Schweiz, Luzern: Filmtage Luzern Menschenrechte 2016. 10.12.2016 im Stattkino Luzern.  Podiumsdisskussion nach dem Film «When two worlds collide» von Heidi Brandenburg, Mathew Orzel. Podiumsdiskussion mit vl.n.r.: Daniel Puntas Bernet (, Moderation, Chefredaktor «Reportagen»), Tobias Haller, Professor für Sozialanthropologie an der Universität Bern, und Flurina Doppler, Fachperson von COMUNDO in Peru, über Skype zugeschaltet.
Schweiz, Luzern: Filmtage Luzern Menschenrechte 2016. 10.12.2016 im Stattkino Luzern. Podiumsdisskussion nach dem Film «When two worlds collide» von Heidi Brandenburg, Mathew Orzel. Podiumsdiskussion mit vl.n.r.: Daniel Puntas Bernet (, Moderation, Chefredaktor «Reportagen»), Tobias Haller, Professor für Sozialanthropologie an der Universität Bern, und Flurina Doppler, Fachperson von COMUNDO in Peru, über Skype zugeschaltet.
COMUNDO, 11.12.2016, 20:09

Grosses Interesse für Menschenrechte

Medienmitteilung

Die 7. Ausgabe der «FilmTage Luzern: Menschenrechte» vom 5.-10. Dezember im stattkino Luzern ist erfolgreich über die Bühne gegangen. Rund 240 Schüler/innen besuchten mit ihren Lehrpersonen das spannende Schulprogramm. Während des gestrigen Hauptprogramms war das stattkino mit insgesamt 220 Besucher/innen ebenfalls sehr gut besetzt.

«Wir freuen uns, dass unser kleines Filmfestival so beliebt ist und sich im Programm des Luzerner stattkinos gut etabliert hat», sagt die Projektverantwortliche Li Hangartner. Dies zeige, dass das Interesse für Menschenrechtsthemen gross ist und die Menschen sich mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen solidarisieren – ganz besonders mit den unzähligen Geflüchteten. Nicht nur die Flüchtlingskrise war aber ein zentrales Thema der diesjährigen FilmTage, sondern auch die Rechte indigener Gemeinschaften, die im Film «When two worlds collide» thematisiert wurden.

Grundlegendes Umdenken ist nötig

Für das Gespräch im Anschluss an «When two worlds collide» wurde direkt aus Lima die COMUNDO-Fachperson Flurina Doppler zugeschaltet. Sie kennt die Bedrohung der lokalen Gemeinschaften im peruanischen Regenwald durch Megaprojekte aus nächster Nähe. Auch Tobias Haller, Professor an der Universität Bern, ist ein fundierter Kenner der Aktivitäten von Erdöl- und Minenkonzernen und den damit verbundenen Umwelt- und Menschenrechtsproblemen: «Es handelt sich um einen Teufelskreis, in den sich Peru, aber auch viele andere Staaten, begeben», erklärte er. «Sobald die Rohstoffpreise sinken, verschulden sie sich und müssen noch mehr Profit aus den natürlichen Ressourcen schlagen.» Lösungen zu finden, sei deshalb schwierig, sagte auch der Moderator Daniel Puntas Bernet, Chefredaktor der Zeitschrift «Reportagen». Für Flurina Doppler steht die Frage nach dem Entwicklungsmodell im Zentrum der Debatte. «Wir brauchen ein grundlegendes Umdenken – ein neues Modell, das den Schutz des Lebens über die Gewinnmaximierung stellt», betonte sie. Dafür sei viel Sensibilisierungsarbeit nötig, z.B. im Rahmen des 8. Panamazonas-Forums, das Ende April 2017 in Peru stattfindet und von der Organisation «Forum Solidaridad Perú», bei der Flurina Doppler tätig ist, mitorganisiert wird.

Dokumentation aktueller Ereignisse

Der Film «Les Sauteurs», in dem ein junger Mann aus Mali die prekäre Situation an der spanisch-marokkanischen Grenze von Melilla dokumentiert, gab Einblick in ein höchst aktuelles Thema. Gerade vor zwei Tagen stürmten rund 400 Geflüchtete eine andere spanische Exklave in Marokko – Ceuta, wo vergleichbare Zustände herrschen. Dutzenden Flüchtlingen gelang es, die sechs Meter hohe Grenzanlage zu durchbrechen, wobei sie jedoch teilweise schwer verletzt wurden. Yemane Yohannes aus Eritrea, der seit 2008 in der Schweiz lebt, berichtete im Gespräch nach dem Film von seiner zwei Jahre dauernden Flucht, während der er ähnliche menschenverachtende Erfahrungen machte wie die Geflüchteten in «Les Sauteurs». Auf die Frage des Moderatoren und Völkerrechtsexperten Andreas Zumach, was zu tun wäre, fand er klare Worte: Die Probleme vor Ort bekämpfen und Druck ausüben auf die diktatorischen Regierungen. Und falls dies nicht möglich sei: Den Geflüchteten legale Zugangswege eröffnen, sie in Europa integrieren und ihnen die Möglichkeit geben, zu arbeiten und ein selbständiges Leben aufzubauen. Wichtig sei auch, den Geflüchteten wirklich zuzuhören, ergänzte Constantin Hruschka von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Ihr oberstes Ziel sei in vielen Fällen gar nicht Europa, sondern die möglichst baldige Rückkehr in die Heimat. Die Gesprächsteilnehmer diskutierten zudem über die rechtliche Situation bezüglich Einreise und Aufenthalt, internationale Flüchtlingsabkommen und die Entwicklung eines Asylverfahrens in Marokko.

Der letzte Film des Tages, «Worlds apart», wurde als Vorpremière und ohne anschliessendes Gespräch gezeigt. Der berührende Spielfilm aus Griechenland verknüpft die prekäre Situation der Flüchtlinge, die in Griechenland festsitzen, mit der ökonomischen Misere der Griechinnen und Griechen – und dies anhand von drei Liebesgeschichten. Er ist ab 6. Januar 2017 im Kino Bourbaki in Luzern zu sehen. Am 2. Februar 2017 zeigen COMUNDO und das stattkino ausserdem mit «Cahier africain» einen weiteren Film im Rahmen der «FilmReihe Luzern: Menschenrechte» (weitere Informationen unter www.romerohaus.ch/veranstaltungen).

Die «FilmTage Luzern: Menschenrechte» wurden von COMUNDO, dem stattkino und dem Institut für Sozialethik der Theologischen Fakultät der Universität Luzern organisiert. Anlass für die alljährliche Durchführung seit 2010 gibt der internationale Tag der Menschenrechte am 10. Dezember.

Medienspiegel ›

News ›

Katholisches Medienzentrum