Wir sind Kirche, 20.10.2016, 09:28

Gemeinden, Theologie und Bischöfe sind zu verantwortlichem Handeln aufgerufen

Pressemitteilung München, 19. Oktober 2016

Kritische Bilanz von Wir sind Kirche ein Jahr nach Ende der Bischofssynode in Rom zur Familie (25. Oktober 2016)

Eine eher skeptische Bilanz zieht die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche ein Jahr nach der Doppelsynode der Bischöfe in Rom zu Ehe und Familie in der modernen Welt, die am 25. Oktober 2015 ihren feierlichen Abschluss fand. Die Gemeinden, alle Katholikinnen und Katholiken,sollten sich dazu aufgerufen fühlen, selbstständig, eigenverantwortlich und unkonventionell zu handeln und nicht immer nur zu warten, ob ihr Tun auch durch die Kirchenleitung erlaubt wird. Als mündige Christinnen und Christen sind alle angehalten, wahrzunehmen, was als Lehre verkündet wird, – zu prüfen, ob das mit dem eigenen Gewissen zu vereinbaren ist, – und dann selbstständig und eigenverantwortlich den Weg zu gehen, der als richtig und vom Evangelium her erforderlich und vorgezeichnet erkannt wird.

Die deutschen Bischöfe müssen sich fragen lassen, ob sie innerhalb des zurückliegenden Jahres intensiv und geschlossen genug dem Auftrag von Papst Franziskus nachgekommen sind, die Impulse und neuen Chancen der weltweiten Bischofssynode in Deutschland theologisch und auch praktisch weiterzuentwickeln. Dies betrifft nicht nur den veränderten Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten, sondern einen grundsätzlich anderen synodalen Leitungsstil auf allen Ebenen der Kirche.

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche wiederholt deshalb ihren Appell an die Bischöfe, viel konsequenter als bisher und gemeinsam den Reformkurs von Papst Franziskus zu unterstützen. Franziskus hat den Ortskirchen eine große Freiheit, aber auch große Verantwortung übertragen. Die kontroversen Reaktionen seit der Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens «Amoris laetitia» zeigen, dass die von Franziskus intendierte Diskussion über die Themen in Gang gesetzt worden ist. Die Katholikinnen und Katholiken in Deutschland erwarten daher jetzt von den deutschen Bischöfe eine aktive Fortentwicklung der Sexualethik, Pastoral und Familientheologie für unser Land.

Die Diskrepanz der dogmatischen Festlegungen der Vergangenheit zur evangeliumgemäßen Botschaft der Barmherzigkeit und zum pastoralen Ansatz von Papst Franziskus werden immer deutlicher und zeigen, dass auch Korrekturen und Weiterentwicklungen in der Dogmatik und im Kirchenrecht notwendig sind. Mit der entscheidenden Aussage, «dass nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen» (AL Nr. 3), hat Papst Franziskus der Kirche die Freiheiten des Dialogs und der Weiterentwicklung der Lehre und der Pastoral zurückgegeben, die vor allem durch die beiden Vorgängerpäpste über die Maßen beschnitten wurde. «In jedem Land oder jeder Region (können) besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen» (AL Art. 3).

Angesichts der vom Zweiten Vatikanischen Konzil angestrebten und jetzt durch Papst Franziskus forcierten Synodalität und Dezentralisierung der römisch-katholischen Kirche kommt es darauf an, wie die von Franziskus gesetzten Grundlinien, Impulse und Gestaltungsspielräume von den Bischöfen und Diözesen in aller Welt aufgenommen und – im jeweiligen kulturellen Kontext – weitergeführt werden.

In dieser offenen und offen machenden Richtung ist «Amoris laetitia» auszulegen und umzusetzen. Das mit großen Hoffnungen und Erwartungen aufgenommene Schreiben «Amoris laetitia» darf nicht zerredet werden oder gar in Vergessenheit geraten! Das daraus resultierende Handeln der Bischöfe und der Kirchen vor Ort stellt eine Nagelprobe für die Reformfähigkeit der gesamten Kirche dar.

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