26. Februar 2021 | 12:53