Bernd Nilles fastet für das Klima 2022

Hungerkünste

Eine Ausstellung über das Fasten: 10. April – 14. August 2022

Die Ausstellung

Fasten ist ein hochaktuelles Thema: Nicht nur, weil wir uns momentan mitten in der christlichen Fastenzeit befinden und am Samstag, 3. April 2022 der Ramadan anfängt. Auch weil sich die Tradition des bewussten Verzichts im Wandel befindet. Menschen verzichten fürs Klima auf Flugreisen oder sie fasten im Intervall, um ihrem Körper Gutes zu tun.

Im Rahmen des Kulturprojekts «Innereien» der Albert Koechlin Stiftung widmet das Museum Bruder Klaus dem Fasten eine Ausstellung. «Hungerkünste» beleuchtet vom 10. April bis am 14. August 2022 die verschiedenen Aspekte der Askese: die Ausstellung informiert, ordnet ein und stellt kritische Fragen.

Fasten bedeutet, freiwillig zu verzichten: auf Nahrung, auf Genüsse oder auf Bequemlichkeit. Die uralte Praxis der Enthaltsamkeit ist auch heute noch aktuell. Wie schon in der Antike geht es darum, gewohnte Muster aufzubrechen und sich persönlich oder spirituell weiterzuentwickeln.

Fasten ist vielschichtig. Der bewusste Verzicht hat eine körperliche, eine soziale und eine spirituelle Dimension. Früher fasteten Menschen in erster Linie, um spirituelle Erleuchtung zu erlangen. Heute steht am Anfang der Askese oft das Bedürfnis nach persönlicher Selbstoptimierung, politisches Engagement oder soziale Verantwortung.

Fastende erzählen

Rabbi Chaim Drukman macht jüdische Fastentage 2022
Rabbi Chaim Drukman macht jüdische Fastentage 2022

In der Ausstellung im Museum Bruder Klaus kommen zehn Innerschweizerinnen und Innerschweizer zu Wort, die fasten. Es sind Menschen mit verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründen, welche aus unterschiedlichen Gründen verzichten. In Bild und Ton berichten sie über Herausforderungen, denen sie begegnen und beschreiben die Rituale, die ihr Fasten strukturieren. Sie erzählen, warum der bewusste Verzicht in ihrem Leben bedeutsam ist. Die Porträts zeigen eindrücklich, dass die Tradition des Fastens ein verbindendes Element vieler Gemeinschaften, Kulturen und Religionen ist.

Der enthaltsame Bruder Klaus

Niklaus von Flüe gilt wohl als bekanntester Nahrungsabstinenter der Schweiz. Fast 20 Jahre lang soll er ohne Speis und Trank als Eremit im Ranft gelebt haben. Naturwissenschaftlich lässt sich dies nicht erklären und es zog schon zu seiner Lebzeit viel Aufmerksamkeit auf sich. Einige sahen ein Wunder, andere zweifelten und vermuteten Betrug oder gar einen Pakt mit dem Bösen. Die Ausstellung erzählt die Geschichte dieses langjährigen Verzichts, ordnet ihn im historischen Kontext ein, stellt andere Asketinnen und Asketen vor und sucht nach Erklärungen für das Fastenwunder.

Anna-Sabina Zürrer

Ergänzt wird die Ausstellung mit Werken der Künstlerin Anna-Sabina Zürrer. Die ausgestellten Arbeiten befassen sich mit Verzicht und Leere. Im künstlerischen Prozess treten dabei Fragen in den Vordergrund, die auch beim Fasten zentral sind: Wie viel darf weggelassen werden? Was geschieht, wenn man auf etwas bewusst verzichtet? Sieht man klarer durch den Verzicht?

Zusätzlich führt Anna-Sabina Zürrer an der Vernissage die Kunstaktion «Apéro (Brot und Käse)» durch. Mit ihrer Aktion hinterfragt sie unsere Apéro-Kultur und stimmt die Besuchenden auf das Ausstellungsthema ein. Relikte der Aktion werden während der gesamten Ausstellungszeit im Vermittlungsraum sichtbar sein und bei Führungen sind Degustationen möglich.

Jahresprogramm

Zusätzliche Dauerausstellung und Veranstaltungen

Neben der zweimal jährlich ändernden Wechselausstellung wurde im Museum Bruder Klaus auch die Dauerausstellung erweitert. «Dorothee Wyss – die Geschichte einer aussergewöhnlichen Frau» erzählt von der starken Frau an der Seite Niklaus von Flües. Anhand historischer Fakten wird das Leben der engagierten Familienfrau und erfolgreichen Bäuerin rekonstruiert. Neu ist das ganze Untergeschoss Dorothee gewidmet und lädt ein, sich mit ihrer Geschichte, mit Rollenbildern und der Liebe auseinanderzusetzen.

Neben interessanten Ausstellungen finden im Museum Bruder Klaus auch regelmässig kulturelle Veranstaltungen statt. Ob ein Theatermonolog mit Gilles Tschudi, ein Wortkonzert über das Reinigen oder eine Lesung mit Verkostung: Das Museum Bruder Klaus soll ein Ort des Austausches und der Diskussion sein, aber auch ein geselliger Treffpunkt inmitten des Dorfes.

Bernd Nilles fastet für das Klima 2022 | © zVg Sibylle Kathriner
Museum Bruder Klaus
1. April 2022 | 13:00